Massive Schäden

Wildschweine: Landwirte fürchten um Existenz

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Wildschweine sorgen für Ärger bei den Landwirten in Werdohl.

Werdohl – Massive Wildschwein-Schäden beklagt der Werdohler Landwirt Fritz Knoche. Und es werde immer schlimmer, sagt er.

Das Stück Land, zu dem Daniela Kirchhoff die Besucherin führt, ist keine Ackerfläche – auch, wenn es auf den ersten Blick so scheint. Auf dem Grünland, nur einen Steinwurf vom Hof Knoche entfernt, sollte eigentlich bald das frische Gras sprießen, damit es später zur Silage weiterverarbeitet werden kann. 

Aber daraus wird nichts: Wildschweine haben das Grünland gründlich umgepflügt. Die Grasnarbe ist an vielen Stellen völlig zerstört. Die Tiere sind bei ihrer Suche nach Würmern und Käferlarven, den so genannten Engerlingen, alles andere als zurückhaltend ans Werk gegangen. 

Landwirtin Daniela Kirchhoff und ihr Vater Fritz Knoche beobachten das Verhalten der Schwarzkittel mit großer Sorge. „Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer“, stellt Daniela Kirchhoff fest. 

Reserven aufgebraucht

Auch die milden Winter führten dazu, dass sich die Tiere immer stärker vermehren, wissen die Landwirte. Knoche hat bereits Gruppen mit circa 50 Wildschweinen beobachtet. Sie kommen auch den Menschen auf der Suche nach Futter mitunter sehr nahe – und richten großen Schaden an. „Unsere Reserven sind aufgebraucht. In diesem Jahr werden wir Futter zukaufen müssen“, stellt Fritz Knoche fest. 

Auf dieser Grünfläche haben die Wildschweine ganze Arbeit geleistet. Landwirtin Daniela Kirchhoff entdeckt regelmäßig neue Schäden.

Seine Tochter ergänzt: „So wird das Überleben wird für uns Landwirte immer schwieriger.“ Immerhin gelte es, 60 Milchkühe zu versorgen, dazu kommen die Jungtiere. 70 Hektar Grünfläche stehen dafür insgesamt zur Verfügung – als Weideland, und zur Herstellung von Grassilage. 

14 Hektar Land zerstört

Doch die Wildschweine haben ganze Arbeit geleistet: „Circa 14 Hektar sind hinüber“, bedauert Daniela Kirchhoff. Damit auf dieser Fläche wieder Gras wachsen kann, müsse sie maschinell bearbeitet werden. „Dazu sind spezielle Maschinen notwendig. Wir müssen einen Unternehmer beauftragen“, erklärt die Landwirtin. 

Dass der Jagdpächter die Hofbesitzer prinzipiell entschädigen muss, ist für Daniela Kirchhoff aus mehreren Gründen kein großer Trost. Einerseits sei die Fläche, die maschinell bearbeitet und neu eingesät werde, immer größer als der eigentliche Schadensbereich. Denn wenn die Maschine zum Einsatz komme, lohne es sich nicht, kleinere Bereiche auszusparen, die von den Schweinen verschont wurden. 

Buckelpiste: Mehr Dreck in Silage 

Hinzu komme, dass auch nach dem Herrichten des Grünlandes später weniger Silage zur Verfügung stehe, als auf schadensfreien Flächen: „Denn wir können erst dann neu aussäen, wenn das Saatgut keinen Frost mehr bekommt. Ansonsten geht es kaputt.“ Deshalb falle die Ernte natürlich letztlich auch geringer aus. 

Und das ist noch nicht alles: Selbst nach der maschinellen Behandlung sei das Grünland nicht mehr so eben wie zuvor. „Die Buckelpiste bekommt man kaum noch richtig glatt“, stellt Knoche fest. So könne bei der Ernte deutlich mehr Dreck in die Silage gelangen. „Das Futter ist dann nicht mehr so hochwertig. Im schlimmsten Fall können die Kühe davon sogar krank werden“, erläutert Daniela Kirchhoff. 

Mais vor Tieren nicht sicher

Als wären die Wildschwein-Probleme auf den Grünflächen nicht schon schlimm genug, ist auch der Mais auf den Ludemerter Höhen nicht sicher: „Im Herbst waren die Schweine da drin. Von Zäunen lassen sie sich nicht immer abschrecken“, sagt Fritz Knoche. 

Für den Werdohler steht eines fest: Nur eine deutlich stärkere Bejagung kann die Schwarzkittel aufhalten. „Bauern und Jäger müssen unbedingt zusammenarbeiten. Nur gemeinsam haben wir eine Chance."

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