Wildwechsel im Wohngebiet

Wildschweine im Garten: Jäger verrät, was gegen die Tiere hilft

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Wildschweine im Wohngebiet: Stabile Zäune machen Gärten sicherer.

Werdohl - Immer wieder sorgen Wildschweine in Werdohler Wohngebieten für Ärger. Auf der Suche nach Nahrung graben sie regelmäßig Gärten um. Hilmar von Bardeleben, Jäger am Möhnesee, hat eine verblüffend logische Antwort auf die Frage, wie man sie aus dem Garten fern halten kann.

Immer wieder Ärger mit den Wildschweinen: Viele Gartenbesitzer in Werdohl haben mit Verwüstungen durch die Schwarzkittel zu kämpfen. Mal graben die Wildtiere Gärten am Kettling um, dann sind sie in der Osmecke aktiv und erst kürzlich haben sie mehreren Gärten in Ütterlingsen einen Besuch abgestattet.

Auch aus anderen Stadtteilen und den Nachbarstädten werden immer wieder Schäden gemeldet, die durch Wildschweine entstanden sind. Den Jägern sind in den meisten Fällen die Hände gebunden. Innerhalb von Wohngebieten dürfen sie nicht schießen. Natürlich können sie, beispielsweise durch Drückjagden, in den Revieren für eine Regulierung der Wildschweinpopulation sorgen.

Aber nicht selten sind gerade solche Aktivitäten der Auslöser dafür, dass die Tiere den Wald verlassen und ihr Heil in den für sie sicheren Wohngebieten suchen. Gärten nutzten die schlauen Schweine als geschützte Selbstbedienungsläden – weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass sie in Siedlungen nicht bejagt werden.

Bei der Suche nach einer Lösung des Problems könnte es sich lohnen, der Frage auf den Grund zu gehen, warum Wildschweinrotten nächtens ganze Gärten auf links drehen. Der Grund ist für den Wildwechsel im Wohngebiet nämlich: Die Tiere sind auf Futtersuche. Wildschweine sind Allesfresser, die sich überwiegend von energiereicher pflanzlicher Nahrung ernähren.

Neben ihren natürlichen Nahrungsquellen, wie Eicheln und Bucheckern, nehmen sie auch landwirtschaftlich genutzte Felder mit Getreide, Mais, Raps und Kartoffeln an. Das Schwarzwild braucht aber zusätzlich auch tierisches Eiweiß. Dies nimmt es überwiegend auf durch den Verzehr von Engerlingen, also den Larven verschiedener Blatthornkäfer. Dazu durchwühlen die Tiere systematisch den Boden – und machen auch vor dem gepflegten Reihenhausgarten nicht Halt.

Was im Wald vorteilhaft ist, weil in der aufgelockerten Erde Pflanzensamen guten Nährboden finden, sorgt bei Gartenbesitzern für Verdruß. Doch wie kann man die Wildschweine davon abhalten, den gepflegten Garten umzugraben? Hilmar von Bardeleben, Jäger am Möhnesee, hat eine verblüffend logische Antwort: „Wo keine Larven sind, gibt es für die Wildschweine nichts zu holen, also bleiben sie weg und suchen sich anderswo ihr Futter“, hat er im Gespräch mit dem in der Gemeinde Möhnesee erscheinenden Soester Anzeiger erklärt.

Eine Möglichkeit, die Larven los zu werden, gibt es dem Jäger zufolge seit einigen Jahren ebenfalls. Gegen die Larven helfen demnach spezielle Nematoden oder Fadenwürmer, die im Handel erhältlich sind. Einschlägige Internetseiten mit dem Angebot von Fadenwürmern, von denen sich einige Arten übrigens auch mit Erfolg zur Bekämpfung von Nacktschnecken einsetzen lassen, bestätigen die Erläuterungen. Die Nematoden dringen in die lebenden Engerlinge ein und sondern ein Bakterium ab, wodurch die Larven nach zwei bis drei Tagen verenden.

Die Nematoden vermehren sich nun in den toten Wirtstieren, verlassen diese nach etwa zwei Wochen und suchen sich neue Larven. Dies gehe so lange, bis keine Larven als Wirte vorhanden sind, dann sterben auch die Nematoden mangels Nahrungsgrundlage ab. „Das ist also alles voll biologisch“, sagt von Bardeleben. Tipps insbesondere zur Bekämpfung der Larven des Junikäfers werden im Internet ebenfalls beschrieben.

Dringend empfohlen wird dort aber auch, zunächst anhand einiger Engerlinge zweifelsfrei festzustellen oder feststellen zu lassen, ob sich im Boden tatsächlich die Engerlinge des Junikäfers tummeln. Dann könne der Einsatz von Nematoden der Art „Heterorhabditis bacteriophora“ Abhilfe schaffen. Ob damit wirklich die Wildschweine ferngehalten werden können?

Immerhin können die Gartenbesitzer auf einen Nebeneffekt hoffen, wenn es sich um Junikäferlarven und eine erfolgreiche Bekämpfung handelt: Auch die Graswurzeln werden durch die fressenden Käferlarven arg in Mitleidenschaft gezogen. Nach erfolgreicher Bekämpfung würde daher der Rasen wieder besser sprießen.
Volker Griese/Ludger Tenberge

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