Wildkirsche: Ästhetisch und wirtschaftlich

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„Der Baum ist wohl bald fällig“, stellt Förster Frank Bossong beim Vermessen einer stattlichen Wildkirsche am Waldrand oberhalb Dresel fest. Ab einem Durchmesser von 50 Zentimetern sei das Holz gut zu verkaufen. ▪

WERDOHL ▪ Wichtige Aufgaben im Bereich Naturschutz, ästhetische Reize für den Betrachter und eine gute wirtschaftliche Nutzung: Die Wildkirsche sei in dreierlei Hinsicht eine würdige Trägerin des Titels „Baum des Jahres 2010“, stellt Markus Gumpricht vom Regionalforstamt des märkischen Sauerlandes fest. Gemeinsam mit seinem Werdohler Försterkollegen Frank Bossong machte er sich jetzt daran, einen Blick auf die heimischen Wildkirschen zu werfen.

„Viele kennen Kirschbäume nur aus dem Garten und wissen nicht, dass die Kirsche bei uns auch ein wichtiger Waldbaum ist“, erklärt Bossong. In Werdohl und Umgebung gebe es zahlreiche Wildkirschen, ergänzt Gumpricht. Gerade jetzt im Frühjahr erfreue sie Wanderer mit ihrer weißen Blütenpracht.

Wildkirschen stehen vor allem an Waldrändern, denn sie brauchen Licht. „Beim Übergang vom Wald zum Feld handelt es sich um eine biologisch sehr aktive Zone. Die Kirsche trägt dazu bei, dass dort viele Vögel und Insekten einen Lebensraum finden“, erläutert Gumpricht. Das sei auch ein Grund, weshalb der Laubbaum derzeit vermehrt genutzt wird, um Brachen wieder aufzuforsten, die Orkan Kyrill in die Landschaft riss. „Derartige Windwürfe werden mit dem Klimawandel wohl zunehmen“, mutmaßt Gumpricht. Deshalb investierten Förster derzeit viel Energie und das Land NRW jede Menge Fördermittel bei der Aufforstung mit den robusteren Wildkirschen.

Folgende Generationen könnten jedoch auch in wirtschaftlicher Hinsicht von den heutigen Maßnahmen profitieren. „Schließlich ist Kirsche ein beliebtes Holz für Möbel“, erläutert Bossong.

„Hier haben wir zum Beispiel ein echtes Prachtexemplar“, deutet der Förster auf eine Wildkirsche mit stattlichem Stamm in einem Waldstück oberhalb Dresel. „54 Zentimeter Durchmesser, zehn bis zwölf Meter astfreie Länge – für eine hochwertige Verarbeitung geeignet“, fasst der Werdohler zusammen. Der Baum sei rund 80 Jahre alt. Nun müsse er gefällt werden, bevor er faule. „Auf Holzauktionen bringt das Holz mit dem rötlichen Farbton dann zu bis zu 500 Euro pro Festmeter – je nach Mode“, so Gumpricht. ▪ pia

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