Wiederspahn: Integration in die Arbeitswelt ist gelungen

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Uwe Wiederspahn entwickelte im Auftrag der Stadt ab 1999 das Werdohler Integrationsprojekt „Wip el ele“. Der 66-jährige Sozialarbeiter ging 2013 in Altersteilzeit.

Werdohl - Mehr als zehn Jahre lang beschäftigte sich der Werdohler Uwe Wiederspahn beruflich mit Integration in Werdohl. 1999 bekam der heute 66-jährige Rentner vom Rat den Auftrag, „Soziale Probleme und Lösungsstrategien in Werdohl“ zu beschreiben. Der gelernte Sozialarbeiter hatte die deutliche Anweisung, diese „sozialen Probleme“ schwerpunktmäßig bei Ausländern zu suchen. Rat und Verwaltung nahmen damals Ängste in der Bevölkerung vor zu großer türkischer Migration wahr und reagierten.

Wiederspahn erinnert sich: „Offene Konflikte im Zusammenleben, offene Fremdenfeindlichkeit gab es in Werdohl weder damals noch heute.“ Vielmehr seien es Berührungsängste, eng verbunden mit deutschen Vorstellungen vom Islam. Probleme, so Wiederspahn, habe es damals eher gefühlt gegeben: Vermüllung im Stadtgebiet oder Gruppierungen junger Türken in der Innenstadt, die bei älteren Deutschen diffuse Ängste ausgelöst hätten. Viele Leserbriefe standen damals in den Zeitungen

Tatsächliche Schwierigkeiten gab es, weil in manche Grundschulklasse mehr als die Hälfte nicht deutsch sprechender Kinder angemeldet wurden. Der Arbeitsmarkt meldete sich: Die Arbeitslosigkeit junger Ausländer war hoch, ältere Ausländer hatten häufig schlecht bezahlte Jobs. All das seien Gründe gewesen für die Stadt Werdohl, dem Thema Integration viel Aufmerksamkeit zu widmen. 2003 ging deshalb das Werdohler Integrationsprojekt „Wip el ele“ an den Start. 

Stadtteilmütter machten die Arbeit ehrenamtlich

Gemeinsam mit Ausländern aus den Kulturvereinen sei das Konzept erarbeitet worden. „Wip el ele“ stand auf zwei Beinen: In der Innenstadt übernahm die Integrationsagentur des Diakonischen Werks mit Evangelia Kasdanastassi die Arbeit, in Pungelscheid, Ütterlingsen, Eveking und auf der Königsburg wurden so genannte „Stadtteilmütter“ als Mittlerinnen ausgewählt. Der 66-Jährige lacht: „Wir hatten damals einfach keine Väter.“

Das Projekt lebte zum größten Teil von Fördermitteln 

Wiederspahn arbeitete erst in Stellenanteilen für das Integrationsprojekt, die letzten drei Jahre bis zum Eintritt in die Altersteilzeit 2013 sogar auf ganzer Stelle. Wiederspahn: „Das Projekt lebte zum größten Teil von Förderungen von Land, Bund und EU. Auch meine Personalkosten bei der Stadt wurden zum Teil durch Fördermittel finanziert.“

Bei „Wip el ele“ sei es im Kern um die Themen Sprache, Bildung und Einstieg in den Beruf gegangen. Integration sei früher auf diese Schwerpunkte angelegt gewesen. Aus diesen Gedanken heraus entstand die bis heute erfolgreiche Berufsorientierungsmesse BOM. 

Wiederspahn: „Die weichen Faktoren, das Zwischenmenschliche, das lief immer nur nebenher.“ Auch die politischen Aspekte „haben wir tunlichst rausgelassen“, das sei nicht Aufgabenstellung gewesen. Schwerpunkt der Integrationsarbeit war, jugendliche Ausländer von der Straße in die Arbeit zu bekommen. 

Integrations-Monitoring war immer etwas schwammig

Wiederspahn: „Dieser Teil der Aufgabenstellung ist weitgehend gelöst worden.“ In Integrations-Monitoring habe er eine Menge Arbeit gesteckt. Der Sozialarbeiter erinnert sich: „Man hatte nie Messinstrumente, es war immer etwas schwammig, die Arbeit zu begründen.“ Mit dem Begriff der Integration habe er mittlerweile so seine Schwierigkeiten, sinniert Wiederspahn. „Vielfalt, das ist doch ein viel schönerer Begriff“, meint er.

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