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„Wieder mehr Sport machen“: Norbert Heinrich gibt Werkstatt an Nachfolger ab

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Von: Volker Griese

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Seine Autowerkstatt an der Plettenberger Straße wird Norbert Heinrich (links) am 31. Dezember aufgeben. Mit Mike Baumgärtel steht der Nachfolger aber längst bereit.
Seine Autowerkstatt an der Plettenberger Straße wird Norbert Heinrich (links) am 31. Dezember aufgeben. Mit Mike Baumgärtel steht der Nachfolger aber längst bereit. © Volker Griese

Mit 66 Jahren fängt das Leben noch einmal neu an für Norbert Heinrich. Dann wird der Kraftfahrzeugmechaniker-Meister, der in Werdohl als Tankstellenpächter und Inhaber einer Autowerkstatt bekannt geworden ist, den Schraubenschlüssel an den Nagel hängen und in den Ruhestand gehen. Seine etablierte Werkstatt an der Plettenberger Straße weiß er aber in guten Händen.

Werdohl ‒ Sein ganzes Berufsleben hat Norbert Heinrich Autos repariert. Schon mit 14 Jahren – kurz zuvor war der gebürtige Oberhausener mit seiner Familie nach Werdohl gekommen, weil sein Vater dort in der Firma Thomée einen lukrativen Job gefunden hatte – begann Heinrich im damaligen Autohaus Piepenstock seine Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechaniker. Später wechselte er zum Fiat-Autohaus Henneberg, wo er zehn Jahre blieb. Anschließend arbeitete er viele Jahre als Mechaniker an der Aral-Tankstelle von Walter „Vati“ Koch.

Mit einer solchen Kombination aus Tankstelle und Auto-Reparaturwerkstatt machte sich Norbert Heinrich schließlich im März 1990 selbstständig: Er übernahm die damals neu gebaute Shell-Tankstelle an der Lennestraße. Während er sich um die Reparaturen kümmerte, führte seine Ehefrau Gabriele die Tankstelle und erledigte die Büroarbeit.

Sehr lange funktionierte dieses Geschäftsmodell aber nicht. „Shell wollte damals keine Tankstellen mehr in Verbindung mit einer Werkstatt“, blickt Heinrich zurück. Da dem Automechaniker aber das Reparieren von Fahrzeugen so viel bedeutete, eröffnete er am ehemaligen BMW-Kaltenbach-Standort an der Plettenberger Straße eine Autowerkstatt und gab die Tankstelle schließlich Ende 1998 auf.

„Die Werkstatt hat sich sehr gut entwickelt“, schaut Norbert Heinrich zufrieden auf diesen Abschnitt seiner Selbstständigkeit zurück. „Zeitweise hatten wir drei Monteure und auch einen zweiten Meister“, erinnert er sich. Auch einige Auszubildende habe er beschäftigt, an die Zahl kann er sich aber nicht mehr erinnern.

„Ein guter Schritt“ sei auch die Übernahme von Wohnmobilreparaturen gewesen, denkt Norbert Heinrich an einen Meilenstein, den er 2010 mit einer Investition in Höhe von rund 60.000 Euro setzte. Dafür wurde unter anderem eine 5,5-Tonnen-Hebebühne angeschafft, auf der seitdem Reisemobile und Kleintransporter repariert werden können. Das war damals ein Alleinstellungsmerkmal – und auch heute biete so etwas noch längst nicht jede Autowerkstatt an, sagt Heinrich mit hörbarem Stolz.

Nach 52 Jahren im Beruf des Automechanikers steht aber für den 66-Jährigen nun der Ruhestand an – und der kommt offenbar zur richtigen Zeit. Denn mit den aufkommenden E-Autos möchte der altgediente „Autoschlosser“ nichts mehr zu tun haben.

Und auf das Ende des Berufslebens hat er sich allem Anschein nach auch gut vorbereitet. Unter dem Dach seiner Werkstatt hat sich im Juni 2020 bereits Mike Baumgärtel mit einer eigenen Werkstatt selbstständig gemacht. „Er hat sich hier reingeschlichen, jetzt schleiche ich mich raus“, fasst Heinrich zusammen, wie die Übergabe funktionieren soll. Er selbst will vielleicht ab und zu noch einmal aushelfen, gerne an Oldtimern schrauben, ansonsten aber ab dem 1. Januar seinen Ruhestand genießen. Dann will der frühere Handballer und Triathlet „wieder mehr Sport machen“. Er freut sich auf Spaziergänge mit seinem Hund und auf lange Wanderungen mit seiner Ehefrau Gabriele. „Vielleicht kaufen wir uns auch ein Wohnmobil“, sinniert Heinrich, wie er seinen Lebensabend gestalten könnte.

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