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Wie steht es um das Werdohler Wahrzeichen? Experten untersuchen Viadukt

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Von: Volker Heyn

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Mit einer schwimmenden Plattform und einer über die Lenne gespannten Fangleine schipperten Karsten Götze und Tino Berbig (l.) zu ihrem Arbeitsplatz.
Mit einer schwimmenden Plattform und einer über die Lenne gespannten Fangleine schipperten Karsten Götze und Tino Berbig (l.) zu ihrem Arbeitsplatz. © Heyn, Volker

Getreu dem Spruch, dass dem „Ingeniör nichts zu schwör“ ist, schipperten Karsten Götze und Tino Berbig vom Ingenieurbaubüro MKP aus Weimar am Mittwoch und Donnerstag auf einer wackeligen Plattform über die Lenne.

MKP ist von der Deutschen Bahn damit beauftragt, das historische Eisenbahnviadukt in Ütterlingsen auf seinen Zustand hin zu untersuchen. Das Büro wird später auch bewerten, welche Maßnahmen nötig sind, das denkmalgeschützte Bauwerk von 1865 in einen modernen und voll belastungsfähigen Schienenverkehrsweg umzubauen.

Schon vor einigen Tagen wurde auf der der B 236 gegenüberliegenden Seite ein Gerüst am Viadukt angebracht. Ein anderes Team von MPK bohrte tiefe Löcher in das Mauerwerk des Viadukts. Auf diese Weise wurden Bohrkerne entnommen, die später die Expertise der Ingenieure zur Ertüchtigung der Brücke stützen. Dass es die Deutsche Bahn wohl ernst meint mit dem Erhalt und der baulichen Verbesserung des 157 Jahre alten Bauwerks, erklärt Tino Berbig. Selbst die aus einiger Entfernung kaum auszumachenden Bohrlöcher sollen denkmalgerecht mit Natursteinmaterial verkleidet werden.

Schwimmende Plattform in der Lenne

Die beiden Männer hatten eine schwimmende Plattform zu Wasser gelassen und stakten und paddelten das Gefährt quer über die Lenne. Um nicht abgetrieben zu werden, wurde eine Sicherungsleine über den Fluss gelegt und an Bäumen verspannt. Von der Plattform aus und vom Gerüst nutzten die beiden modernste elektronische Mittel und Geräte, um in den Brückenkörper hinein schauen zu können. Dadurch wird eine Bauwerksdiagnostik als Bestandsuntersuchung möglich und ebenso eine Schadensdokumentation. Die Ingenieure werden auch Schadprozesse dokumentieren und damit spätere Ertüchtigungen gezielt vorbereiten. MPK hat von der Bahn einen Auftrag für das Ütterlingser Eisenbahnviadukt und auch für die in Plettenberg gelegene Lennebrücke Siesel, ebenfalls ein Kulturdenkmal.

Vom Gerüst aus lässt sich durch Durchlässe und extra angebrachte Kernbohrungen sogar in das Innere der Brückenkonstruktion schauen.
Vom Gerüst aus lässt sich durch Durchlässe und extra angebrachte Kernbohrungen sogar in das Innere der Brückenkonstruktion schauen. © Heyn, Volker

Die Netzgesellschaft der Deutschen Bahn hat feste Vorgaben, wie der jeweilige Schienenweg auszusehen hat. Brücken müssen bestimmte Traglasten, Geschwindigkeiten und Überfahrmassen aushalten. Die Männer von MPK werden den Brückenkörper in Zahlen fassen unter der Fragestellung, was man damit baulich dauerhaft erreichen kann.

Der Überbau muss ertüchtigt werden

Um den Lasten von Güterzügen zu entsprechen und eine zukünftige Betriebssicherheit für den Nah- und Fernverkehr zu erreichen, müsse ganz sicher der Überbau der Brücke ertüchtigt werden. Dazu sei eine neue Fahrbahnplatte auf der Brücke für die Gleise nötig.

Im Auftrag der Deutschen Bahn untersuchen Experten vom Ingenieurbüro Marx Krontal aus Weimar das Ütterlingser Eisenbahnviadukt. Die beiden Männer können nach Auswertung der Daten beurteilen, welche Maßnahmen für die Ertüchtigung der Brücke als ein moderner und belastbarer Schienenweg nötig sind.
Im Auftrag der Deutschen Bahn untersuchen Experten vom Ingenieurbüro Marx Krontal aus Weimar das Ütterlingser Eisenbahnviadukt. Die beiden Männer können nach Auswertung der Daten beurteilen, welche Maßnahmen für die Ertüchtigung der Brücke als ein moderner und belastbarer Schienenweg nötig sind. © Heyn, Volker

Grundsätzlich stellt sich bei denkmalgeschützten Bauwerken die Frage, ob ein Erhalt vor allem unter Kostenaspekten sinnvoll ist. Abzuwägen ist, ob der identitätsstiftende Wert eines solchen Eisenbahnviaduktes höher anzusiedeln ist als der Wunsch nach einem modernen und zukunftssicherem Verkehrsweg auf der Schiene. Diese Entscheidung scheint aber schon lange gefallen zu sein – und zwar für den Erhalt des Viadukts.

Strecke wird für den Güterverkehr ausgebaut

Um die insgesamt 241 Kilometer lange Strecke Hagen-Siegen-Hanau für die steigenden Anforderungen an den Güterverkehr auszubauen, plant die Bahn bereits die Erweiterung der Tunnelprofile. Auch Überholgleise für Güterzüge sollen gebaut werden. Zurzeit läuft dafür die Vorplanung. Dabei werden verschiedene Varianten für die Tunnelprofil-Erweiterung und die kapazitätssteigernden Arbeiten untersucht. Die Baugrunduntersuchungen an den Tunneln gehören dazu.

Dieses Projekt wird eher mittel- bis langfristig für eine Entlastung der häufig mit Lastwagen überfüllten Straßen im Lennetal sorgen. „Erst wenn alle Planfeststellungsbeschlüsse des Projektes mit Bestandskraft vorliegen, können wir Termine für den Baubeginn und die Inbetriebnahme nennen“, sagte ein Bahnsprecher erst vor wenigen Tagen.

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