Starker Mittelstand

Wie ein Familienbetrieb im MK bisher alle Krisen überstanden hat

Die komplette Belegschaft von Dreh- und Frästechnik Schumacher am Kettling steht hinter ihren Chefs: Firmengründer Olaf, Ehefrau Susanne und Betriebsleiter Nick haben aus einer Ein-Mann-Handelsvertretung eine wachsende Firma mit bald zwei Dutzend Mitarbeitern gemacht.
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Die komplette Belegschaft von Dreh- und Frästechnik Schumacher am Kettling steht hinter ihren Chefs: Firmengründer Olaf, Ehefrau Susanne und Betriebsleiter Nick haben aus einer Ein-Mann-Handelsvertretung eine wachsende Firma mit bald zwei Dutzend Mitarbeitern gemacht.

Dass die Corona-Zeit sogar wirtschaftliches Wachstum ermöglicht, beweist der metallverarbeitende Betrieb von Olaf Schumacher an der Gewerbestraße am Kettling. Dieses mittelständische Familienunternehmen konnte sogar weltpolitische Krisen überwinden und zeigt damit Stärken und Möglichkeiten von Inhabergeführten Unternehmen.

Werdohl – Olaf Schumacher ist Plettenberger, auf seiner Visitenkarte ist das „Macher“ im Namen fett gedruckt. Der 58-Jährige startete sein Unternehmen 1999 im eigenen Haus mit einer Handelsvertretung für Industriebedarf. Zehn Jahre bestritt er damit seine Existenz, das Geschäft lief sehr gut, es gab viele Aufträge. Aus der Not heraus im großen Krisenjahr 2009 kam Schumacher auf den Gedanken, die Teile, mit denen er handelte, einfach selbst zu fertigen. Als gelernter Zerspanungsmechaniker produzierte er so Drehteile auf eigenen Maschinen.

„Der Aufbau meiner eigenen Produktion hat mir als kleinem Händler in der Krise den Hintern gerettet“, sagt Schumacher heute. Damals stieg sein Sohn Nick (heute 29 und Miteigentümer) in den Betrieb ein, aus der Ein-Mann-Unternehmung wurde eine Zwei-Mann-Firma. Nick ist gelernter Industriemechaniker, die Schumachers kauften weitere Maschinen, der Betrieb wuchs.

Umzug von Plettenberg nach Werdohl

Mit dem Größerwerden passten die Räume zuhause nicht mehr, Vater und Sohn suchten ab 2016 nach einem Grundstück für einen Neubau. Fast wäre es gelungen, doch größere Unternehmen seien bei der Vergabe von Flächen bevorzugt worden.

Durch einen glücklichen Zufall wurde die Familie auf die leer stehende Halle von Menshen an der Gewerbestraße 22 aufmerksam. Früher war dort ActionSports untergebracht. Olaf Schumacher erinnert sich: „Wir sind rein, haben uns das angesehen und sofort gekauft.“ Das Gebäude sei tiptop in Schuss gewesen: „Wir brauchten nur einziehen.“ Das Unternehmen Schumacher bestand da noch aus Vater und Sohn sowie gerade einmal zwei weiteren Mitarbeitern.

Da hatte die Weltpolitik so eine kleine Bude wie uns ganz hart getroffen.

Olaf Schumacher, Unternehmer

Nach dem Umzug vergrößerte sich der Betrieb stetig. Neben den Drehteilen kam auch ein Fräsabteilung hinzu, 2019 wurde ein Qualitätsmanagement eingerichtet, das auch im Auftrag anderer Betriebe Prüfarbeiten leistet. Die Firma startete mit sieben Maschinen, heute stehen 20 in der Halle. Die Mitarbeiterzahl wuchs von vier auf 18.

Gestärkt aus der Krise

Schumacher ist stolz darauf, aus Krisen gestärkt hervorzugehen. So hat er seine Firma weitestgehend unabhängig von der Autoindustrie gemacht. Die Diesel-Krise habe man überwinden können, weil andere Kundenkreise gewonnen werden konnten. Dreh- und Frästeile werden für die Windkraft, Pumpenhersteller und Anbieter von E-Mobilität produziert. Auch für den Fahrzeugbau liefert Schumacher.

Seit zwanzig Jahren liefert und produziert der Betrieb Teile für einen amerikanischen Konzern, der Lasertechnologie herstellt. Diese Abhängigkeit führte Schumachers ist die größte Krise des Unternehmens. Schuld war Donald Trump beziehungsweise die Außenpolitik der damaligen amerikanischen Regierung. Die Laser-Firma konnte aufgrund des Handelskriegs nicht mehr nach China verkaufen. „Das war in der zweiten Hälfte 2019“, so Schumacher, „wir hatten auf einmal einen Einbruch von 70 Prozent.“

Betriebsleiter und Prokurist Nick Schumacher steht mit einem Drehteil in Händen an einer der Drehmaschinen in der ehemaligen Menshen-Halle am Kettling.

Auch Ehefrau Susanne, die in der Buchhaltung arbeitet, und Sohn sowie Betriebsleiter Nick erinnern sich mit Schrecken an diese Tage. „Brutal“, „heftig“ sei das gewesen. Olaf Schumacher: „Da hatte die Weltpolitik so eine kleine Bude wie uns ganz hart getroffen.“

Gerettet durch die Banken ‒ dann kam Corona

Gerettet worden seien sie letztlich von den heimischen Banken, die den Mittelstand nach Kräften unterstützten. „Weil wir vorher immer sehr gute Zahlen hatten, bekamen wir für unser Konzept Kredite, die uns durch die schwere Zeit geholfen haben.“ Gemeinsam mit der KfW konnte diese Phase nicht nur überbrückt werden – Schumacher kaufte sogar neue Maschinen, stellte Leute ein.

Dann kam Corona. Und auch diese Zeit nutzte Schumacher für Wachstum. Das schon 2019 begonnene Qualitätsmanagement wurde als weiteres Standbein durch neue Prüfmaschinen und die Einstellung eines QMB-Mitarbeiters etabliert.

Schumachers wollen größer werden und noch in diesem Jahr mindestens vier Leute einstellen: „Wenn wir sie denn bekommen.“ Hier beschreibt Schumacher ein Problem vieler Mittelständler: „Ich kann als Einstieg nicht soviel zahlen wie Großbetriebe.“ Auch könne er nicht alle gewerkschaftlichen Errungenschaften anbieten. „Aber sobald ich sehe, dass die Leistung stimmt, kann hier richtig gutes Geld verdient werden.“ Schumacher bietet auch Überstunden sowie ein wertschätzendes Betriebsklima. Händeringend gesucht werden deshalb Zerspanungsmechaniker Fachrichtung Drehtechnik, aber auch Hilfsarbeiter.

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