Corona-Pandemie in Werdohl

Wie das Werdohler Ordnungsamt gegen Corona-Regelverstöße vorgeht

Kontrollgang auf dem Spielplatz an der Goethestraße: Hin und wieder muss das Ordnungsamt einschreiten.
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Kontrollgang auf dem Spielplatz an der Goethestraße: Hin und wieder muss das Ordnungsamt einschreiten.

Das schöne Wetter, die Ferien und eine gewisse Pandemiemüdigkeit bescheren dem Werdohler Ordnungsamt derzeit mehr Arbeit als ohnehin schon.

Werdohl – Ferienzeit, schönes Wetter und eine gewisse Pandemiemüdigkeit – die Werdohler zieht es derzeit in Scharen nach draußen an die frische Luft. Dass es deshalb hier und dort zu größeren Menschenansammlungen kommt, ist kein Wunder. Der Außendienst des Ordnungsamtes hat ein Auge darauf, dass die Regeln, die die Corona-Schutzverordnung vorgibt, dennoch eingehalten werden. Nicht immer gelingt das.

Dienstagnachmittag, Spielplatz an der Goethestraße: Mehrere Familien mit Kindern haben sich das Areal in der Innenstadt ausgesucht, um dort Zeit zu verbringen. Während sich der Nachwuchs auf den Spielgeräten vergnügt, sitzen Mütter und einige Väter auf Bänken und Sitzgruppen zusammen. Sie unterhalten sich, manche machen ein kleines Picknick. Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes schaut vorbei, erinnert hier und dort an die Maskenpflicht oder die Einhaltung von Abständen.

So hoch ist der Anteil der Verstöße

Der Mann in der blauen Uniform muss diesmal kaum einschreiten, berichtet aber im Gespräch, dass das nicht immer so sei. „Wir haben hier zwei Gruppen: die einen, die sich an die Regeln halten, und die, die mit uns diskutieren wollen“, sagt er. Die zweite Gruppe sei die deutlich kleinere. Auf „höchstens zehn Prozent“ schätzt er ihren Anteil an allen Spielplatz-Besuchern. Auf anderen Spielplätzen sei der Anteil der Besucher ohne die vorgeschriebene Mund-Nase-Bedeckung höher – „viel höher“, versichert der Mann vom Ordnungsamt, der wie zwei weitere Kollegen und am Wochenende zusätzlich eine Teilzeitkraft regelmäßig an den Brennpunkten im Stadtgebiet vorbeischaut. Mindestens sechs Mal am Tag kontrollieren sie auch auf dem Spielplatz an der Goethestraße.

Ein beliebter Treffpunkt ist bei schönem Wetter der Spielplatz an der Goethestraße. Nach den Beobachtungen des Ordnungsamtes halten sich dort die meisten Besucher an die Regeln – zumindest, solange kein Kontrolleur in Sicht ist.

Eine Gruppe sorgt für Ärger

Andrea Mentzel, Leiterin des Ordnungsamtes, bestätigt in gewisser Weise, dass Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung in Werdohl an der Tagesordnung sind. Jede Woche müsse die Stadt „eine ganze Anzahl“ von Bußgeldverfahren einleiten. Womöglich wäre die Zahl noch höher, würden die jenigen, die gegen Auflagen verstoßen, die Außendienstler des Ordnungsamtes nicht schon von Weitem an ihren Uniformen erkennen und dann schnell die Masken über Mund und Nase ziehen. Das weiß auch Andrea Mentzel und bedauert: „Leider kann man dagegen nichts machen.“

Was Mentzel aber richtig ärgert, ist, dass es eine Bevölkerungsgruppe gebe, die die Kontrolleure offen provoziere. „Es gibt Gruppen von Jugendlichen, die machen sich regelrecht einen Spaß daraus. Wenn sich unsere Mitarbeiter denen nähern, laufen sie weg und machen aus sicherer Entfernung auch noch dumme Sprüche“, berichtet die Ordnungsamtsleiterin aus dem Alltag. In solchen Fällen Bußgelder zu verhängen, ist nachvollziehbar schwierig.

Verfahren landen vor Gericht

Überhaupt sei die Sache mit den Bußgeldern nicht ganz so einfach, erklärt Mentzel. Sie zu verhängen sei das Eine, an das Geld der Delinquenten dann auch heranzukommen, das Andere. Mentzel berichtet von teils langwierigen Verfahren: „Einige zahlen widerstandslos, aber es gibt auch etliche, die erst einmal einen Rechtsanwalt einschalten. Dann landen solche Fälle nicht selten vor dem Amtsgericht.“ Dort seien derzeit gleich mehrere Verfahren anhängig.

Wegen der dünnen Personaldecke im Ordnungsamt und der zunehmenden Aufgaben durch die Corona-Pandemie sucht die Stadt gerade auch Verstärkung, um das Arbeitsaufkommen im Zusammenhang mit den Bußgeldverfahren bewältigen zu können. Das könnte nämlich sogar noch steigen, weil die Außendienstler des Ordnungsamtes jetzt auch Kontrollgänge an den Kletterfelsen durchführen müssen. Die hat die Stadt vor einigen Tagen wieder zur Nutzung freigegeben, weil es sich um eine Freiluft-Sportanlage handele, sagte Reinhardt Haarmann, Leiter der Abteilung Schule, Kultur, Sport und Service.

Darum sind Sportplätze gesperrt

Klettern dürfen an der Altenaer Straße sogar Personen aus mehreren unterschiedlichen Haushalten, allerdings müssen sie mindestens fünf Meter Abstand zueinander einhalten. „Die Einhaltung der Regeln am Kletterfelsen wird durch das Ordnungsamt überwacht“, sagte Haarmann. Andere Freiluft-Sportanlagen – beispielsweise die Sportplätze am Riesei und in Altenmühle – blieben in Absprache mit den Vereinen und dem Stadtsportverbaand geschlossen. Nach den Osterferien solle die Situation neu bewertet werden.

Das macht die Stadt mit Adressen

So wird das Bemühen um die Eindämmung der Pandemie zu einem Kampf gegen Windmühlen. Zwar liegen der Stadt Werdohl die Namen und Anschriften der Infizierten und ihrer Kontaktpersonen vor, viel anfangen kann die Behörde damit aber nicht. Sie würden nur zur Überwachung der Quarantäne-Einhaltung genutzt, sagt die Ordnungsamtsleiterin auf Nachfrage.

Daraus beispielsweise eine besondere Häufung von Covid-19-Erkrankungen in einem Stadtteil abzuleiten und dort besondere Maßnahmen zu ergreifen, sei nicht möglich. Das sei „datenschutzrechtlich sehr bedenklich“, sagt Mentzel. Ohnehin fehle der Stadt aber auch das Personal für derartige Maßnahmen.

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