Nur ohne Zauberei

Wie bei Harry Potter: Auch in dieser Stadt im MK gibt es bald ein „Denkarium“

Hier wird an Werdohls Zukunft gearbeitet: Auf einer ganzen Etage des Gewerbehofes an der Neustadtstraße nutzen Experten von Stadtverwaltung und Stadtmarketing ausrangierte Turn- und Sportgeräte als Tische und Bänke. Das soll Kreativität fördern.
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Hier wird an Werdohls Zukunft gearbeitet: Auf einer ganzen Etage des Gewerbehofes an der Neustadtstraße nutzen Experten von Stadtverwaltung und Stadtmarketing ausrangierte Turn- und Sportgeräte als Tische und Bänke. Das soll Kreativität fördern.

In der Zauberwelt von Harry Potter ist das Denkarium eine Art Speicherreserve für das Gehirn, in der Erlebnisse abgelegt werden können, um sie später noch einmal ansehen zu können.

Werdohl - Ein Denkarium hat sich jetzt auch die Stadtverwaltung Werdohl geschaffen, allerdings soll darin nicht die Vergangenheit abgespeichert, sondern die Zukunft geplant werden. Mit Zauberei hat das auch wenig zu tun, sondern mehr mit einer unkonventionellen Form von Arbeit.

Die Idee eines Innovationszentrums in den Räumen der ehemaligen Kunstwerkstatt im Bahnhof geisterte seit Anfang 2020 durch den Raum, Stadtmarketing-Chef Ingo Wöste hatte sie Anfang 2021 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt: Stadtplanung, Klimaschutzmanagement und Marketing sollten gemeinsam an der Umsetzung des Stadtentwicklungskonzepts „Masterplan 2040“, an der Zukunft Werdohls arbeiten. Womit Wöste nicht gerechnet hatte: Sein Mitarbeiter Claas Marienhagen verließ das Marketing, dessen Nachfolgerin kündigte ihren Arbeitsvertrag nach nur einem (!) Tag und Bürgermeister Andreas Späinghaus zeigte Wöste die Grenzen der Verfügbarkeit städtischen Personals im Innovationszentrum auf. Der Fehlstart des Projekts war perfekt, in der Folgezeit wurde es ruhig um die Idee.

Bürgermeister ist der Begriff zu sperrig

Hinter den Kulissen ging die Arbeit aber weiter, offensichtlich vorangetrieben vor allem von der Stadtverwaltung mit Bürgermeister Späinghaus, aber unter neuer Bezeichnung. Späinghaus war der Begriff des Innovationszentrums ohnehin zu sperrig und unpassend: „Die Umsetzung des Masterplans ist ja nicht unbedingt eine Innovation“, sagte er. Was dem Verwaltungschef vorschwebte, war eine Art Denkwerkstatt, ein Raum, in dem alle an der Masterplan-Umsetzung Beteiligten sich treffen und in kleinen oder größeren Gruppen zusammen an der Zukunft Werdohls arbeiten können. Der aus den Rowling-Romanen entlehnte Begriff des „Denkariums“ war geboren.

Was zunächst nur als Arbeitstitel gedacht war, entwickelt sich mehr und mehr zum festen Begriff für dieses Forum. Und es gibt dieses Denkarium mittlerweile sogar ganz real: Im Gewerbehof an der Neustadtstraße nutzt die Stadt Werdohl die zuletzt leer stehenden Räume – eine ganze Etage – der ehemaligen Sportschule Zirnsak, und zwar auf eine durchaus unkonventionelle Weise als Ideenschmiede.

Tischtennisplatte und Turnböcke sorgen für besondere Atmosphäre

Die Stadt hat nicht mehr benötigte Turn- und Sportgeräte aus der abgerissenen Jahn-Turnhalle in den Gewerbehof schaffen lassen. Dort sitzen die Ideenschmiedinnen und -schmieder – unter anderem die Fachleute aus Wirtschaftsförderung, Stadtplanung, Klimaschutz, Demografie und Stadtmarketing – jetzt auf zu Bänken umfunktionierten Sprungkästen, ihre Notizen schreiben sie auf einer Tischtennisplatte nieder. Turnböcke und ein Sprungpferd dienen als Stehpulte oder zum Anlehnen bei Stehkonferenzen. Telefone gibt es nicht in diesem Raum, was weitgehend ungestörtes Arbeiten ermöglichen soll.

„Dort sind Gespräche in einer ganz anderen Atmosphäre als zum Beispiel im Rathaus möglich“, sagte Bürgermeister Späinghaus, dem dieses Konzept sehr gut gefällt. Er verspreche sich davon, dass das außergewöhnliche Arbeitsumfeld auch dazu beiträgt, verkrustete Denkstrukturen aufzubrechen. „Ich möchte, dass weniger formal diskutiert wird, damit der Masterplan zum Leben erweckt werden kann“, erläuterte Späinghaus seine Vorstellung von einer Ideenentwicklung ohne bürokratische Hürden. Er spricht von dem Denkarium als einem „Ort, an dem man kreativ sein und verrückte Ideen entwickeln kann“. So viel verspricht er sich davon, dass er demnächst sogar die turnusmäßigen Abteilungsleiter-Besprechungen der Stadtverwaltung vom Rathaus in den Gewerbehof verlegen möchte.

Nicht nur für Experten von Stadtverwaltung und Marketing

Das Denkarium soll nach den Vorstellungen des Bürgermeisters aber nicht nur Experten von Stadtverwaltung und Stadtmarketing als Arbeitsplatz mit außergewöhnlicher Atmosphäre dienen. „Auch Begegnungen und Gespräche mit Bürgern sind möglich“, möchte Späinghaus die Entwicklung von Werdohls Zukunft auf eine möglichst breite Basis stellen. Denn auch für Anregungen aus der Bevölkerung soll die Masterplan-Gruppe von Stadt und Stadtmarketing offen sein: „Wir müssen jede Idee ernst nehmen“, fordert der Bürgermeister. Zumindest so lange, bis sie sich als Irrweg oder nicht umsetzbar erweise.

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