Uni Wheels: Ringen um 400 Arbeitsplätze

+
Noch im Sommer zeigte sich Uni Wheels bei einem großen Mitarbeiterfest optimistisch. Dieter Schmidt (2. von links), Standortverantwortlicher der Geschäftsführung, und Dieter Padberg (rechts), Assistent der Geschäftsleitung, stellten Produkte vor. ▪

WERDOHL ▪ In allerletzter Minute haben Gewerkschaft und Arbeitgeberverband für den Alufelgenhersteller Uni Wheels in Dresel einen Standortsicherungstarifvertrag abgeschlossen. Gleichzeitig unterzeichneten Geschäftsführung und Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung über flexible Arbeitszeiten. Die Vereinbarungen sehen vor, dass die Belegschaft im kommenden Jahr gewinnabhängig auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichtet.

Über die Situation in dem Betrieb, der noch bis zum Jahresanfang unter ATS, ehemals Stahlschmidt und Mayworm, firmierte, informierten gestern IG-Metall Bevollmächtigter Bernd Schildknecht und Betriebsratsvorsitzender Ömer Dege.

Während die Uni Wheels-Gruppe insgesamt sehr erfolgreich sei, gebe es beim Werdohler Standort Probleme aufgrund des zu schnellen Wachstums. Innerhalb eines Jahres wurden 90 neue Mitarbeiter eingestellt und vier Millionen Euro in Maschinen investiert. Schildknecht: „Die sind in zu kurzer Zeit zu groß geworden.“ Es habe Probleme mit der Technologie und bei den Arbeitsabläufen gegeben. Gearbeitet wird in vier Schichten sieben Tage die Woche. Um Zeit für diese „Schularbeiten“ zu bekommen, hatten die Tarifparteien für Uni Wheels einen Standortsicherungstarifvertrag beschlossen, der zum 31. Dezember 2011 ausläuft.

Vor einigen Monaten sei festgestellt worden, so Schildknecht, dass es „Umsetzungsprobleme“ bei diesem Vertrag gebe. Nach Vorgesprächen zwischen den beiden Tarifparteien, Geschäftsführung und Betriebsrat hatte sich die Gewerkschaft bei einer betrieblichen Urabstimmung die Zustimmung geholt, erneut in Verhandlungen einzusteigen.

Am 25. November präsentierte Schildknecht in dem Betrieb den Stand der Verhandlungen, worauf sich der Metaller eine derbe Abfuhr einholte. Die Mehrheit der IG-Metall-Mitglieder der Uni Wheels-Belegschaft stimmte gegen ein Weiterverhandeln und wollte zum üblichen Flächentarifvertrag zurück. Schildknecht: „Die haben wohl gedacht, die Geschäftsführung würde nur blöffen.“ Schildknecht bezeichnete in diesem Zusammenhang die Belegschaft als „einen wilden Haufen“ mit unterschiedlichen Mentalitäten und Abstammungen.

Danach wurde es richtig ernst: Bei einem vorläufigen Abschlussgespräch am 30. November kündigte Uni Wheels-Geschäftsführer Rolf Graf die Mitgliedschaft beim Arbeitgeberverband Mark, erklärte einen Investitions- und Auftragsannahmestopp für Dresel und sprach davon, bis 2013 nur noch 200 Leute in Werdohl beschäftigen zu können. Individuelle Arbeitsverträge sollten unterschrieben werden.

Schildknecht dazu: „Das war keine Drohgebärde. Wir kennen die Zahlen. Die Geschäftsführung hatte keine andere Möglichkeit als auf diese Weise zu reagieren.“ Noch in der Nacht habe diese Erklärung zu heftigen Diskussionen in der Belegschaft geführt, so Ömer Dege. Innerhalb kürzester Zeit waren 300 Unterschriften zusammen, die darum baten, dass sich Geschäftsführung und Gewerkschaft noch einmal an einen Tisch setzten.

In intensiven Verhandlungen sei dann der neue Standortsicherungsvertrag und die Betriebsvereinbarung gefunden worden. Am Montag dieser Woche wurde das Verhandlungsergebnis zur betrieblichen Urabstimmung gestellt. Vorgestern um 23 Uhr stand fest, dass 86 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder der Kollektivregelung zustimmen. Schildknecht: „Die Geschäftsführung war darüber sichtlich froh.“

Von Volker Heyn

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare