Wettstreit zwischen Schulen eskaliert

Der Leiter der Realschule, Bernd Bunge, ist verstimmt. ▪ Fraune

WERDOHL ▪ Gesamtschulleiter Heinz Rohe sorgt mit seinen Äußerungen über die Haupt- und Realschule für Unverständnis. Der Leiter der Realschule, Bernd Bunge, kritisiert seinen Kollegen für die im aktuellen Schulbrief gemachten öffentlichen Schilderungen mit deutlichen Worten.

„In finde so etwas nicht kollegial.“ Rohe würde bei eigenen Problemen mit seinem Finger in Richtung der Realschule zeigen. „Er fürchtet um seine Vierzügigkeit“, vermutet Bunge daher. Der Realschulleiter unterstreicht, dass trotz der Aufnahme von voraussichtlich acht Fünftklässlern mit Hauptschulempfehlung zum neuen Schuljahr, seine Schule nicht zu einer Haupt- und Realschule geworden ist, wie der Gesamtschulleiter schreibt. „Wir sind von den Lernzielen und Aufgabenstellungen eine Realschule.“ So werde nach Zielen und Inhalten dieser Schulform unterrichtet. Dass solch eine Vielzahl von Kindern mit Hauptschulempfehlung aufgenommen werde, sei dem maßgebenden Erlass der Landesregierung geschuldet. Demnach müsse dem Elternwillen nachgekommen werden – und nicht mehr der Empfehlung der Grundschule für eine weiterführende Schule. So würden zunächst die Eltern beraten, welche Fördermöglichkeiten bestehen. „Wir empfehlen dann die Hauptschule für Kinder mit Hauptschulempfehlung wegen der kleinen Klassen und den besseren speziellen Fördermethoden.“ Die Eltern hätten aber das letzte Wort. In den Klassen 5 und 6, die so genannte Erprobungsstufe, zeige sich, ob die Kinder für die Realschule geeignet sind.

Hinter den Äußerungen von Rohe vermutet Bunge die Sorge um die Gesamtschule. „Er sieht ein Problem mit der Schule.“ So hätte es dort wegen der neuen Gemeinschaftsschule in Neuenrade deutlich weniger Anmeldungen gegeben. „Dieses Jahr wird es nur knapp vierzügig.“ Offenbar spreche aus den aktuellen Äußerungen daher die Not.

Der Realschulleiter glaubt auch, dass solche Stellungnahmen, wie sie Rohe in dem aktuellen Schulbrief getätigt hat, Eltern verärgert, die sich genau überlegen, welche Schulform für ihr Kind die richtige ist. „Ich möchte durch mein Profil überzeugen und nicht, indem ich mit einem Finger auf Andere zeige“, setzt der Realschulleiter auf eigene Stärken. Die Annahme seines Kollegen, dass es womöglich in wenigen Jahren in Werdohl nur noch die Albert-Einstein-Gesamtschule geben wird, die dann in der Sekundarstufe I auf sechs Klassen erweitert ist, hält Bunge für „nicht realistisch“. Die Realschule könne mittel- und langfristig eine Zweizügigkeit vorweisen. Die Gesamtschule werde wohl drei- bis vierzügig sein. Eltern würden sich außerdem diese Vielfalt der Schullandschaft wünschen. Wie es aber mit der Hauptschule weitergehen wird, könne noch nicht gesagt werden. „Das ist im Moment noch nicht überschaubar.“ ▪ Marco Fraune

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