Tipwin und Tipster

Wettbüro öffnet fast direkt neben anderem: Streit vorerst aufgeschoben

Dieses Wettbüro an der Bahnhofstraße wird seit 2009 von Faruk Türkmen aus Attendorn betrieben. Wegen der Corona-Pandemie darf nur die Tür für die Annahme von Wetten geöffnet sein. Keine 150 Meter schräg gegenüber hatte im Oktober ein Konkurrent geöffnet. Trotz des gesetzlichen Abstandsgebots von 350 Metern gibt es für beide Betriebe eine Übergangsregelung bis Mitte 2022.
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Dieses Wettbüro an der Bahnhofstraße wird seit 2009 von Faruk Türkmen aus Attendorn betrieben. Wegen der Corona-Pandemie darf nur die Tür für die Annahme von Wetten geöffnet sein. Keine 150 Meter schräg gegenüber hatte im Oktober ein Konkurrent geöffnet. Trotz des gesetzlichen Abstandsgebots von 350 Metern gibt es für beide Betriebe eine Übergangsregelung bis Mitte 2022.

Der Streit um die zwei sehr nahe beieinander liegenden Werdohler Wettbüros ist aufgeschoben. Das ist der Grund.

Werdohl – Der Gesetzgeber hat Ende Januar erklärt, dass für Bestandsbüros eine Übergangsfrist bis Juni 2022 gelte. Faruk Türkmen, der Betreiber des alteingesessenen Wettbüros an der Bahnhofstraße, wundert sich unterdessen. Er kann nicht verstehen, warum es der Konkurrenz Ende Oktober erlaubt wurde, keine 150 Meter schräg gegenüber eine Annahmestelle zu eröffnen.

Wettannahmestellen und Wettbüros waren bis 2020 illegal, wurden aber bundesweit geduldet. Seit Anfang 2020 wird von den Bezirksregierungen versucht, die veränderten Bestimmungen des deutschen Glücksspielstaatsvertrags umzusetzen. Das ist nach mehr als einem Jahr immer noch nicht gelungen. Die Frage, warum trotz eines gesetzlichen 350-Meter-Abstandsgebots zwischen zwei Wettbüros beide Werdohler Betriebe geöffnet sind, beantwortet niemand in letzter Instanz.

Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel verweist auf die Bezirksregierung als genehmigende Behörde. Die Bezirksregierung verweist auf die Lizenzierung federführend durch das Land Hessen und dem Regierungspräsidium Darmstadt.

„Ich wollte vor Jahren ein zweites Wettbüro in Werdohl öffnen. Das wurde mir damals im persönlichen Gespräch von der Stadt untersagt. Jetzt hat 150 Meter schräg gegenüber die Konkurrenz aufgemacht. Wie kommt das?“, fragt sich Faruk Türkmen. Der 58-jährige Attendorner betreibt sieben Wettbüros in Werdohl, Plettenberg, Meschede, Sundern und Schmallenberg. Das Werdohler Büro hat er 2009 von einem Vorgänger übernommen, seit einigen Monaten firmiert Türkmen sein Werdohler Büro nach außen sichtbar unter Tipster. Die großen Wettanbieter arbeiten allesamt nach dem Franchise-System. Türkmen betreibt vier seiner Büros für Tipwin und drei für Tipster.

Vor Jahren habe er in Werdohl mit Tipwin expandieren wollen, berichtet Türkmen auf Nachfrage der Redaktion. Er habe einen zweiten Betrieb in genügend großer Entfernung zu seinem Geschäft an der Bahnhofstraße eröffnen wollen. Ihm sei unmissverständlich klar gemacht worden, dass er generell keine Chance auf einen zweiten Standort in Werdohl habe.

Umso mehr wundert sich der Geschäftsmann, dass es der Sabem GmbH offensichtlich erlaubt wurde, im Oktober als Lizenznehmer von Tipwin ein Wettbüro auf der anderen Seite der Stadtbrücke zu eröffnen. Türkmens Vermutung geht dahin, dass es einen Zusammenhang mit der Bürgermeisterwahl in Werdohl gebe. Beweisen oder gar einklagen könne und wolle er nichts, so Türkmen, der sich selbst als Sauerländer bezeichnet. Er sei von den Behörden abhängig und wolle keine unnötigen Auseinandersetzungen.

„Es sollten aber für alle Anbieter auf dem Markt in einer Stadt dieselben Regeln gelten“, fordert der Unternehmer, der in Plettenberg aufgewachsen ist. Mit dem ein oder anderen „woll“ in der Sprache vermittelt Türkmen, dass er schon seit mehr als 30 Jahren Geschäfte in der Region macht.

In der Branche seien so gut wie alle miteinander bekannt, erzählt er. So kenne er auch denjenigen Betreiber persönlich, dem das neu eröffnete Tipwin-Büro schräg gegenüber gehöre. Mehmet Calik aus Ahlen betreibe überall im Ruhrgebiet Wettbüros. Calik hatte die Räume des ehemaligen Café Wiengarn schon vor knapp zwei Jahren gemietet. Caliks Geschäftsführer Sascha Bruns eröffnete das Büro in Werdohl Ende Oktober 2020, weil Tipwin offenbar Anfang Oktober eine Lizenz für alle Franchise-Betriebe bekommen haben soll.

Faruk Türkmen hat für seine Betrieb in Werdohl allerdings noch keine Lizenz durch die Bezirksregierung erhalten: „Ich hoffe, dass ich eine bekomme.“ Seiner Meinung nach brauche jede einzelne Annahmestelle eine eigene Lizenz, die pauschale Lizensierung der meist in Malta ansässigen Wettanbieter für den deutschen Markt reiche nicht aus.

Um seine Stellung als alteingesessenen Wettbetrieb zu verbessern, will er in naher Zukunft in das Werdohler Büro investieren. Corona erlaubt im Augenblick keinen Aufenthalt im Geschäft. Aber im Laufe des Jahres würden die Kontaktbeschränkungen sicher wieder gelockert, der Wettbetrieb werde sich normalisieren. Grundsätzlich habe er nichts gegen Konkurrenz, im Gegenteil: „Dann muss man sich anstrengen, etwas Besseres als die anderen zu machen.“ Die größte Konkurrenz sei ohnehin für alle im Wettgeschäft das Online-Spiel: „Hat man ein Handy, hat man 1000 Wettbüros in der Tasche.“

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