Wespen: Bekämpfung nicht immer erste Wahl

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Wespen im Anflug: Die gelb-schwarzen Insekten haben einen schlechten Ruf, dabei sind die meisten völlig ungefährlich. Nur zwei von acht in Deutschland vorkommenden Arten können dem Menschen Schmerzen zufügen. 

Werdohl - Sie sind gelb-schwarz und ziemlich klein, können aber zur Plage werden: Wespen. In Deutschland gibt es acht verschiedene Arten, doch in der Regel werden dem Menschen nur zwei gefährlich. Trotzdem darf und sollte man die Nester der stechenden Plagegeister nicht einfach entfernen oder umsiedeln.

In den allermeisten Fällen ist ein mehr oder weniger friedliches Zusammenleben von Menschen und Wespen möglich. Doch es gibt auch Situationen, in denen man den Tierchen zu Leibe rücken muss – beispielsweise, wenn sie in Massen in Wohnräume eindringen oder wenn sie Allergiker bedrohen. Erster Ansprechpartner ist dann die Untere Naturschutzbehörde beim Märkischen Kreis. 

Dort geben Sabine Trienke (Tel. 0 23 51/9 66 64 00) und Ulrike Regus (Tel. 0 23 51/9 66 63 79) Ratschläge, wie man vorgehen könnte. Und die Bekämpfung der Insekten ist nicht immer erste Wahl. „In Zeiten, in denen wir über das Insektensterben reden, sollten wir bestrebt sein, möglichst viele zu erhalten“, sagt Trienke. Denn so lästig Wespen dem Menschen auch sein können, wenn sie die Kaffeetafel oder den Grillabend stören: In der Natur haben auch sie eine Aufgabe. Wespen vertilgen verschiedene Fliegenarten, Spinnen, Raupen, Forstschädlinge und Heuschrecken. Deshalb stehen einige auch unter Artenschutz. 

„Aber die Gesundheit des Menschen steht natürlich über dem Artenschutz“, sagt Trienke auch und rät deshalb in besonderen Fällen auch schon einmal dazu, sich professionelle Hilfe zu holen. Dann treten Männer wie Sebastian Bauer und Kai Dobberphul in Aktion. Sie sind Schädlingsbekämpfer bei der Firma ACE Zydek in Nachrodt-Wiblingwerde, in deren Auftrag aber im ganzen Märkischen Kreis unterwegs. Auch in Werdohl haben sie viele Kunden. 

Nicht alles, was summt, ist gefährlich 

Bevor die Schädlingsbekämpfer tätig werden, machen sie sich zuerst immer ein Bild von der Lage. Dann kann es auch schon einmal vorkommen, dass sie unverrichteter Dinge wieder abrücken. An einen solchen Fall kann sich Bauer erinnern: „Am Riesei in Werdohl sollten wir einmal ein Erdwespennest entfernen. Tatsächlich handelte es sich aber um streng geschützte Wildbienen. Wir haben dann den betroffenen Sandkasten stillgelegt, bis die Bienen ein paar Wochen später verschwunden waren.“ Nicht immer muss – oder darf – den Tierchen, die in Haus und Garten brummen und summen, der Garaus gemacht werden. Bauer nennt eine Faustregel: „In einem freihängenden Nest lebt praktisch immer eine geschützte Art.“ 

Anders lag ein Fall in dieser Woche: Wespen hatten sich im Dachgesims eines Hauses eingenistet und drangen zuhauf in den Wintergarten ein. Bauer und Dobberphul rückten den Tieren mit einem Insektizid auf Basis eines Nervengiftes zu Leibe. Und obwohl die Schädlingsbekämpfer nur geringe Mengen des Mittels eingesetzt hatten, war das ganze Wespenvolk innerhalb weniger Stunden abgetötet. Von handelsüblichen Insektensprays rät Bauer übrigens ab. „Damit sprüht man das Gift in die Luft, wo es gegen die Wespen kaum wirkt, Menschen und Haustiere es aber einatmen.“ 

Wespennest im Dachgesims

Im Fall des Wespennestes im Dachgesims hatten die bei- den Männer ihre Ar- beit nach knapp einer Stunde getan. Nach Ausbringen des Insektizides haben sie die Wespen noch einige Zeit beobachtet. Denn auch das gehört zur Tätigkeit des Schädlingsbekämpfers: Zu wissen, mit welchen Tieren man es überhaupt zu tun hat und wie sie auf die Bekämpfung reagieren. Bauer und Dobberphul führen deshalb eine Auswahl von Mitteln mit, mit denen sie zum Beispiel Wespen bekämpfen können. „Wir haben sieben verschiedene Wirkstoffe dabei“, sagt Bauer. Welcher davon zum Einsatz komme, werde vor Ort entschieden. 

Eine Umsiedlung von Wespennestern nehmen die Schädlingsbekämpfer selten vor. Bauer weiß nämlich: „Bei Wespen ist das schwierig, weil sie am neuen Standort möglicherweise keine Nahrung finden.“ Bei Hornissen, der größten Wespenart in Mitteleuropa, sei eine Umsiedlung meistens erfolgreicher. Selbst tätig zu werden, davon rät Bauer ebenso wie Trienke ab – nicht nur aus Sicherheitsgründen. „Laut Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Fortpflanzungs- oder Ruhestätten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören“, sagt Trienke. Ein Verstoß kann mit einer Geldbuße von bis zu 50 000 Euro geahndet werden.

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