Wershoven: „Bin politisch allerbestens vernetzt“

Matthias Wershoven hat unserer Redaktion dieses Kandidatenportrait zur Verfügung gestellt

Werdohl - „Ich bin jung, ich stehe für mehr als eine Amtszeit zur Verfügung. Bei den Themen Stärkungspakt Stadtfinanzen und Stadtumbau sitze ich fest im Sattel, ich war von Anfang an auch bei allen internen Gesprächen dabei.“ Matthias Wershoven, mit 29 Jahren der jüngste Bürgermeisterkandidat in Werdohl, sieht sich für das Amt gut ausgerüstet. Als SPD-Fraktionsvorsitzender habe er zwei Jahre Zeit gehabt, sich in die Dinge einzuarbeiten: „Es ist eine große Aufgabe, ich traue sie mir zu, sonst wäre ich nicht bis hierher gekommen.“

Wershoven ist gebürtiger Werdohler und erfuhr erst vor Kurzem, dass er die doppelte Staatsbürgerschaft besitzt: Seine Mutter ist Italienerin. Bei den jüngsten Parlamentswahlen in Italien bekam er – für ihn selbst überraschend – Briefwahlunterlagen zugesandt. Die Gelegenheit habe er genutzt, um Berlusconi abzuwählen. Bislang hatte er angenommen, ausschließlich Deutscher mit deutschem Pass zu sein. Die Großeltern väterlicherseits hatten in Eveking einen Handwerksbetrieb, wanderten aber vor knapp 30 Jahren nach Holland aus. Wershoven hat einen jüngeren Bruder und eine jüngere Schwester, ist ledig und wohnt in Ütterlingsen. Die Grundschule besuchte er auf der Königsburg, sein Abitur legte er auf der Albert Einstein-Gesamtschule ab. Zivildienst leistete er bei der Stadt Werdohl, 2009 schloss er in Dortmund das Studium als Master of Education ab. Seit 2012 ist er Lehrer an der Burgschule in Neuenrade, zunächst im Angestelltenverhältnis, seit August vergangenen Jahres als Beamter. Falls er zum Bürgermeister gewählt wird, muss er seinen Status als Laufbahnbeamter aufgeben, als Bürgermeister wäre er Wahlbeamter. „Ich habe mir eine sehr lange Bedenkzeit eingeräumt, als wir in der SPD überlegt haben, ob ich für das Bürgermeisteramt kandidiere“, so Wershoven. Falls er Bürgermeister werde, aber danach nicht noch einmal wiedergewählt werden würde, könne er nur als Angestellter zurück in den Lehrerberuf. „Das habe ich erst als Risiko angesehen, jetzt begreife ich es als Chance“, meint Wershoven. Das zeichne ihn aus: Er könne sehr gut zuhören, abwägen und dann eine Entscheidung treffen. Wershoven: „Ich kann ganz klare Positionen beziehen.“ Als Bürgermeister werde er sich innerhalb des Rathauses unterstützen lassen: Neben dem ständigen Vertreter Michael Grabs habe er „auch andere Personen im Blick.“

Mit 17 Jahren in die SPD eingetreten

Seinen persönlichen politischen Bezug habe er sehr früh über einen Freund gefunden. Die Besuche von Franz Müntefering und Wolfgang Clement in Werdohl hätten ihn „wirklich begeistert“, so dass er 2002 mit 17 Jahren in die SPD eingetreten sei. 2007 wurde er vom damaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden Cornelius Böttcher für eine Mitarbeit in der Fraktion angesprochen, bei den Kommunalwahlen 2009 holte er das zweitbeste Stimmenergebnis der Stadt und zog in den Rat ein. Die Fraktion wählte ihn zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden, in der Mitte der Wahlperiode löste er Böttcher als Vorsitzender ab. Mittlerweile sei er politisch allerbestens vernetzt – jedenfalls so gut wie kein anderer Bürgermeisterkandidat.

Wershoven ist jung – was will er als Bürgermeister dafür tun, dass junge Menschen in Werdohl bleiben? „Ich möchte daran arbeiten, dass die junge Generation nicht wegzieht. Das geht nur, wenn unsere Stadt kinder- und jugendfreundlicher wird.“ Als Bürgermeister will er dafür Voraussetzungen schaffen: Eine gute Kita-Versorgung, gute Grundschulen und weiterführende Schulen sowie die Möglichkeit, in Werdohl Abitur zu machen. Ein Ansatzpunkt zur Erweiterung der Werdohler Bildungslandschaft sei, mit der Fachhochschule Südwestfalen ins Gespräch zu kommen. Heimische Unternehmer müssten mit ins Boot geholt werden, wenn es darum ginge, Arbeitsplätze zu schaffen und zu qualifizieren. In Werdohl gebe es ein großes Potenzial an jungen Fachkräften, die die Betriebe händeringend suchten.

Den Kurs der Haushaltssanierung werde er als Bürgermeister weiter vorantreiben: „Wir dürfen der nachfolgenden Generation keine zu hohe Last aufbürden.“ Die Haushaltssanierung funktioniere nicht ohne finanzielle Unterstützung Dritter: „Man muss die Augen aufhalten nach Fördermitteln, aber nicht in jeden Topf greifen.“ So wolle er auch keine großartigen Wahlversprechen machen. „Wir müssen weiter mit Bedacht mit dem Geld umgehen.“ Man könne kein Geld ausgeben, weil keines da sei. Um den Handlungsspielraum der Stadt zu erweitern, wolle er „intelligent investieren“. Als Beispiel nennt er die Straßensanierung: „Nicht immer nur flicken, flicken, flicken. Einmal die Straße ganz zu erneuern ist eine intelligentere Investition als die ewige Flickschusterei.“ Wichtig sei ihm in diesem Zusammenhang der Umweltaspekt. Fördergelder für ein Klimaschutzkonzept seien beantragt.

Was, wenn er fünf Millionen Euro bekäme und sie für Werdohl ausgeben könne? Als erstes fällt ihm der schlechte Zustand vieler Straßen ein, dann lenkt er in Richtung Jugend und Bildung: „Ich hätte gern in jedem Ortsteil ein gutes Jugendzentrum.“ Er würde schauen, ob Schulen und Kindergärten besser ausgestattet werden könnten.

Unter seiner Führung werde Werdohl weiter in den Tourismus investieren, allerdings müsse mit Steuergeldern sinnvoll umgegangen werden. In diesem Zusammenhang müsse die Lenneradroute kommen. Kritisch sehe er allerdings, einen zweistelligen Millionenbetrag für ein kleines Stück Radweg in Elverlingsen auszugeben: „Da sollten wir sparsamere Lösungen realisieren.“ Thema Westpark: „Ich warte die neuen Pläne ab. Ich kann mir das sehr schön vorstellen.“ Der Westpark sei im Zusammenhang mit der Lenneradroute zu sehen: „Das wird auf jeden Fall Touristen in die Stadt locken.“

Das Gespräch führt von der Tourismusförderung zur Wirtschaftsförderung: Eine Patentlösung für die Probleme des interkommunalen Gewerbegebietes Rosmart kenne er nicht. „Aber ich halte es für gefährlich, da auszusteigen.“ Eher müsse man sich Gedanken machen, wie die Grundstücke besser zu vermarkten seien: „Da kommt ja kein Käufer von sich aus auf uns zu.“ Es gebe momentan einige Neuansiedlung und es sei immerhin so, dass der städtische Haushalt durch die Kosten des Gewerbegebiets aktuell nicht zusätzlich belastet werde.

Die Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung möchte Wershoven zurücknehmen, einen entsprechenden Antrag konnte die SPD aber nicht durchsetzen. Als Bürgermeister allein könne er das allerdings nicht, er brauche dazu immer eine Ratsmehrheit. Erst vor kurzem habe er von technischen Alternativen erfahren, die Lichter dimmen zu können. Das werde er prüfen lassen. Er habe allerdings auch Befürworter der Nachtabschaltung kennengelernt.

Jetzt schon und als Bürgermeister in besonderem Maße wolle er Kontakte zu den Geschäftsführungen der Unternehmen in der Stadt pflegen. „Aber ganz ehrlich: Wirklichen Einfluss auf die Privatwirtschaft hat auch ein Bürgermeister nicht.“ Die Gewerbesteuereinnahmen und der Stärkungspakt Stadtfinanzen bedingten sich gegenseitig.

Von Volker Heyn

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