Strafe für versuchte räuberische Erpressung

Ein Werdohler musste sich vor dem Amtsgericht ALtena wegen versuchter räuberischer Erpressung verantworten.

Werdohl - Weitgehend uneinsichtig blieb ein 42-jähriger Werdohler im Amtsgericht Altena. „Nein“, er habe kein Alkoholproblem, antwortete er auf eine entsprechende Nachfrage von Richter Dirk Reckschmidt. Dabei war es wohl vor allem der Alkohol gewesen, der ihm das Strafverfahren wegen versuchter räuberischer Erpressung seiner Ehefrau eingetragen hatte.

Die 32-Jährige berief sich auf ihr familiäres Zeugnisverweigerungsrecht, doch das beendete das Strafverfahren nicht. Denn auch eine Sozialbetreuerin der tamilischen Familie war bei dem Vorfall dabei gewesen. Sie berichtete im Gericht von dem Treffen am 16. Oktober, bei dem sie mithilfe einer Übersetzerin das Alkoholproblem des Angeklagten habe ansprechen wollen. Stattdessen verlangte er das Kindergeld von seiner Frau und bedrohte sie, als sie sich weigerte, es herauszurücken. Dabei führte er seine flache Hand gegen seinen Kehlkopf – eine international bekannte Geste.

„Die Frau hat geweint und ängstlich auf der Sofakante gesessen“, erinnerte sich die Zeugin, die die Worte der Bedrohten so wiedergab: „Das Geld ist für die Kinder.“ Der Angeklagte bestätigte die Vorwürfe, versicherte aber: „Ich hätte meiner Frau nichts getan, und ich habe ihr nie etwas getan.“ Alkohol- und Sprachprobleme zugleich seien „zuviel, um jemanden in Arbeit zu bringen“, sah die Sozialarbeiterin wenig Perspektiven, um den seit zehn Jahren in Deutschland lebenden Mann vom Sofa zu kriegen.

Ganz anders sah es allerdings beim Rest der Familie aus: „Die Kinder machen hervorragende Fortschritte. Der älteste Sohn geht zur Realschule nach dem 4. Schuljahr“, freute sich die Zeugin. Und auch die Mutter habe spät mit ihrer Integration begonnen und besuche einen Sprachkursus bei der VHS. Nur der Angeklagte tue sich sehr schwer. Rund 2,5 Promille Alkohol hatte er während der Tat im Blut – ein Wert, der auf einen gewohnten Trinker hinwies. „Warum saufen Sie?“ wollte Richter Dirk Reckschmidt wissen. Der Angeklagte reagierte weitgehend sprachlos, dafür aber mit umso mehr Körpersprache: Er grinste verlegen, zog die Augenbrauen hoch, griff sich an die Nase und suchte den Grund für seine tiefe depressive Verstimmung bei äußeren Faktoren.

Die Staatsanwältin minderte das mögliche Strafmaß in ihrem Plädoyer nach Kräften. Das Schöffengericht folgte ihrem Antrag und verurteilte den Angeklagten wegen „versuchter räuberischer Erpressung in einem minderschweren Fall“ zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je zehn Euro – eine Strafe, die letztlich die gesamte Familie tragen muss.

Von Thomas Krumm

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