Werdohls Bäume werden per GPS erfasst

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Siegfried Maucher vom Baubetriebshof ist für die Baumkontrollen zuständig. An dieser Linde hat er den Brandkrustenpilz entdeckt. Mit einer Sondierstange prüft er, wie weit sich der Pilz schon in die Wurzeln gefressen hat.

Werdohl - Siegfried Maucher schwingt einen Holzhammer und schlägt ihn kräftig gegen den Stamm einer Linde. Er horcht und nickt dann zufrieden: Ein dumpfes Geräusch, wie es sein soll. „Der Klang wird heller, wenn das Holz faul ist“, sagt der Mitarbeiter des Baubetriebshofes, der für die Baumkontrollen zuständig ist. Die Ergebnisse seiner Kontrollen trägt Maucher in ein Computerprogramm ein.

Jeder der rund 3000 Bäume im gesamten Stadtgebiet bekommt eine Nummer und einen eigenen Steckbrief. Daraus geht hervor, um welche Baumart es sich handelt, wie alt er ist und in welchem Zustand er sich befindet. Auch die Höhe und den Durchmesser der Krone vermerkt Siegfried Maucher. Wenn er tote Äste entdeckt, die Spaziergängern auf den Kopf fallen könnten, setzt er im Computer ein rotes Fähnchen. So sehen auch die Kollegen vom Baubetriebshof sofort: Es besteht Handlungsbedarf.

Damit jeder Mitarbeiter jeden Baum schnell finden kann, bekommen die Pflanzen Plaketten mit ihren Nummern. Aber auch GPS-Daten helfen bei der Identifizierung. „Mein Tabletcomputer zeichnet den Straßenverlauf auf und zeigt den genauen Standort des Baumes auf einer Karte an“, erläutert Maucher. Am Fuß der Linde am Husberger Weg hat er schwarze Stellen entdeckt. „Das ist der Brandkrustenpilz“, weiß der Experte. „Er löst Weißfäule aus und ist sehr aggressiv. Er frisst das Wurzelwerk auf.“

Maucher schiebt eine Sondierstange in das Holz. Nach ein paar Zentimetern geht es nicht weiter: Der Baum ist noch nicht weit eingefault. „Wenn der Pilz sich um den halben Stamm herum ausgebreitet hat, muss der Baum gefällt werden“, sagt der Bauhof-Mitarbeiter und zeigt auf die kritische Stelle. „Dann steht er nicht mehr sicher.“ Maucher macht ein Foto von der befallenen Stelle und speichert es zusammen mit dem Steckbrief des Baumes ab. So kann er bei der nächsten Kontrolle vergleichen, wie weit sich der Pilz ausgebreitet hat.

 Zwei Kontrollen pro Jahr

Mit dieser professionellen Erfassung der Bäume leistet der Werdohler Baubetriebshof Pionierarbeit. „Wir haben das Computerprogramm eigentlich für den Winterdienst angeschafft“, sagt Bauhof-Leiter Uwe Bettelhäuser. Baum- und Straßenkontrollen waren nicht vorgesehen. Nach Vorschlägen Bettelhäusers und seiner Kollegen entwickelte das schwedische Software-Unternehmen Enera das Programm weiter. Bezahlen musste der Bauhof für die zusätzlichen Funktionen nichts. „Das ist ja für die Firma eine Möglichkeit, ihre Geschäftsbereiche zu erweitern“, sagt Uwe Bettelhäuser. Inzwischen hätten auch andere Kommunen Interesse an dem Programm angemeldet.

Seit Werdohl mit der Software arbeitet, hat Siegfried Maucher schon knapp 600 Bäume eingetragen. „Ich brauche 15 bis 30 Minuten, um einen Steckbrief neu anzulegen. Bis alle 3000 Bäume erfasst sind, wird es noch zwei bis drei Jahre dauern“, schätzt er. Doch so zeitintensiv diese Erstaufnahme auch sein mag – auf Dauer werde er zwei Drittel der Arbeitszeit einsparen, wenn er nicht mehr alles auf Papier notieren muss. „Früher mussten wir die Kontrollen verschieben, weil sie zeitlich nicht drin waren“, sagt er.

Jetzt soll jeder Baum zwei Mal im Jahr überprüft werden. Manchmal kann der Bauhof-Mitarbeiter zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn Maucher ist auch für die Straßenkontrollen zuständig. „Ich kann im Programm wechseln“, erklärt er. „Je nachdem, wo ich unterwegs bin, trage ich Straßen- und Baumzustand ein.“ - Von Constanze Raidt

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