Martin Hempel benotet Werdohls Straßen

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Martin Hempel trägt die Ergebnisse seiner Kontrollfahrten in eine Tabelle ein.

Werdohl - 260 Straßen muss die Werdohler Stadtverwaltung in Schuss halten, 116 Kilometer sind sie lang. Um den Überblick über notwendige Reparaturen zu behalten, fährt Martin Hempel, Leiter der Tiefbauabteilung, einmal im Jahr alle Straßen ab und notiert Schäden. Rund ein Drittel hat er dieses Jahr schon erfasst, der Rest soll in den nächsten zwei bis drei Wochen folgen.

Die Ergebnisse seiner Kontrollfahrten trägt Hempel in einer Excel-Tabelle am Computer zusammen. Weist die Fahrbahn Risse auf? Gibt es Schlaglöcher oder Unebenheiten? In welchem Zustand sind Bordsteine und Entwässerungsrinnen? Alle diese Punkte beantwortet der Verwaltungsmitarbeiter in Form einer Note von 0 (sehr gut) bis 5 (sehr schlecht). Das sei an Regelwerke zur Bewertung von Straßen angelehnt, erklärt Hempel. Warum diese Regelwerke keine Schulnoten von 1 bis 6 vorsähen, wisse er aber auch nicht.

Drei bis vier Arbeitstage kämen durch die Fahrten zusammen, sagt der Leiter der Tiefbauabteilung. „Dazu kommt natürlich noch die Auswertung.“ Am wichtigsten ist für die Verwaltung die Frage nach dem Unterhaltungsaufwand. „Das heißt: Wie oft pro Jahr muss diese Straße repariert werden?“, erläutert Hempel. Deshalb wird diese Note auch am stärksten gewichtet. Welche Straßen zuerst repariert werden, hängt davon ab, wie häufig sie benutzt werden. Durchfahrtstraßen, die für viele Bürger wichtig sind, kommen vor reinen Anliegerstraßen an die Reihe.

Aber auch anstehende Kanalbaumaßnahmen sind ausschlaggebend für die Entscheidung. Denn sowohl für die Stadtkasse als auch für die Bürger ist es günstiger, diese mit Straßenreparaturen zu kombinieren.

810 000 Euro für Reparaturen

„Für Investivmaßnahmen wie eine grundlegende Fahrbahnsanierung fehlt uns das Geld“, sagt Hempel. Und an reinen Reparaturmaßnahmen müssten sich auch die Anwohner der Straßen nicht beteiligen. Die rund 610 000 Euro, die der Tiefbauabteilung jedes Jahr für größere Reparaturen zur Verfügung stehen, sind so schnell verplant. Bleibt noch etwas vom Budget übrig, nimmt die Verwaltung weitere Straßen in Angriff. Dem Baubetriebshof stehen außerdem 200 000 Euro für Schlaglöcher und andere kleinere Schäden zur Verfügung.

Für eine Stadt wie Werdohl mit einem relativ überschaubaren Straßennetz reiche sein Kontrollverfahren aus, sagt Hempel. Größere Orte wie die Nachbarstadt Plettenberg greifen auf eine elektronische Straßenbewertung zurück. „Da fährt ein spezieller Wagen mit Kameras ringsum durch die Stadt und erfasst jeden Schaden“, erklärt Hempel das System.

Das Unternehmen, dem das Fahrzeug gehört, liefert der Stadt dann einen kompletten Datensatz. Am Computer zeigt ein Programm dann auf Knopfdruck einen Stadtplan, in dem alle schadhaften Straßen rot markiert sind. Das lohne sich aber nur bei einem großen Stadtgebiet, sagt der Werdohler Verwaltungsmitarbeiter. Denn für die Erfassung ihres 245 Kilometer langen Straßennetzes zahlt die Stadt Plettenberg immerhin 140 000 Euro. Knapp 70 000 Euro müsste Werdohl für seine 116 Kilometer umgerechnet veranschlagen. Das wären rund zehn Prozent des gesamten Reparaturbudgets, rechnet Hempel vor, und damit schlecht vor den Bürgern zu rechtfertigen.

In Werdohl schlägt die Verwaltung außerdem zwei Fliegen mit einer Klappe. Denn Pantelis Haritidis vom Baubetriebshof begleitet Martin Hempel auf seinen Rundfahrten und legt ein Verzeichnis der Straßenbeleuchtung an. So hat die Verwaltung einen Überblick darüber, wo noch alte HQL-Leuchten eingebaut sind. Diese sollen nach und nach durch Energiesparlampen ersetzt werden.

Von Constanze Raidt

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