Sophie Smigalski feiert 100. Geburtstag

Am 31. Januar 1914 wurde Sophie Smigalski geboren. Sie erlebte zwei Weltkriege. Am Samstag feierte die Werdohlerin ihren 100. Geburtstag. -   Foto: Peuckert

WERDOHL -  Wer Sophie Smigalski sieht, kann kaum glauben, dass sie 100 Jahre alt ist. Sie wirkt fröhlich, lächelt viel und kann sämtliche Fragen sofort beantworten. „Sie ist total klar im Kopf“, erklärt ihre Tochter Renate. Am Freitag feierte Sophie Smigalski ihren 100. Geburtstag.

Am 31. Januar 1914 erblickt Sophie Smigalski in Altena das Licht der Welt, im August bricht der Erste Weltkrieg aus. Davon bekommt das Kleinkind nicht viel mit. Sie weiß aber, dass ihr Vater eingezogen wurde und nach kurzer Zeit wieder heimgekehrt war.

Sophie Smigalski verbringt ihre Kindheit in Altena, geht dort auch bis zum 14. Lebensjahr in die Schule. Anschließend ist sie als Kindermädchen tätig. Im Alter von 17 Jahren geht sie nach Werdohl. Dort absolviert sie eine Ausbildung zur Haushaltshilfe.

In Werdohl wartet die große Liebe

Zwei Jahre nach ihrer Ankunft in Werdohl lernt sie Theophil, einen Freund ihres Bruders, kennen – und verliebt sich in ihn. „Wir hatten nur alle 14 Tage Sonntagnachmittag Zeit uns zu sehen“, erinnert sich Sophie Smigalski. Dann seien sie immer spazieren gegangen. Irgendwann geht sie zurück nach Altena, um dort Geld zu verdienen. „Wir wollten ja heiraten“, sagt die 100-Jährige und lächelt. Und an noch etwas erinnert sie sich noch gut: „Er ist immer zu Fuß von Werdohl nach Altena gelaufen, nur um mich zu sehen.“ Ein Auto habe er nicht gehabt und eine Zugfahrt sei zu teuer gewesen.

1936 gibt sich das Paar schließlich das Ja-Wort und zieht sofort nach der Hochzeit in die erste eigene Wohnung in Werdohl. 1938 wird die erste Tochter Renate geboren. Ein Jahr später beginnt der Zweite Weltkrieg, zu dem auch Ehemann Theophil als Soldat eingezogen wird. Während der Kriegszeit muss sich Sophie Smigalski allein um ihr Kind kümmern und darum kämpfen, sich und ihre Tochter durchzubringen: „Es war eine schlechte Zeit. Es gab kaum etwas zu essen.“ Nur einmal kommt ihr Mann auf Urlaub nach Hause. 1944 erblickt schließlich die zweite Tochter, Gudrun, das Licht der Welt.

Ein Wiedersehen nach dem Zweiten Weltkrieg

Sophie Smigalski denkt viel an ihren Mann, freut sich über jeden Brief aus der Feldpost. „In einem Jahr kamen sogar zwei Briefe, genau zu Weihnachten“, erinnert sich die 100-Jährige. Nach Ende des Krieges wartet sie auf die Rückkehr ihres Mannes. 1948 ist es tatsächlich soweit, Theophil kehrt aus amerikanischer Gefangenschaft zurück nach Werdohl. 1957 zieht die vierköpfige Familie von der kleinen Wohnung in ein Haus. „Da hab ich geglaubt, ich bin in einem Schloss“, sagt Sophie Smigalski und lacht. Für große Familienurlaube ist nicht genug Geld da, und so holt das Paar später viel nach, indem es mit dem Bus nach Österreich, Bayern und an die Mosel reist. 1994 verstirbt Ehemann Theophil. Bis heute lebt die 100-Jährige eigenständig in einer Wohnung. Vor 40 Jahren bezog ihre Tochter Renate eine Wohnung im selben Haus. So sei immer jemand in der Nähe, erklärt die Tochter. „Meine Töchter haben immer alles für mich getan“, sagt Sophie Smigalski mit einem Lächeln im Gesicht.

Zu ihrem Ehrentag fand sich nicht nur Bürgermeister Siegfried Griebsch zum Gratulieren ein. Auch Friedhelm Sasse und Andreas Riedel vom Sportverein DJK Westfalia Werdohl überbrachten Glückwünsche. Denn: Seit mehr als 30 Jahren ist Sophie Smigalski Mitglied im Verein.

Von Jana Peuckert

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