„Ich bin eine Putzfrau fürs Auto“

Silke Auras liebt Fahrzeuge auf vier Rädern. Für Fahrzeugaufbereitungen bei ihr kommen Kunden von Nah und Fern. -  Foto: Pinkawa

WERDOHL - „Ich habe schon immer lieber mit Autos als mit Puppen gespielt“, erzählt Silke Auras. Das macht sich auch heute noch bemerkbar, denn vor fünf Jahren hat sich die heute 44-Jährige mit der Firma Silkes Autoklinik selbstständig gemacht.

Von Isabella Pinkawa

Autos lackieren, waschen, Unfallschäden ausbessern –alle Aufgaben, die im Zusammenhang mit der Karosserie stehen, übernimmt sie selber. „Ich sage immer, ich bin eine Putzfrau fürs Auto“, scherzt sie und lacht. Aber zu ihren Aufgaben gehört mehr als nur das Reinigen der Fahrzeuge. Die gelernte Werkzeugmechanikerin betont, man müsse es sich nur selber zutrauen, an – kleinen, aber auch großen und teuren – Autos zu arbeiten.

Die Frage, wieso sie als Frau ausgerechnet einem typischen Männerberuf nachgehe, beantwortet sie simpel: „Es macht mir Spaß. Ich habe Autos schon immer geliebt und das ist bis heute so – man kann sagen, ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht.“

Frauenberufe hätten sie noch nie interessiert, ergänzt sie. So lernte die 44-Jährige Werkzeugmacherin, war Maschinenbautechnikerin, bis sie 2009 an einer Schulung zur Fahrzeugaufbereitung teilnahm und vor fünf Jahren schließlich beschloss, sich selbstständig zu machen. Ihre Vorliebe für vermeintliche Männer-Hobbys macht sich auch privat bemerkbar, denn nebenbei ist sie auch Geschäftsführerin der FSV Werdohl.

Mit Vorurteilen habe sie nicht zu kämpfen. Nicht nur ihre Familie stünde ihrem Job positiv gegenüber, sondern auch Fremde würden ihren – für eine Frau untypischen – Beruf interessant finden. „Oft staunen die Leute – vor allem Frauen, denen ich von meinem Beruf erzähle“, sagt die Mutter eines Sohnes. „Und gerade sie bewundern, dass ich als Frau den Mut habe, an Autos zu arbeiten.“

Negative Rückmeldungen von anderen Menschen habe sie bisher nicht erhalten. „Ganz im Gegenteil“, erklärt sie. „Alle, die ich davon in Kenntnis setze, trauen mir meine Arbeit zu.“

Neben den Autos, mit denen Auras tagtäglich zu tun hat und die „ihr Ein und Alles“ sind, liegen der Selbstständigen vor allem ihre Kunden am Herzen. „Oft kommen sie auch von weit her, da möchte man sie auf keinen Fall enttäuschen.“ Und wenn ihre Kunden zufrieden seien, sei sie es auch.

Auf Unterstützung ihrer Familie kann die Autoliebhaberin ebenfalls zählen: Ihre Mutter wäscht oft die von der Arbeit schmutzigen Lappen, ihr Vater entsorgt das Altpapier. Und auch ihr 16-jähriger Sohn Kevin arbeitet bereits oft freiwillig in der Werkstatt mit, wenn es für sie allein zu stressig wird.

Dass Männerberufe für Frauen heute längst nicht mehr so unattraktiv wie früher sind, bemerkt auch die Werdohlerin. „Während des Girls Days waren drei Mädchen in meiner Werkstatt. Und alle drei hatten viel Spaß“, erzählt sie.

Dass Auras ihre Arbeit mit ihrer großen Leidenschaft verbinden konnte, macht sie glücklich. „Für mich ist es ein unbezahlbares Gefühl, in einen Wagen zu steigen und diesen zu starten“, sagt sie – und strahlt dabei mit ihren Autos um die Wette.

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