Ein Leben mit Musik und Geselligkeit

Werdohlerin Hannelore Reininghaus feiert Geburtstag

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Hannelore Reinighaus als 13-Jährige mit ihrem Bruder Günter Niggemann beim Musizieren in einer guten Stube

Werdohl - Bei Festen in Werdohl und Neuenrade taucht sie immer wieder auf. Mit ihrer Gitarre oder ihrer Zither sorgt Hannelore Reininghaus oft für gute Stimmung. Sie animiert ihre Zuhörer mit Leichtigkeit zum Mitsingen.

Sie ist ein Garant für strahlende Gesichter. Ob Jung oder Alt, viele hören ihr einfach gerne zu. Heute wird Reininghaus 81 Jahre alt. Derzeit sind die Werdohler Virus-bedingt zumeist in den eigenen vier Wänden. Doch die Freizeit-Musikerin ficht das nicht an. 

„Ich fühle mich gar nicht eingeschränkt. Ich kann ja raus – in meinen Garten“, sieht sie die Lage pragmatisch. Sie lacht viel und nimmt das Leben leicht. Nur die Besuche ihrer beiden Töchter, der Enkeltochter und der erst ein Jahr alten Urenkelin vermisse sie schon ein wenig. Langeweile kenne sie aber nicht – habe sie noch nie gekannt.

Sie schreibt auch Kurzgeschichten

Sie habe viele Interessen, schreibt etwa Kurzgeschichten, backt gerne und übt auf ihren Instrumenten. Am 26. März bot sie den Lesern des Süderländer Volksfreundes auch an, sie bei diesen nachmittäglichen Übungsstunden anzurufen, sich Lieder von ihr zu wünschen. „Aber das haben nur vier Menschen in Anspruch genommen“, berichtet Reininghaus. „Die Werdohler sind halt stur. Die kriegst Du nicht hinter dem Ofen hervorgelockt“, winkt die Junggebliebene ab. „Obwohl: Eine Frau hat schon zwei Mal bei mir angerufen – zuletzt vorgestern.“ 

Bei diesen Telefonaten bliebe es nicht allein beim Musizieren. „Ich bin so’ne Quasselstrippe“, gesteht das Geburtstagskind. „Mir fällt immer so viel ein dann.“ Kaum hat sie das gesagt, klingelt ihr Telefon. Anruf Nummer drei ihrer derzeit treuesten Zuhörerin. Es ist wie abgesprochen. Dieses Mal wird sie der Anruferin allerdings kein Ständchen bringen. Sie habe ja derzeit Besuch, der an ihrer Kaffeetafel sitzt, begründet sie. Die Frau am anderen Hörer verspricht, später noch einmal die Nummer von Hannelore Reininghaus zu wählen. Wenn sie dann die ein oder andere Melodie anstimmt, sind diejenigen am anderen Ende der Leitung nicht die einzigen, die ihr zuhören. 

Konzerte auf der Terrasse

„Meine Nachbarn kommen dann herüber in meinen Garten, setzen sich draußen auf meine Terrasse und hören mir auch zu“, schildert die Seniorin, die gerne mal ein Glas Wein trinkt, dass sich ihre Nachmittagskonzerte wachsender Beliebtheit erfreuen. Mit 13 Jahren habe sie von einem Arbeitskollegen ihres Vaters das Spielen der Zither erlernt. 

„Kurz vorher habe ich mit der Gitarre angefangen“, erinnert sich die heute 81-Jährige. Ihre Telefon-Fans, betont sie, „sind alle jünger als ich - so um die 50 Jahre“. Draußen, unter den Menschen, könne sie derzeit ja nicht spielen. Zuletzt habe sie das Anfang März noch getan, beim Bratapfelfest des Deutschen Roten Kreuzes in Neuenrade. „Ach“, räumt sie dann freimütig ein, „das mit der Musik war manchmal schon fast Stress. Ich hatte schon gelegentlich vier, fünf Weihnachtsfeiern in einer Woche.“ 

Sicher, mit den Anrufern käme sie dann auch ins Plaudern. „Aber wir reden nicht über Corona – bloß nicht“, hat sie genug von diesem Thema. Lieber erzählt sie von ihrer Kindheit. Sie nennt sich „Ureinwohnerin Werdohls“. Aufgewachsen ist sie an der Friedrichstraße. Zur Welt kam sie auch dort als Hausgeburt. Die Nachbarn hatten auch allesamt Nachwuchs.

Massenhaft Kinder

„Und so waren wir dort massenhaft Kinder“, erzählt Reininghaus. Mal seien sie zum Schwimmen gegangen, mal zum Schlittschuhlaufen. Dann hätten sie einfach auf der Straße getanzt, oder kurzerhand ein Friedrichstraßen-Schützenfest auf die Beine gestellt. Sie sucht in einem alten Fotoalbum Bilder aus dieser Zeit und zeigt stolz den großen Festumzug der Kinder in schwarz-weiß: „Und ich mitten drin“, zeigt sie auf ein lachendes kleines Mädchen auf der historischen Aufnahme. „Musik macht immer fröhlich“, kommt die frühere Verkäuferin, die in verschiedenen Bekleidungsgeschäften gearbeitet hat, zurück auf das vorherige Thema. Einer Anruferin habe sie zuerst ein Wunschlied vorgespielt. Danach habe diese dann zu ihr gesagt: „Ich habe mir nun etwas gewünscht. Nun sind sie dran, ein Lied auszusuchen.“ Eine andere Anruferin habe ihr erzählt: „Mein Mann hat gerade mitgehört. Der hat gelächelt, während sie die Zither gespielt haben.“ Als sie das erzählt, strahlt Reininghaus.

Sockengeschenk in der Fußgängerzone

Sie mag es, wenn sich die Menschen freuen – auch ihr unbekannte. So gehe sie seit etwa fünf Jahren durch die Fußgängerzone, in der Handtasche etliche Paar selbstgestrickte Socken. Und dann spreche sie andere Passanten an, frage nach den Schuhgrößen der Fremden und schenke diesen einfach ein Paar Fußwärmer. Die Werdohlerin ist unbeschwert. „Mir geht es gut“, sagt sie. Und um das zu bekräftigen, schiebt sie sogleich hinterher: „Ich habe noch 1000 Ideen.“ Nähen und Holzarbeiten gehörten ebenso wie die Musik zu ihren Hobbys, verrät sie.

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