Klimaschutz im grünen Paradies

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Wenn die Werdohlerin Carla Marlinghaus unter den Zweigen des alten Apfelbaums sitzt und auf ihren kleinen Gartenteich blickt, kann sie auch in schwierigen Zeiten neue Kraft tanken.

Werdohl - Im  Gartem der Werdohlerin Carla Marlinghaus kann sich die Natur entfalten. 

Die Blüten des alten Apfelbaums spiegeln sich im Wasser des kleinen Gartenteichs, eine Amsel zwitschert, und sogar das leise Summen von Bienen und Hummeln ist zu hören. Mit dem Luftzug erreicht ein Hauch von Fliederduft die Gartenbank im grünen Paradies mitten in Werdohl. „Wenn ich hier sitze, ist es für mich beinahe wie meditieren. Ich freue mich einfach an der Schönheit der Natur“, stellt Carla Marlinghaus fest. Die Werdohlerin gewährt den SV-Lesern Einblick in ihren naturnahen Garten an der Bornstraße. 

Schon lange vor der aktuellen Klimaschutzdiskussion hat Carla Marlinghaus beschlossen, der Natur in ihrem Garten in vielen Bereichen freien Lauf zu lassen. Schlagworte wie „Ökogarten“ möchte sie nicht verwenden, doch kurz gestutzter, englischer Rasen und quadratisch zurechtgestutzte Büsche sind ihr ein Graus. Den so genannten Schotter-„Gärten“ kann sie schon gar nichts abgewinnen: „Mein Garten ist nicht nur schön, er macht auch wenig Arbeit.“ 

Mageriten blühen ungehindert

Beispiel Rasen: Bevor die Margeriten nicht verblüht sind, wird überhaupt nicht gemäht. Folglich kann sich Carla Marlinghaus jedes Jahr an Wildblumeninseln im Garten erfreuen. Auch Wiesenschaumkraut, die selten gewordene Blume des Jahres 2006, Ehrenpreis, Gänseblümchen und der bei manchen Gartenbesitzern so verhasste Löwenzahn bieten Nahrung für zahlreiche Insekten. Viele von ihnen fühlen sich an der Bornstraße auch deshalb besonders wohl, weil sie viele Rückzugsmöglichkeiten finden. Allerdings nicht in gekauften Insektenhotels, sondern in kleinen Reisighaufen und Holzstücken, die am Rande des Gartens einen festen Platz gefunden haben.

Anfang Juni wird die Wiese dann zunächst mit einem Freischneider gemäht – ein Rasenmäher hätte keine Chance. Danach kommt der Mäher „ab und zu“ zum Einsatz, je nachdem, wie viel es regnet und wie sehr das Grün sprießt. Das Mähgut landet auf dem großen Komposthaufen, der sich am Rande des Grundstücks befindet und auf dem auch ungekochte Gemüse- und Obstreste aus der Küche landen. Innerhalb von drei Jahren verrotten diese Abfälle zu „richtig gutem Kompost“, wie Carla Marlinghaus erklärt. „Und jedes Jahr werden die Haufen umgeschichtet.“

Vögel lieben die Süßkirschen

Dieser selbst erzeugte Kompost und Hornspäne sind die einzigen Düngemittel mit denen die Werdohlerin die Obstbäume und -sträucher auf ihrem Grundstück versorgt. „Trotzdem ernte ich reichlich. Sogar Pfirsiche gedeihen hier“, stellt sie lächelnd fest. Allerdings: Die süßen Früchte, die hoch oben in den Zweigen des alten Kirschbaums wachsen, bleiben den Vögeln vorbehalten. „Da komme ich nicht dran ohne die Zweige zu beschädigen. Und das ist mir zu schade“, sagt Marlinghaus. Dagegen freut sie sich jedes Jahr über mehrere Kisten Apfelsaft aus den Früchten des Baumes am Teich. Auch dieser Baum, dessen Zweige momentan ausschließlich aus Blüten zu bestehen scheinen, ist „mindestens 80 Jahre alt“. „Es handelt sich um eine sehr alte Sorte, die nicht einmal der Pomologe bestimmen konnte, der beim Werdohler Apfelfest auf Hof Crone zu Gast ist“, erzählt die Gartenbesitzerin stolz. 

Flieder- und Schmetterlingsflieder dürfen sich nach Herzenslust ausbreiten, ebenso wie Rosen und die Stauden, die in einem Beet rund um den Gartenteich wachsen. „Das ist die einzige Stelle in meinem Garten, an der ich Unkraut jäte“, stellt Carla Marlinghaus fest. Wobei sie das Wort „Unkraut“ eigentlich nicht für korrekt hält: „Es sind ja nur Pflanzen, die an einer bestimmten Stelle eben nicht wachsen sollen.“ 

Apropos Teich: Die Sitzgruppe mit Blick auf das kleine Gewässer – in dem übrigens auch gerne Vögel baden – ist für die ansonsten so reisefreudige Carla Marlinghaus gerade während der Corona-Zeit zu einem besonderen Ort geworden. „Hier kann ich auch einmal mit meiner Freundin sitzen und in Ruhe plaudern, ohne auf den erforderlichen Sicherheitsabstand verzichten zu müssen.“

 Zudem kann die rüstige Seniorin – sie war viele Jahre Mitarbeiterin des Süderländer Volksfreunds – Dank ihres besonderen Gartens zumindest einem weiteren Hobby ungehindert nachgehen: „Nach wie vor liebe ich die Fotografie, besonders die Makrofotografie. Ich kann Stunden damit verbringen auf den richtigen Moment zu warten, um zum Beispiel eine Biene beim Anflug auf eine Blüte mit der Kamera einzufangen.“

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