Werdohler zuständig für die Stadt Brüssel

Wolfgang Severin wurde vor einem Vierteljahrhundert zum Priester geweiht.

WERDOHL ▪ Lebendig, dynamisch und eine während der Gottesdienste proppevolle Kirche. So beschreibt der gebürtige Werdohler Wolfgang Severin mit wenigen Worten die katholische Gemeinde deutscher Sprache Brüssel St. Paulus. Hier ist der Geistliche seit rund drei Jahren aktiv – und feiert dort morgen seine vor 25 Jahren erfolgte Priesterweihe. Mit dabei sein werden auch Freunde und seine Familie aus Werdohl.

Wie zufrieden der 50-Jährige in Belgien ist, wird schnell deutlich. Die Gemeinde, in der vorwiegend Beamte der Europäischen Union oder auch dort aktive Lobbyisten ihren Glauben leben, umfasst das gesamte Stadtgebiet von Brüssel. Die deutschsprachigen Katholiken finden in St. Paulus in zwei Gottesdiensten pro Wochenende zusammen, jeweils mit rund 350 Gläubigen. „Allein darum beneiden mich viele Leute“, weiß Severin um das Privileg, nicht in verschiedenen Gotteshäusern die Messe zu feiern. Durch die Familien in der Gemeinde, die vielfach vier Kinder haben, würden teils in Deutschland verbreitete Zahlenverhältnisse umgekehrt: Innerhalb von drei Jahren musste Severin lediglich drei Menschen zu Grabe tragen. „Diese Zahl haben andere Leute in einer Woche.“ Stattdessen darf Severin zwei kleine Täuflinge pro Woche begrüßen. Hinzu komme eine Internationalität, die durch die in Brüssel vertretenden Nationen bedingt ist. „Viele Deutsche in der Gemeinde sind mit Nicht-Deutschen verheiratet.“

Daher sieht Severin die katholische Gemeinde auch als eine Plattform, wo Kulturelles und Kirchliches verbunden werden kann. Alle zwei Wochen stünde beispielsweise ein Kaminabend an, bei dem über Kulturelles gesprochen werde. Einerseits wird in der Kirchengemeinde die deutsche Tradition aufrecht erhalten. Andererseits zeichnet sich das Leben durch die Weltoffenheit aus, die von den „schrecklich gebildeten Gläubigen“, wie Severin sie mit einem Augenzwinkern charakterisiert, an den Tag gelegt wird.

Allgemeine Informationen gibt es in den Gemeindebriefen, die an 1300 Haushalte gehen. Auf knapp 4000 Mitglieder beziffert Severin daher die Gemeinde.

Angesichts der aktuellen Erlebnisse und dem Lebensweg, der den gebürtigen Werdohler über Auslandsstationen wie Australien und Venezuela führte, glaubt der 50-Jährige nicht mehr an eine dauerhafte Rückkehr in die Heimatstadt der Eltern. „Ich kann mir nicht mehr vorstellen, in Deutschland zu arbeiten.“ An seiner Tätigkeit im Ausland schätzt er die Offenheit und Freiheit. Aber: „Werdohl ist natürlich weiter meine Heimat.“

Der Festgottesdienst mit der Feier des Priesterjubiläums findet am morgigen Sonntag ab 10.30 Uhr statt. Im Anschluss steht das traditionelle Gemeindefest in St. Paulus an. ▪ Marco Fraune

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