Werdohler zückte immer wieder sein Messer

WERDOHL ▪ Immer wieder hat der Alkohol das Leben des Angeklagten in Besitz genommen. Immer wieder ist es dadurch zu Straftaten gekommen. Für seine letzten Ausraster musste er sich gestern vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Dirk Reckschmidt am Amtsgericht Altena wegen Sachbeschädigung, versuchter Körperverletzung, schwerer räuberischer Erpressung und Bedrohung verantworten.

Der 37-jährige Werdohler hatte immer dann ein Messer gezogen, wenn er sich in seiner Ehre verletzt fühlte, zuletzt im April und Mai dieses Jahres. Er „ging steil“, wenn etwas nicht nach seinem Willen lief. So bedrohte er im April eine Angestellte der Werdohler Sparkasse, da diese sich weigerte, seiner Ehefrau einen hohen Dispo-Kredit zu gewähren. Die Familie lebt vom Arbeitslosengeld, sodass die Bank keine Grundlage für sein Ansinnen erkennen konnte. Daraufhin verlangte der Mann aufgebracht den Chef zu sprechen und bedrohte die Angestellten. Zu diesem Zeitpunkt hatte er ein Küchenmesser in der Tasche, zog es aber nicht. Als er dennoch weiterhin abgewiesen wurde, stürmte der 37-Jährige davon und trat gegen eine Bank in der Kinderspielecke, die dadurch zu Bruch ging.

Auch in einem Bus fiel es dem Mann scheinbar schwer, die Beherrschung zu wahren. Dort geriet er in einen heftigen Streit mit zwei Frauen. Als der Busfahrer nach dem Rechten sehen wollte, zog der 37-Jährige ein Taschenmesser und fuchtelte damit vor den Dreien herum, die schnellstens die Flucht ergriffen. Zu einem ähnlichen Zwischenfall kam es Anfang Mai. Der Angeklagte geriet an einer Haltstelle mit einem Mann in Streit, zog aus seinem Socken ein Messer und verfolgte seinen Gegner mit Stichbewegungen in Richtung des Rückens. Einen Bekannten des Mannes, der helfen wollte, attackierte und verfolgte der Angeklagte ebenfalls.

An die Taten selbst konnte sich der Werdohler vor Gericht jedoch nicht mehr erinnern, da er immer sturzbetrunken gewesen sei. Er räumte jedoch ein, dass es so abgelaufen sein könnte, wie die Anklage es ihm vorwarf. Eine Alkoholtherapie, die ihm in einem anderen Verfahren als Bewährungsauflage auferlegt worden war, hatte er wenige Monate nach einem Rückfall vor den Taten abgebrochen. Somit verstieß er wiederholt gegen die Bewährungsauflagen.

Das Gericht ließ dennoch einmal mehr Milde walten und setzte die Freiheitsstrafe von zwei Jahren für die geschilderten Taten zur Bewährung aus. „Sie müssen sich endlich zügeln. Das Ganze zieht sich hier schon über Jahre hin und muss jetzt ein Ende haben“, ermahnte Richter Reckschmidt den aufbrausenden Wiederholungstäter, der eine letzte Chance erhielt, noch einmal eine Therapie gegen seine Alkoholsucht anzutreten.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare