Glockenturm der Kreuzkirche

Wahrzeichen wird in seine Einzelteile zersägt

Ein mit Diamanten bestücktes Sägeblatt durchtrennte die vier Betonpfeiler des Glockenturms. Die Stellen, an denen die Säge angesetzt wird, hat ein Statiker zuvor genau ermittelt.
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Ein mit Diamanten bestücktes Sägeblatt durchtrennte die vier Betonpfeiler des Glockenturms. Die Stellen, an denen die Säge angesetzt wird, hat ein Statiker zuvor genau ermittelt.

Fast 60 Jahre lang war er so etwas wie ein Werdohler Wahrzeichen, mindestens aber eine Landmarke im Stadtteil Königsburg: der freistehende Glockenturm der Kreuzkirche. Seit knapp zweieinhalb Jahren ist das ehemalige Gotteshaus entwidmet, deshalb wird jetzt der 35 Meter hohe Turm abgebrochen. 

Werdohl ‒ In den nächsten zwei Wochen verschwindet ein Werdohler Wahrzeichen von der Bildfläche: Am Montag haben die Arbeiten zum Abbruch des Glockenturms der ehemaligen Kreuzkirche auf der Königsburg begonnen. Die markante Konstruktion aus Stahlbeton war weithin zu sehen.

Der 35 Meter hohe Glockenturm ist eines der letzten Elemente, die noch daran erinnern, dass die am 30. Dezember 2018 entwidmete Kreuzkirche einmal ein Gotteshaus gewesen ist. Auch der Schriftzug an der Außenwand ist noch vorhanden, soll aber auch bald verschwinden. Das waren die Auflagen der Landeskirche, nachdem die Evangelische Kirchengemeinde das Gebäude an den Heizungsbauer Daniel Michel verkauft hatte, der es nun als Lager nutzt.

Der Rückbau des Glockenturms ist eine aufwändige Angelegenheit. Fast ein halbes Jahr habe die Vorplanung gedauert, berichtete Klaus Stremmel, Betriebsleiter des Plettenberger Abbruchunternehmens Hendler, das mit den Arbeiten beauftragt ist. Ein Statiker habe genau berechnen müssen, wie der Turm aus Stahlbeton auseinandergesägt werden muss. „Jede Stelle für einen Sägeschnitt ist genau vorgegeben“, erklärte Stremmel.

So wird der Turm in vier Abschnitten von oben nach unten abgetragen. In jedem Abschnitt sind die vier aufstrebenden Betonpfeiler waagerecht zu durchtrennen. Damit die durchgeschnittenen Elemente, immerhin zwischen fünf und zwölf Tonnen schwer, nicht einfach nach unten fallen, hängen sie an Ketten an einem riesigen Kran, der unterhalb des Turms auf der Oststraße steht. Sobald alle vier Schnitte eines Abschnitts erledigt sind, hebt der Kran die Betonelemente sicher auf den Boden.

Allerdings habe erst einmal ein Unternehmen gefunden werden müssen, dass sich zugetraut habe, diese Konstruktion zu zersägen, berichtet Hendler-Betriebsleiter Stremmel. Zugetraut hat sich das die Hertener Firma Senft. Die rückte mit drei Mitarbeitern und großem Spezialgerät an: einer Betonsäge, die in der Lage ist, die gut 40 Zentimeter dicken Betonklötze zu durchtrennen. Einen Meter im Durchmesser misst das diamantenbestückte Sägeblatt, das sich kreischend durch den Block aus Beton und Stahl frisst. Dabei sprühen Funken, wenn das Sägeblatt auf den Stahl trifft, vor allem aber spritzt und tropft das Wasser, das beim Sägevorgang das Werkzeug kühlt.

Apropos Wasser: Das muss während der Vorgangs natürlich bis in die Spitze des Glockenturms in 35 Meter Höhe gepumpt werden. Der normale Druck aus der Wasserleitung reicht dafür nicht aus, weshalb eigens ein zusätzlicher Wasserbehälter und eine Pumpe herangeschafft wurden.

6,40 Meter hoch ist das Eisenkreuz mit Kupfermantel von der Turmspitze, das zuerst abgetrennt wurde.

Der Abbruch des Glockenturms, der bis Ende Mai dauern wird, ist ein gut aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel von vier verschiedenen Unternehmen. Die Firma DR Bau- und Gerüstbautechnik aus Altena hat nicht nur das Gerüst aufgestellt, sondern baut es auch je nach Fortschritt der Arbeiten sukzessive zurück. Nur dann kann der Kran des Gummersbacher Unternehmens Ley die abgesägten Betonstücke nach oben aus dem Gerüstkäfig herausziehen. Den Sägespezialisten der Hertener Firma Senft kommt die Aufgabe zu, den Turm in seine Einzelteile zu zerlegen, und das Abbruchunternehmen Hendler koordiniert die Arbeiten und transportiert die Betonteile ab.

Zum Abtransport lag am Montag auch das 6,40 Meter hohe kupferummantelte Eisenkreuz bereit, das 56 Jahre die Spitze des Turms geziert hatte. Es war am Morgen als erstes abgesägt worden. Auf den Schrottplatz wandern wird es wohl nicht, denn der Werdohler Transportunternehmer Gerd Schlotmann, der es bereits abholte, hat andere Vorstellungen. „Man könnte es doch wunderbar wieder aufstellen, zum Beispiel am Remmelshagen“, sagte er.

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