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Vossloh-Konzern: Russland-Geschäft nur marginal

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Von: Volker Heyn

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Die Werdohler Vossloh AG verbreitete 2017 dieses Foto von der Eröffnung eines Werkes in Russland in Zusammenarbeit mit der russischen Staatsbahn: Es zeigt  Beteltrans-Hauptaktionär Igor Tschaika, den Präsidenten der Russischen Eisenbahn (RZD) Oleg Belozerov und den damaligen Vossloh-Vorstandschef Andreas Busemann.  Aus den Hoffnungen, die man damals in das Russland-Geschäft legte, ist laut Vossloh „nichts geworden“.
Die Werdohler Vossloh AG verbreitete 2017 dieses Foto von der Eröffnung eines Werkes in Russland in Zusammenarbeit mit der russischen Staatsbahn: Es zeigt Beteltrans-Hauptaktionär Igor Tschaika, den Präsidenten der Russischen Eisenbahn (RZD) Oleg Belozerov und den damaligen Vossloh-Vorstandschef Andreas Busemann. Aus den Hoffnungen, die man damals in das Russland-Geschäft legte, ist laut Vossloh „nichts geworden“. © THEKZ/Vossloh

Weniger als ein Prozent des Gesamtumsatzes des Vossloh-Konzerns mache das Geschäft mit Russland aus. Dieses Geschäft mit einer Tochtergesellschaft von Vossloh Fastening Systems in der russischen Stadt Engels sei damit von untergeordneter Bedeutung für die gesamte Vossloh AG.

Werdohl - Diese Aussagen zum Russland-Geschäft in der Produktionsstätte in Engels und zu einem Vertriebsbüro in Moskau traf Dr. Daniel Gavranovic, der Leiter der Abteilung für Kundenbetreuung und Unternehmenskommunikation der Vossloh AG auf Nachfrage unserer Zeitungsgruppe. Zu politischen Themen werde sich der Konzern generell nicht äußern.

Im persönlichen Gespräch bestätigte Dr. Gavranovic eine damals von Vossloh selbst so verbreitete Pressemeldung. Demnach sei richtig, dass die Firma „Vossloh Fastening Systems RUS“ im Jahr 2014 gegründet worden sei. Sie sei ein Gemeinschaftsunternehmen der zum Geschäftsfeld Fastening Systems gehörenden Gesellschaft Vossloh-Werke GmbH und des russischen Unternehmens Beteltrans zu je hälftiger Beteiligung. Das 2017 eröffnete Werk in der Stadt Engels im Bezirk Saratow, für dessen Ausbau und Ausrüstung Investitionen zu der Zeit in Höhe von insgesamt 7,7 Millionen Euro getätigt wurden, war damals die modernste Fertigung für Schienenbefestigungen in Russland.

An dem Standort in Engels würden auch heute noch von knapp 50 Beschäftigten hauptsächlich Spannklemmen und Komponenten für Schienenbefestigungssysteme – im Wesentlichen seien das Kunststoffkomponenten – produziert, die weitestgehend für den russischen Markt bestimmt seien. Dr. Gavranovic sagte auch, dass Vossloh in Moskau ein Vertriebsbüro unterhalte, in dem weniger als zehn Mitarbeiter beschäftigt seien.

Russland kein Fokus-Markt mehr für Vossloh

Dr. Gavranovic bestätigte telefonisch am auch die mittlerweile nicht mehr zu findenden Passagen im Internetauftritt von Vossloh, in denen von Russland als ein „Fokus-Markt“ für Vossloh die Rede war. Diese Aussagen habe man vor einigen Jahren getroffen.

Die damals so beschriebene Russland-Strategie des Konzerns habe sich in den vergangenen fünf Jahren aber nicht verfolgen lassen, so Dr. Gavranovic. 2014 sei man noch davon ausgegangen, dass Russland mit seinem 88 000 Kilometer langem öffentlichen Schienennetz und weiteren etwa 30 000 Kilometern Industriebahnen ein Wachstumsmarkt für den Werdohler Bahntechnikkonzern sein könnte. Man habe damals noch gedacht, dass es in Russland ein riesiges Potenzial gebe, an dem Vossloh teilhaben könnte. Diese Strategie werde aber schon seit einigen Jahren nicht mehr verfolgt.

Aufgrund der wirtschaftlichen Schwäche Russlands, der Energieprobleme und der schon seit einigen Jahren verhängten Sanktionen gegen das Land sei aus der strategischen Chance „einfach nichts geworden“. Ob es jemals wieder zu nennenswerten Geschäften mit Russland komme, könne niemand seriös beantworten. Zu politischen Themen äußere man sich weiterhin nicht. Gavranovic: „Wir analysieren die Situation gründlich und fortlaufend und stehen im Austausch mit unseren Mitarbeitern vor Ort. Weitere Aussagen sind zum jetzigen Stand nicht möglich.“

Igor Tschaika ist ein Sohn des ehemaligen russischen Generalstaatsanwalts Juri Tschaika

Igor Tschaika, der Hauptaktionär des Unternehmens Beteltrans, mit dem Vossloh das kleine Gemeinschaftsunternehmen in Engels betreibt, ist ein Sohn des ehemaligen russischen Generaltstaatsanwalts Juri Tschaika. Beteltrans ist eine Tochtergesellschaft der russischen Bahngesellschaft RZD, die Bahnschwellen herstellt. Igor Tschaika hält 30 Prozent der Anteile an Beteltrans.

Der Schweizer Tages-Anzeiger berichtete am 22. Januar 2020 über die Entlassung von Juri Tschaika als Generalstaatsanwalt und Vorwürfen, die der Oppositionspolitiker Alexei Nawalny über Tschaika und dessen Söhne verbreitet hatte. Der in Zürich erscheinende Tages-Anzeiger schrieb: „Der Oppositionspolitiker Alexei Nawalny präsentierte 2015 in einem Video Beweise, dass Tschaikas Söhne Artjom und Igor Millionen aus Korruption in die Schweiz verschoben und dort unter anderem eine Villa am Genfersee gekauft hatten. Juri Tschaika bezeichnete die Vorwürfe gegen ihn und seine Söhne als vom Ausland gesteuerte Kampagne.“

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