Verwaltung kauft Bücher für 60.000 Euro

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Der zwölfjährige Emral Güzel kommt nach den Ferien in die sechste Klasse der Albert-Einstein-Gesamtschule. Stolz hält er seine Bücher für das kommende Jahr bereits jetzt in den Händen.

Werdohl - „Lernmittel im Wert von 70.961 Euro haben wir für das kommende Schuljahr insgesamt bestellt“, verrät Ulrich Betten vom Werdohler Schulamt. „Ab einem Bestellwert von 50.000 Euro ist es laut Gesetz zur Buchpreisbindung möglich, dass der Händler einen Höchstrabatt von 15 Prozent gewährt. Und den haben wir auch erhalten.“ Die Stadt zahlt somit nur rund 60.300 Euro.

Die Bestellsummen teilen sich, so Betten, indes wie folgt auf: „Für die Sekundarstufe I etwa 30.000, für die Sekundarstufe II 6200, für die Realschule 16 000, für die Hauptschule 700, für die Gemeinschaftsgrundschule 8300, für den dortigen Gemeinschaftsunterricht nochmal 1900, für die evangelische Grundschule 4000 und für die katholische Grundschule letztlich 4100 Euro.“

Betten erklärt: „Die Schulkonferenzen der einzelnen Schulen entscheiden, was sie brauchen.“ Einen Teil der Lernmittel, der Schulbücher müssen die Eltern der Schüler selbst anschaffen. Der Schulamts-Mitarbeiter weiß: „Laut Paragraph 96, Absatz 5, des Schulgesetzes soll der Eigenanteil der Eltern bei Grundschülern etwa bei 36 Euro pro Schuljahr liegen.“ In höheren Klassen steigt der Eigenanteil dann an. Das überfordert manche Eltern finanziell. Betten erläutert: „Solche Eltern haben einen Anspruch auf ein Bildungs- und Teilhabepaket. Wird dieses bewilligt erhalten die Schüler für die Schulausstattung jeweils zum 1. August 70 Euro und zum 1. Februar 30 Euro.“ Anträge für das Paket gibt es in den Jobcentern und Sozialämtern.

Die Bücher bestellen die Eltern dann selbst im Buchhandel – etwa bei Katrin Guntermann im Geschäft Lesen und Ambiente in der Werdohler Fußgängerzone. Dort stehen derzeit an zwei Stellen im Ladenlokal etliche weiße Plastiktüten auf dem Boden, gefüllt mit Schulbüchern, zur Abholung bereit. Guntermann berichtet: „In diesem Jahr haben wir uns entschieden, die Bücher für Geschwister in eine Tüte zu packen. So sind es dieses Mal nur 550 Tüten, obgleich es – wie voriges Jahr auch – gut 1000 Bestellungen waren.“

Und kaum ein Kind bestellt nur ein Buch. Bis zu fünf können es sein. Das bleibt nicht ohne Folgen. Zwar müssen Guntermann und ihre Mitarbeiterin kaum Überstunden machen, aber auf die ein oder andere Mittagspause haben sie schon verzichtet in den vergangenen Wochen. „Das ständige Bücken, das ewige Rauf und Runter, geht schon in die Knochen. Aber zum Glück können wir uns ja auch abwechseln“, verrät Guntermann.

Mit dem letzten Schultag am 4. Juli hat der Ansturm begonnen. Ein paar wenige, besonders wissbegierige Schüler haben sogar vor den Ferien bereits ihre Bestellung aufgegeben. Guntermann weiß, dass vor allen Dingen Schulanfänger ganz aufgeregt und sehnsüchtig die ersten eigenen Schulbücher erwarten. „Umso ärgerlicher ist es, dass vor allen Dingen die Verlage für Grundschulbücher erst spät liefern.“ In diesem Jahr fehlte zu Beginn der letzten Ferienwoche etwa noch der bekannte Diercke-Weltaltlas. Aber jeder bekomme seine Bücher rechtzeitig. Voraussetzung sei die frühzeitige Bestellung: „Manche Schüler der weiterführenden Schulen“, weiß Guntermann aus Erfahrung, „kommen mit ihrer Bestellung aber erst nach den Ferien.“ Bis Mitte September, schätzt sie, wird sie mit dem Thema noch reichlich zu tun haben.

Auch Guntermann weiß, dass manche Eltern nicht so leicht das Geld für die Bücher zusammen bekommen. „Aber in diesem Jahr sind die Preise recht stabil. Im vorigen Jahr sah das anders aus: Da wurden die Preise fast alle angehoben. Bei manchen Büchern nur um 20 Cent, bei anderen aber auch gleich um einen Euro.“ Zwar komme jetzt vor dem Wechsel ins nächste Schuljahr auf manchen Grundschüler lediglich eine Schulbuch-Rechnung in Höhe von 15 Euro zu, sagt Guntermann. „Aber manche Oberstufenschüler kommen auch auf 160 Euro.“ - Von Michael Koll

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