Vereine bereiten sich auf EU-Datenschutz-Verordnung vor

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Werdohl - „Wir hoffen wirklich, dass möglichst viele Vereinsvorstände die Bedeutung dieses Themas erfassen,“ sagt Richard Müller-Schlotmann, der Vorsitzende des Stadtsportverbands Werdohl. Er spricht von der neuen Datenschutzverordnung, die am 25. Mai in der gesamten EU in Kraft tritt.

In den Vorständen der Werdohler Sportvereine ist die neue Verordnung natürlich ein Thema – alle eventuell notwendigen Änderungen werden bis zum Stichtag jedoch noch nicht umgesetzt sein. „Für uns war es wichtig, dass wir den Werdohler Vereinen Hilfe anbieten“, sagt Müller-Schlotmann. Aus diesem Grund habe der Stadtsportverband eine Informationsveranstaltung organisiert, die am 11. Juni im Aufenthaltsraum der FSV im Stadion Riesei stattfindet. Dann wird Dieter Ostertag, Justiziar des Fußball- und Leichtathletik Verbandes Westfalen, die wichtigsten Punkte der Verordnung zusammenfassen und Fragen beantworten. „Wir hätten die Veranstaltung auch früher durchgeführt, aber das war terminlich nicht möglich,“ berichtet der Vorsitzende des Stadtsportverbandes. Sachkundige Referenten wie Ostertag seien momentan gerade überall sehr gefragt. 

Für Richard Müller-Schlotmann steht es außer Frage, dass Vereine, die das Thema ignorieren, unter Umständen mit erheblichen Konsequenzen rechnen müssen. In seiner Funktion als Vorsitzender des TuS Jahn Werdohl erklärt er: „Wir sind noch nicht sicher, wie weit wir mit der Umsetzung sind. Das Ganze ist sehr umfangreich.“ Mit Blick auf die TuS-Jahn-Mitgliedsanträge sagt Müller-Schlotmann: „Da werden wir auf jeden Fall nachbessern müssen.“ 

Verordnung bringt "enormen organisatorischen Aufwand"

„Diese Verordnung bringt für uns einen enormen organisatorischen Aufwand mit sich,“ stellt auch Henning Meyer fest. Der Vorsitzende des TuS Verstal ist von der neuen Datenschutzgrundverordnung alles andere als begeistert. „Für uns Ehrenamtler stellt sie eine zusätzliche Belastung dar,“ beklagt er. Hinzu komme, dass vieles nicht transparent sei. „Wir versuchen gerade mühevoll herauszufinden, was für uns wichtig ist,“ sagt Meyer. Er sei dankbar für das Angebot des Stadtsportverbandes: „Wir nehmen auf jeden Fall an der Veranstaltung teil.“ 

Davon abgesehen sei er schon jetzt davon überzeugt, dass auch der TuS Versetal in Kürze einen Datenschutzbeauftragten ernennen müsse. Diese Funktion muss nach der neuen Verordnung besetzt werden, wenn der Verein in der Regel mindestens zehn Personen ständig mit der automatisierten Verarbeitung personenbezogener Daten beschäftigt. Dabei geht es allerdings nicht nur um Mitgliedererfassung. Auch der Umgang mit Listen, die beispielsweise Namen von Kurs-Teilnehmern enthalten, ist gemeint – sofern sie aus der EDV-gestützten Verwaltung des Vereins stammen. Meyer: „Folglich betrifft es viele unserer Übungsleiter – und wir sind in der Pflicht.“ 

Datenschutzbeauftragter darf nicht dem Vorstand angehören

Ein Datenschutzbeauftragter darf nicht dem Vorstand angehören. Ein Vereinsmitglied kommt für dieses Amt ebenso in Frage, wie ein externes Unternehmen – der natürlich entsprechend bezahlt werden will. 

Für die zweite Variante hat sich der Reha-Sport-Verein Physio Vital Werdohl entschieden, berichtet dessen Schatzmeisterin Bianca Toepke. „Er schaut sich jetzt alles genau an, damit wir wissen, wo wir uns verbessern müssen.“ Datenschutz sei ein „heißes Thema“: „Da bei uns auch gesundheitsbezogene Daten erfasst sind, müssen wir ohnehin schon große Sorgfalt walten lassen.“ Beispielsweise würden die Ordner, in dem die ärztlichen Verordnungen abgeheftet seien, in einem verschlossenen Stahlschrank aufbewahrt. Und das ist längst nicht alles: „Mit den Krankenkassen rechnen wir online ab. Das entsprechende Programm ist natürlich mit einem Passwort geschützt,“ sagt Toepke. 

Einen Datenschutzbeauftragten wird es bei der FSV Werdohl nicht geben. „Unsere Trainer müssen keine Mitgliedslisten abhaken, das wäre lebensfremd,“ erläutert Geschäftsführer Gert Scheumann. Dennoch begrüße er die Veranstaltung des Stadtsportverbandes, denn es sei für Ehrenamtler kaum möglich, das gesamte Werk durchzuackern. 

„Was die neue Verordnung angeht, stehen wir deshalb noch relativ am Anfang. Obwohl wir mit dem Thema Datenschutz natürlich längst vertraut und beschäftigt sind,“ so Scheumann. Allerdings steht er der Verordnung nicht nur skeptisch gegenüber: „Die Kernaussage des Fußball- und Leichtathletik Verbandes ist, dass sich nach der gesamten Umstellung eher etwas zum Vorteil der Vereine verändern wird.“

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