Mit Vossloh viermal um die Welt

Werdohler Unternehmen produziert einmilliardste Spannklemme

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Tobias Baum (links) und Philipp Holtmann holten die einmilliardste Spannklemme aus der Biegemaschine.

Werdohl – Eine Eins mit neun Nullen bot am Stammsitz der Vossloh AG jetzt Anlass zum Feiern. In einer der ältesten Hallen auf dem Firmengelände an der Vosslohstraße wurde die einmilliardste Spannklemme produziert.

Dazu war sogar der Vorstandsvorsitzende Oliver Schuster angereist. 

Die Spannklemme ist eine simple, aber geniale Erfindung. Die gebogene Stahlfeder, mit der Eisenbahnschienen elastisch auf den Schwellen befestigt werden, wurde Anfang der 1960er-Jahre vom damaligen Abteilungsleiter des Bundesbahnzentralamtes, Hermann Meier, zusammen mit der Technischen Universität München entwickelt. Im Vergleich zu älteren Befestigungsarten sind in der Spannklemme die Funktionen von zwei Bauelementen – einer Art Federring und der sogenannten Klemmplatte als Auflagestück auf den Schienenfuß – vereinigt. 

Elastische Befestigung früher nicht notwendig

Bei den früher verwendeten Holzschwellen war eine elastische Schienenbefestigung nicht unbedingt notwendig, weil das Schwellenholz selbst ausreichend elastisch war, um durch Temperaturschwankungen oder Belastung auftretende Schwingungen auszugleichen. Die mittlerweile gängigen Stahl- und Betonschwellen haben diese Eigenschaft nicht. Die Schwingungen werden deshalb durch die spezielle Schienenbefestigung mit Spannklemmen ausgeglichen. 

Vossloh-Vorstandsvorsitzender Oliver Schuster zählte einige Anwendungsgebiete für die in Werdohl hergestellten Spannklemmen auf.

Im Jahr 1968 wurde erstmals die Schienenbefestigung mittels einer verschraubten elastischen Spannklemme in eine Versuchsstrecke der damaligen Deutschen Bundesbahn eingebaut. Das entwickelte Produkt bewährte sich, und Vossloh erhielt die Generallizenz zur Fertigung der Spannklemme. Das Produkt, das aus einem rund 50 Zentimeter langen, fingerdicken Draht gebogen wird, ist bis heute ein Exportschlager des Unternehmens. Die Spannklemme sorgt weltweit in mehr als 65 Ländern für sicheren Halt. Produziert wird sie am Vossloh-Stammsitz in Werdohl. 

Achslast von 35 Tonnen

Vorstandsvorsitzender Oliver Schuster nannte Beispiele für den Einsatz der Spannklemme: „Am Breezy Point, einer mehrfach gewundenen Haarnadelkurve in Nebraska widersteht sie Belastungen durch Güterzüge mit mehr als hundert Waggons und einer Achslast von 35 Tonnen. In Saudi-Arabien hält das Werdohler Produkt zwischen Mekka und Medina Züge bei Temperaturschwankungen zwischen plus 55 und minus 5 Grad im Wüstensand sicher in der Spur. Im Containerterminal am Burchardkai in Hamburg, wo Achslasten von mehr als 70 Tonnen und seitliche Lasten von bis zu zwölf Tonnen auftreten, gewährleisten unsere Klemmen zuverlässigen Halt für Kranschienen.“ 

Mit einem Augenzwinkern ging Schuster auf die Entwicklung der Spannklemme ein. Der Erfinder Hermann Meier habe sich bei einem seiner zahlreichen Besuche bei Vossloh vielleicht vom Verlauf der Lenne inspirieren lassen, mutmaßte er. Tatsächlich verläuft der Fluss bei Werdohl in einer W-Form, die dem Aussehen der Spannklemme sehr nahe kommt. 

Klemmen reichen für 150.000 Kilometer Bahnstrecke

Schuster rechnete auch vor, wie lang eine Bahnstrecke wäre, die mit einer Milliarde Spannklemmen ausgestattet wäre: „Das bringt meine persönliche Vorstellungskraft an ihre Grenzen“, gab er zu. „Eine Milliarde Spannklemmen reichen aus, um 150 000 Kilometer Bahnstrecke zu bauen, dies entspricht knapp einer vierfachen Umrundung der Erde.“ Es sei „beeindruckend, dass Generationen von Menschen in diesem kleinen sauerländischen Ort das geleistet haben“, sagte Schuster anerkennend. 

Diese Spannklemme dürfte ins Firmenarchiv wandern. Sie ist offiziell das einmilliardste Produkt dieser Art und trägt die Zahl eingeprägt auf ihrem unteren Bogen.

Auf die Leistung der Mitarbeiter ging auch Christian Renners, Geschäftsführer der Vossloh-Gesellschaft Fastening Systems, ein. „Eine Milliarde Spannklemmen machen sich nicht von allein, das geht nur mit vollem Einsatz, mit Leidenschaft, mit Geduld und Beständigkeit der Menschen in der Fertigung“, sagte er. Renners blickte nach vorne, indem er auf den gerade entstehenden Neubau der von Vossloh „Fabrik der Zukunft“ getauften Fertigungshalle einging. „Wir werden hier schon bald über die weltweit modernste Fertigung von Schienenbefestigungssystemen verfügen“, kündigte er an. Dies bedeute mehr, als nur die zweite Milliarde Spannklemmen in Angriff zu nehmen. „Unser Kernprodukt kann dann schneller gefertigt, mit verbessertem Korrosionsschutz versehen und um exzellente digitale Serviceleistungen ergänzt werden“, versprach er eine Weiterentwicklung des Vossloh-Bestsellers. 

Prozess von wenigen Sekunden

Die Herstellung der einmilliardsten Spannklemme ging dann relativ unspektakulär vonstatten. Tobias Baum und Philipp Holtmann warfen die große Biegemaschine an, und nach wenigen Sekunden hielten sie die fertige Klemme in der Hand. Von ihrem vielen Millionen Vorgängern unterscheidet sie sich lediglich durch die Prägung der Zahl 1 000 000 000.

Unter der Nummer DE1059485B ist beim Deutschen Patent- und Markenamt eine Schienenbefestigung unter Verwendung federnder, aus Stabstahl gebogener Klemmen registriert. Produziert wird die dafür erforderliche Spannklemme seit mehr als 50 Jahren bei der Vossloh AG in Werdohl. Erfunden hat das Bauteil der damalige Abteilungspräsident des Bundesbahnzentralamtes, Hermann Meier. Vossloh erhielt die Generallizenz zur Fertigung. Die Spannklemme wird am Vossloh-Stammsitz in Werdohl produziert.

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