Trotz Corona-Krise

Unternehmen im MK investiert Millionen in Logistik und Maschinen

Blick in die Erweiterung des Hochregallagers beim Kracht. 2600 zusätzliche Palettenstellplätze und ein vierten Kommissionierplatz sollen die gestiegenen Anforderungen an die Logistik des Pumpen-Spezialisten erfüllen.
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Blick in die Erweiterung des Hochregallagers beim Kracht. 2600 zusätzliche Palettenstellplätze und ein vierten Kommissionierplatz sollen die gestiegenen Anforderungen an die Logistik des Pumpen-Spezialisten erfüllen.

Erst vor rund vier Jahren hat der Werdohler Pumpen-Spezialist Kracht für rund 7,7 Millionen Euro sein Lagersystem zentralisiert und auf 3500 Quadratmetern ein Paletten-Hochregallager mit zwei Gassen sowie ein automatisches Kleinteilelager samt fördertechnischer Peripherie errichtet. Jetzt investiert das Unternehmen noch einmal rund 2,1 Millionen in die Erweiterung dieser Logistik. Und obendrein gibt es noch neue Maschinen für 1,8 Millionen Euro.

Werdohl ‒ Die konsequente Ausrichtung des Unternehmens sei, immer auf dem neuesten Stand der Technik zu sein, erklärte Kracht-Geschäftsführer Heiko Zahn die neuerliche Investitionstätigkeit unter der Devise „Stillstand ist Rückschritt“. Auch durch äußere Einflüsse wie die Corona-Krise wolle sich das Unternehmen von diesem Kurs nicht abbringen lassen, auch wenn die Pandemie ihre Spuren hinterlassen hat, wie Zahn einräumen muss. Die Umsatzeinbuße habe sich mit rund 7,5 Prozent im vergangenen Jahr zwar in Grenzen gehalten, „weil wir weltweit tätig sind und verschiedene Branchen beliefern“. Dennoch sei die Belegschaft seit Juni in geringem Umfang in Kurzarbeit.

Auf die schon geplanten Investitionen hatte Corona aber so gut wie keinen Einfluss, die waren schließlich schon von langer Hand geplant. Die Idee, das Hochregallager zu erweitern, existierte beispielsweise schon, als das Virus im chinesischen Wuhan noch gar nicht ausgebrochen war. Und so ist mittlerweile an der Südostseite des Firmenareals, praktisch parallel zur Gewerbestraße, eine 7,50 Meter breite, 50 Meter lange und 23 Meter hohe Erweiterung des Hochregallagers entstanden. Darin können 2600 zusätzliche Palettenstellplätze untergebracht werden. Zum Vergleich: Das Ende 2017 in Betrieb genommene Hochregallager beinhaltet 5100 Stellplätze für Europaletten und 12 000 Plätze für Behälter mit Kleinteilen.

Der Grund für die Erweiterung ist, dass das bisherige Hochregallager zu mehr als 90 Prozent ausgelastet und damit an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen ist. Karl Müller, Leiter für Einkauf, Materialwirtschaft und Versand erklärt, was das bedeutet: „In einem vollautomatisierten Hochregallager werden häufig nachgefragte Produkte automatisch weiter nach vorne verlagert, um die Transportwege zu verkürzen. Wenn das Lager aber zu voll ist, funktioniert das nicht mehr.“ Die Erweiterung des Lagers um eine zusätzliche Gasse und einen vierten Kommissionierplatz soll die Anlage nun wieder schneller machen.

Weichen stehen auf Zukunft und Wachstum

In der vergangenen Woche wurden an der Logistikerweiterung die letzten Arbeiten vorgenommen, diese Woche sollen Tests unter Volllast durchgeführt werden und die Tüv-Abnahme erfolgen. Mit Inbetriebnahme der Erweiterung setze Kracht einen weiteren Meilenstein bei seiner umfassenden Neustrukturierung der Werkslogistik, ordnete Kracht-Pressesprecher Johannes König das Projekt ein. „Die Weichen in Logistik und Produktion sind damit komplett auf Zukunft und weiteres Wachstum gestellt“, erklärte König.

Ich kenne keine andere Firma, die das kann.

Jürgen Kaun, Leiter der CNC-Bearbeitung

Damit lenkt König den Fokus auf die zweite Investition, die Einführung der Vollautomatisation in der Bearbeitung von Pumpengehäusen. Bisher muss eine Vielzahl von unterschiedlichen Pumpengehäusen bei Kracht für die Komplettbearbeitung auf CNC-Maschinen von Hand in den Spannvorrichtungen fixiert werden.

Einzigartige Kombination von Maschinen

Das soll bald der Vergangenheit angehören, denn mit einem neuen Fünf-Achsen-Bearbeitungszentrum und einem weiteren, kompakten Bearbeitungszentrum des japanischen Werkzeugmaschinenkonzerns Yamazaki Mazak, einem Roboter und einem Materiallift des niederländischen Automatisierungsspezialisten Cellro sowie hydraulischen Sonderspannvorrichtungen des baden-württembergischen Unternehmens AMF hat Kracht eine bisher einzigartige Kombination von Maschinen aufgebaut, die die vollautomatische Bearbeitung der mehrere Kilogramm schweren Gussteile ermöglicht. „Ich kenne keine andere Firma, die das kann“, strich Jürgen Kaun, Leiter der CNC-Bearbeitung bei Kracht, die Besonderheit der Neuanschaffung heraus.

Eine besondere Herausforderung

Die besondere Herausforderung sei gewesen, eine Möglichkeit zu finden, eine Spannvorrichtung für die nicht symmetrischen Pumpengehäuse zu finden, erläuterte Kaun. Zusammen mit der Firma AMF, einem führenden Hersteller von Spanntechnik, sei das aber gelungen.

Im Schneckentempo haben Spezialisten das rund 20 Tonnen schwere neue Bearbeitungszentrum durch die Kracht-Werkshallen an seinen Platz manövriert. Stellenweise war das Millimeter-Arbeit.

Die beiden Mazak-Maschinen sind bei Kracht bereits angekommen, die Automationskomponenten mit dem Roboter sollen Anfang März eintreffen. Nach dem Aufbau der Gesamtanlage, dem Einfahren und Testen werde die vollautomatische ProduktionEnde Mai beginnen können, hofft Jürgen Kaun.

Deutliche Kapazitätssteigerung möglich

.Kracht verspricht sich von dieser Anlage eine deutliche Kapazitätssteigerung bei der Herstellung von Pumpengehäusen. „Die Anlage kann im Prinzip rund um die Uhr alleine laufen“, sagte Abteilungsleiter Kaun. Eine mannlose Fertigung sei auch das Ziel, eine Steigerung der Fertigungskapazität um 13 000 Pumpengehäuse pro Jahr die Perspektive. Kaun hob aber auch die Flexibilität der Anlage hervor. So könnten darauf auch zwei verschiedene Pumpengehäuse gleichzeitig bearbeitet werden.

Weitere Investitionen geplant

All das, betonte Geschäftsführer Heiko Zahn, soll letztlich den Kracht-Kunden zugute kommen. „Unsere Kunden wollen immer schneller beliefert werden. Die vollautomatische CNC-Bearbeitung, die rund um die Uhr und auch sonntags laufen kann, versetzt uns in die Lage, diesen Wünschen nachzukommen.“ Und auch das lässt Zahn optimistisch in die Zukunft blicken: „Mittlerweile kommen wieder mehr Aufträge rein. Wir überlegen deshalb, die Kurzarbeit im März oder spätestens im April zu beenden“, kündigte der Geschäftsführer an. Auch investieren will er weiter. Eine neue Liste mit Ideen liege schon auf seinem Schreibtisch, versicherte er. Stillstand ist eben Rückschritt.

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