Keine Wiedereröffnung nach Corona

Brigitte Mölders gibt ihr „Haus Werdohl“ auf

Brigitte Mölders bereitete sich im Mai 2020 in ihrem Haus Werdohl auf den Neustart nach den damaligen Corona-Beschränkungen vor. Für eine Wiedereröffnung in diesem Jahr fand sie kein Personal, die bald 74-Jährige will jetzt ihre Gaststätte samt Hotelbetrieb verpachten.
+
Brigitte Mölders bereitete sich im Mai 2020 in ihrem Haus Werdohl auf den Neustart nach den damaligen Corona-Beschränkungen vor. Für eine Wiedereröffnung in diesem Jahr fand sie kein Personal, die bald 74-Jährige will jetzt ihre Gaststätte samt Hotelbetrieb verpachten.

Brigitte Mölders, die 73-jährige Inhaberin von Gaststätte und Hotel Haus Werdohl an der Neuenrader Straße, wird ihr Haus nach dem vorläufigen Ende der Corona-Pandemie nicht mehr selbst öffnen. Sie sucht bereits nach einem Pächter oder einer Pächterin, die das Haus weiter führen sollen.

Werdohl - „Zwar lebe ich derzeit von meinem Ersparten“, sagt Brigitte Mölders auf Nachfrage, „aber ich mache mir mehr Sorgen um den Laden.“ Schließlich hätten doch die meisten heimischen Vereine bei ihr Jahreshauptversammlungen durchgeführt. Und die Kegelbahn sowie der Saal, in dem auch schon mal ein Konzert stattfand, hatten zudem für manch schöne Stunde in der Freizeit der Werdohler gesorgt. Schließlich gibt es noch das ans Restaurant angeschlossene Hotel, welches früher ausschließlich von Monteuren genutzt wurde.

All dies soll auch so bleiben, doch Mölders zieht sich definitiv zurück. „Ich fühle mich zwar nicht wirklich wohl dabei und es tut mir auch leid“, schildert sie die schwere Entscheidungsfindung der vergangenen Wochen. Doch nach anderthalb Jahren Pandemie sei ihr das komplette Personal abhandengekommen (wir berichteten) „und ich werde ja nun auch 74 Jahre alt“, zählt sie auf.

So hat sie sich bereits im Kollegenkreis umgehört. „Ich suche einen Pächter, der Restaurant, Hotel, den Saal und auch die Kegelbahn übernimmt.“ All dies soll – so ihr Wunsch – weiter betrieben werden. „Und junge Leute haben ja dann auch noch ganz andere Ideen und bringen sicher frischen Schwung in die ganze Sache“, zeigt sie sich offen für vielleicht auch neue Ansätze.

Der Gasthof „Zur schönen Aussicht“ Röther in einer historischen Ansicht.

„Auch mit den Brauereien habe ich schon gesprochen, damit die mir vielleicht bei der Suche nach einem guten Pächter behilflich sind“, erklärt sie. „Doch die, mit denen ich bereits gesprochen habe und die es vielleicht hätten machen können, sagen momentan: ‘Was sollen wir denn jetzt aufmachen, wenn wir im Herbst vielleicht doch wieder schließen müssen und das Weihnachtsgeschäft dann wegfällt?’?. Und noch ein Problem sieht Mölders für eine rasche Verpachtung: „Jetzt kommt ja der Sommer und es steht erst einmal die Urlaubszeit an.“ Das erschwere die Pächtersuche obendrein.

Nachdem sich vor Wochen abzeichnete, dass die Gastronomie wieder öffnen darf, habe sie zunächst noch nach neuem Personal gesucht. „Aber die guten Leute haben ja doch alle Arbeit“, hat sie erfahren. Der Markt sei leer gefegt, verlässliche und fleißige Mitarbeiter nicht zu finden.

Jetzt also sucht sie einen Pächter oder eine Pächterin. „Verkaufen möchte ich das Haus eigentlich nicht, schließlich möchte ich sicher gehen, dass hier alles im Sinne meiner Stammgäste weiter läuft – ein neuer Besitzer muss auf jeden Fall zu den Gästen passen“, sagt Mölders, Der Trennungsschmerz ist ihr deutlich anzuhören. „Ich wohne ja selbst im Obergeschoss“, gibt sie zudem zu bedenken. „Naja, wenn sich kein Pächter und nur ein Käufer finden lässt“, grübelt sie weiter, „würde mir ja eigentlich auch eine kleinere Wohnung reichen.“

1977 habe sie – nach einer vorherigen, einjährigen Umbauphase – das Haus Werdohl eröffnet. Vorher befand sich an selber Stelle der Gasthof „Zur schönen Aussicht“ von Besitzer Otto Röther. „Mein Nachfolger“, betont sie indes, „muss nicht erst umbauen. Der kann innerhalb von zwei Tagen eröffnen.“ Eigentlich müssten nach der Pandemie-Pause lediglich die Leitungen gereinigt und die Inneneinrichtung geputzt werden, befindet Mölders.

„44 Jahre war ich für meine Gäste da“, sagt sie und fügt hörbar stolz hinzu: „In der gesamten Zeit war nie die Polizei hier und es hat keine einzige Schlägerei gegeben.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare