Werdohler Taxifahrer voll entlastet

WERDOHL ▪ Der 53-jährige Taxifahrer aus Werdohl, der auf einer Fahrt einer älteren Dame Geld aus der Tasche gestohlen haben soll, wurde am Amtsgericht in Altena von den Diebstahlsvorwürfen freigesprochen. Das Gericht konnte im zweiten Termin keine Anhaltspunkte finden, die den Anklagevorwurf gegen den Taxifahrer untermauerten.

Der 53-Jährige sollte als Taxifahrer im August 2011 eine 90-jährige Werdohlerin von der Sparkasse zurück zu ihrem Haus in Eveking fahren, da diese sich schwach fühlte und die Bank gebeten hatte, ihr ein Taxi zu rufen. Die 90-Jährige hatte zuvor 1800 Euro abgehoben, diese in Umschlag und Jutebeutel in einer ihrer Taschen verstaut. Die für den 53-Jährigen schicksalhafte Fahrt begann, als er der alte Frau ins Auto helfen musste.

Bei dieser Gelegenheit, so eine Version der 90-Jährigen, sollte der Fahrer die Taschen nicht neben sie auf die Rückbank, sondern zu sich nach vorne gelegt haben. Bei der Frau Zuhause angekommen, konnte diese den Fahrpreis nicht mehr begleichen, wurde zusehends nervöser, denn die Tasche, in der sie meinte das Geld zu haben, war plötzlich leer. Gemeinsam wurde das Auto durchsucht. In die zweite Tasche der 90-Jährigen durfte der Taxifahrer nicht schauen, wie er sich bei Gericht erinnerte: „Sie war überzeugt, dass das Geld nur in der einen Tasche sein konnte und wollte nicht nachschauen.“ Die 90-Jährige weigerte sich ohne das Geld auszusteigen, und so fuhr der 53-Jährige die aufgelöste Frau zu seinem Chef, der das Duo zur Bank zurückschickte. Die Bankangestellte, die der Dame das Geld in Anwesenheit einer Kollegin überreicht hatte, schickte den Taxifahrer ebenfalls weiter.

Die Bankangestellte gab jedoch gestern Morgen als Zeugin an, die 90-Jährige sei schon zu Beginn des Bankbesuchs „ein bisschen durch den Wind gewesen“. Zurück ging es ein weiteres Mal über die Taxizentrale nach Eveking, das Geld blieb verschwunden.

Die 90-Jährige beschuldigte den Taxifahrer bei der Polizei, sie bestohlen zu haben. Doch der wies von Anfang an alle Vorwürfe von sich. Beim Verhandlungstermin im Januar war die Seniorin nicht vernehmungsfähig, erzählte gestern dann als Zeugin völlig verschiedene Abläufe, machte – wie es das Gericht zusammenfasste – einen „offensichtlich verwirrten Eindruck“. Die Aufzeichnungen des Navigationsgeräts des Taxis bestätigten zudem die Version des Fahrers.

Letztlich befand das Gericht, dass auf die „Aussage der älteren Dame keine Verurteilung gestützt werden könne“ und sprach den Angeklagten frei. Der 53-Jährige hat durch die Vorwürfe jedoch bereits Konsequenzen erlitten: „Ich habe meinen guten Ruf in Werdohl und meinen Job verloren.“ ▪ gran

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