Werdohler Tafel: „Hier läuft das anders ab“

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Das Team der Werdohler Tafel wird bislang von Ulrike Schiller (links) geleitet. Einen Aufnahmestopp für Ausländer hat es hier nie gegeben und werde es auch nicht – mit Problemen werde anders umgegangen als bei der Essener Tafel.

Werdohl - „Auch wir haben Menschen bei uns, die mal etwas fordernder sind. Mit der Nationalität hat das hier aber nichts zu tun.“ So kommentierte Ulrike Schiller, Leiterin der Werdohler Tafel, die jüngsten Ereignisse in Essen, wo ihre Kollegen einen Aufnahmestopp für Ausländer verhängt haben, weil sich ältere Bedürftige angesicht der Ausländer unwohl fühlten.

Mittlerweile wird die umstrittene Entscheidung, Berechtigungskarten vorerst nur an Deutsche auszugeben, im ganzen Land kontrovers diskutiert. Schiller möchte sich daran nicht beteiligen. „Ich äußere mich zu diesem Sachverhalt nicht, weil ich die Lage in Essen nie miterlebt habe und deshalb nicht bewerten kann“, sagte sie auf Anfrage unserer Zeitung. 

Die Geschichte werde derzeit extrem aufgebauscht und es hätten sich bereits zu viele Menschen dazu geäußert, die noch nie mit der Einrichtung Tafel in Berührung gekommen seien und deshalb gar nicht den erforderlichen Einblick hätten. 

Auch viele Migranten und Geflüchtete

Unter den Bedürftigen, die das Angebot der Werdohler Tafel nutzen, gebe es auch viele Migranten und Geflüchtete, Probleme wie in Essen habe die Leiterin in ihrer Stadt jedoch nicht registriert. „Wir sind eine ganz kleine Tafel. Hier läuft das anders ab als in großen Städten“, sagte Schiller. Rund 130 Familien nehmen die Tafel in Werdohl in Anspruch. Dabei seien von den Jüngeren bis hin zu Alten alle Altersgruppen vertreten. 

Die Verteilung laufe gut. „Bei allen ist das Verständnis da, dass wir nur das ausgeben können, was wir an Ware von den Geschäften bekommen“, sagte Schiller. Zudem habe es in den zwölf Jahren, in denen sich die Vorsitzende für die Werdohler Tafel engagiert, immer funktioniert, „dass jeder, der zu uns kommt, auch etwas bekommt“. 

Damit es bei der Ausgabe gerecht zugeht, arbeitet die heimische Tafel mit wechselnden Ausgabezeiten für die Bedürftigen. „So kommt jeder mal in den Genuss, als einer der ersten Besucher aus einem vollen Sortiment auswählen zu können“, erklärte Schiller. Aber auch für die Letzten seien zumindest die Grundnahrungsmittel wie Brot an jedem Ausgabetag stets vorhanden. Dieser liege bewusst immer auf dem vierten Donnerstag im Monat, „wenn das Geld in einigen Haushalten schon knapp ist“. 

Ausgabe erfolgt einmal monatlich

„Auch hier unterscheiden wir uns sehr von großen Einrichtungen. Bei uns gibt es Lebensmittel einmal monatlich, bei den größeren Tafeln teilweise mehrmals in der Woche“, sagte Schiller. 

Die Ausgabe erfolgt in den Räumlichkeiten des ehemaligen evangelischen Kindergartens am Kirchenpfad 1. Unterstützt wird Schiller von einem rund 30-köpfigen Mitarbeiterteam. „Jeder hat seine festen Aufgaben. Das ist wie in einer kleinen Firma, wo alles genau eingespielt ist“, erläuterte Schiller, die wohl auch deshalb ein sehr positives Fazit ihrer Arbeit ziehen kann: „In all den Jahren hat es mir immer Spaß gemacht.“

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