Ulrike Schiller gibt Leitung der Werdohler Tafel ab

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Die tragenden Säulen bei der vom Diakonischen Werk in Plettenberg und Werdohl betriebenen Tafel: Heike Schäfer (links) und Ulrike Schiller, die Ende April in den ehrenamtlichen Ruhestand geht.

Werdohl - Ende April ist Schluss, geht eine Ära zu Ende. Ulrike Schiller geht im Alter von 63 Jahren „in den ehrenamtlichen Ruhestand“, wie sie es selbst formuliert. Zwölf Jahre zuvor hatte sie unter dem Dach des Diakonischen Werkes die Leitung der Werdohler Tafel übernommen.

Vergangenen Sonntag hatte Pfarrer Dirk Grzegorek in der Kreuzkirche diese Personalie öffentlich gemacht. Gesucht wird schnellstmöglich eine Nachfolge.

Einfach wird das nicht, auch wenn jetzt durch das Diakonische Werk ein Entgelt auf Minijob-Basis in Höhe von 450 Euro gezahlt werden soll. Ulrike Schiller bekam während ihrer kompletten Amtszeit keinen einzigen Cent. „Ich war mit dem Herzen dabei“, so die künftige Ruheständlerin, und genau diese Eigenschaft sei auch bei ihrer Nachfolgerin oder dem Nachfolger gefragt. Ohne diese Einstellung seien die Aufgaben, die rund um die Tafel zu erledigen sind, nicht zu bewältigen.

Vor zwölf Jahren, so erinnert sie sich, war sie innerhalb der Evangelischen Kirchengemeinde als Presbyterin tätig und in dieser Funktion auch im Diakonieausschuss aktiv. Über diese Schiene kam der Kontakt zu Heike Schäfer zustande, die unter dem Dach des Diakonischen Werkes die Tafel in Plettenberg betreute und die Notwendigkeit für einen Einsatz auch in Werdohl erkannt hatte.

Aktuell werden 139 Familien betreut.

Wie dringend benötigt die Tafel auch in Werdohl war, stellte sich schnell heraus. „Am Anfang hatten wir 70 Familien in der Betreuung“, erinnert sich Ulrike Schiller. Bei der jüngsten Lebensmittelausgabe waren es 139. Der Spitzenwert war vor zwei Jahren mit über 200 erreicht worden. „Aber da ging nichts mehr“, so Schiller. Die Zahl der Bedürftigen musste begrenzt werden, auch wenn das „schmerzliche Entscheidungen mit sich brachte“, so Schiller.

33 Helfer packen mit an

Derzeit sind rund um den Betrieb der Werdohler Tafel durchschnittlich 33 Helfer aktiv, allerdings nicht alle gleichzeitig. Manche kommen nur mittwochs vor der Tafelausgabe, um zum Beispiel Gemüse zu putzen oder die Lebensmittelspenden in die Regale zu räumen, die von den Fahrern als Spenden in den Geschäften eingesammelt und angeliefert wurden. Andere sind nur am Ausgabetag selbst tätig, wobei hier auch der Dienst in der Cafeteria im ehemaligen Kindergartengebäude am Kirchenpfad eingeschlossen ist.

Leiterin bleibt Antwort schuldig

Wenn man sie fragt, wie viele Stunden Zeit sie im Dienst der Tafel in den vergangenen zwölf Jahren aufgewendet hat, muss Ulrike Schiller die Antwort schuldig bleiben. Immerhin geht es nicht nur um die Vorbereitung und den Ausgabetag selbst.

Telefonate müssen unter der Woche geführt werden, und wenn sie in der Stadt unterwegs ist, wird sie in Gesprächen rund um die Lebensmittelausgabe um Auskünfte gebeten. Hinzu kommen Sonderaktionen, wie „Kauf eins mehr“ oder Spendenübergaben. Auch die Tafel-Helfer konnten mit ihren Problemen zu ihr kommen, in der Hoffnung, gemeinsam eine Lösung zu finden.

Erlebtes Miteinander „ist unbezahlbar“

All das mündet bei der Bald-Ruheständlerin in eine einzige Feststellung: „Was ich in den vergangenen zwölf Jahren an sozialem und christlichem Miteinander und an Menschlichkeit erlebt habe, ist unbezahlbar“. Das Motiv „Christsein leben“ hat Ulrike Schiller nach eigener Einschätzung Kraft gegeben, auch bei der immer wieder mal auftauchenden Frage: „Hab’ ich alles richtig gemacht?“

Nachfragen in den Reihen der Helfer ergaben, das niemand die Leitung übernehmen möchte. Deshalb ist die Stelle ausgeschrieben. Wer über Organisationsgeschick verfügt und Freude am Umgang mit einer Vielzahl von Menschen hat und – so Pfarrer Dirk Grzegorek – den kirchlich-diakonischen Auftrag mittragen möchte, kann sich bei ihm (Rufnummer 0 23 92 / 78 64) oder beim Diakonischen Werk in Plettenberg unter der E-Mail-Adresse h.schaefer@diakonie-plbg.de melden. Eine Einarbeitung in das Aufgabenfeld rund um die Tafel ist gewährleistet.

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