Nach jahrelanger Schrumpfkur

Stadtverwaltung darf wieder wachsen: Das sind die Gründe

+
Bürgermeisterin Silvia Voßloh freut sich über die neuen Stellen in der verwaltung, die der Rat genehmigt hat.

Werdohl – Nach jahrelanger Schrumpfkur wird die Stadtverwaltung in diesem Jahr wieder ein wenig wachsen: Der Rat hat etwas mehr als vier zusätzliche Stellen genehmigt.

Das hat Bürgermeisterin Silvia Voßloh (CDU) jetzt auf Nachfrage mitgeteilt. 

Zu einem etwas ungewöhnlichen Zeitpunkt hatte sich der Rat in seiner letzten Sitzung dieser Wahlperiode mit dem Stellenplan zu beschäftigen. Normalerweise stehen solche Entscheidungen über diese Aufstellung der Arbeitsstellen im Rathaus im Zusammenhang mit der Beratung des Haushaltsplans am Jahresende auf der Tagesordnung. Dass der Rat sich nun mitten im Jahr damit befassen musste, hängt mit einer Organisationsuntersuchung zusammen, deren Resultat erst nach den Haushaltsplanberatungen vorlag. „Das Ergebnis der Untersuchung war, dass wir eher zu wenig als zu viel Personal haben“, fasste Voßloh zusammen. 

Durch Teilnahme am Stärkungspakt Sparprogramm auferlegt

2012, als Werdohl dem „Stärkungspakt Stadtfinanzen“ beigetreten war, um den überschuldeten Haushalt wieder in den Griff zu bekommen, hatte der Rat der Verwaltung ein Sparprogramm auferlegt. Das sah auch eine Reduzierung des Personals vor. Wie wirksam das war, zeigt ein Vergleich: Im Jahr 2012 standen im Stellenplan noch 25,86 Stellen für Beamte und 108,19 Stellen für Angestellte, 2019 waren es noch 17,34 Beamten- und 104,11 Angestellten-Stellen. Der Haushaltsansatz für Personalaufwendungen ist im selben Zeitraum jedoch fast gleich geblieben, was unter anderem mit Tariferhöhungen für Beschäfte im öffentlichen Dienst zusammenhängen dürfte. 

„Wir haben im Laufe der Zeit gemerkt, dass wir sehr stark an die Grenzen gehen“, verdeutlichte Voßloh, dass sich der Personalabbau im Laufe der Zeit negativ auf die Leistungsfähigkeit der Verwaltung ausgewirkt habe. Die Organisationsuntersuchung habe das dann auch bestätigt. „Es wurde ein Mehrbedarf von fünf Vollzeitstellen für das ganze Rathaus festgestellt“, sagte die Bürgermeisterin. Die Abteilungen selbst hätten einen Mehrbedarf von 4,2 Stellen angemeldet. 

Voßloh: "Mitarbeiter gehen auf dem Zahnfleisch"

Der Bürgermeisterin war wichtig, dass nach diesen Untersuchungen schnell etwas passieren sollte. „Manche Mitarbeiter gehen schon auf dem Zahnfleisch“, bekräftigte sie den Bedarf an Unterstützung. Weil aufgrund der Corona-Pandemie aber im Frühjahr kaum Ausschuss- und Ratssitzungen stattfinden konnten, in denen den Politikern die Untersuchungsergebnisse hätten vorgestellt werden können, informierte Voßloh zunächst nur einige Vertreter der Fraktionen. Erst in seiner Juni-Sitzung konnte der Rat dann schließlich entscheiden. Er bewilligte der Abteilung Bauen und Immobilienmanagement zwei Stellen, den Abteilungen Steuerung und Finanzen sowie Tiefbau und Bauhof jeweils eine Stelle und der Abteilung Ordnung und Einwohnerwesen eine Fünftel-Stelle. Wie sich diese insgesamt 4,2 zusätzlichen Stellen finanziell auf den Haushalt auswirken werden, ist noch nicht ganz klar. Das hänge von der Einstufung der Stelleninhaber ab, erklärte Voßloh. Die Bürgermeisterin geht aber davon aus, dass die jährlichen Personalaufwendungen ab 2021, wenn alle Neueinstellungen erfolgt sind, um 200 000 bis 250 000 Euro steigen werden. 

Dem selbst auferlegten Sparkurs widerspricht das in Voßlohs Augen nicht. „Die Bezirksregierung hat uns von Anfang an attestiert, dass unser Personaleinsparkonzept sehr ambitioniert sei“, sagte die Bürgermeisterin. Eine Intervention der Kommunalaufsicht erwartet sie deshalb auch nicht, zumal Werdohl das enge Korsett des Stärkungspakts 2021 ohnehin ablegen darf. „Aber auch dann müssen wir natürlich im Auge behalten, dass wir von unseren hohen Kassenkrediten herunterkommen“, betonte Voßloh. 

Bereits erste Bewerbungen

Noch sind nicht alle Stellen ausgeschrieben. Nur die Suche nach einer Nachfolge für die ausgeschiedene Stadtplanerin Kathrin Hartwig hat die Stadt schon aufgenommen. Dass die Stelle nun trotzdem noch einmal ausgeschrieben wird, hänge damit zusammen, dass ein bereits eingestellter Bewerber dem zukünftigen hauptverantwortlichen Stadtplaner unterstützen soll. Für andere Stellen liegen laut Voßloh auch schon Initiativbewerbungen vor. Probleme, die Stellen zu besetzen, erwartet sie nicht. „Der erste Schritt ist mit dem Ratsbeschluss getan, jetzt müssen wir sehen, was der Arbeitsmarkt hergibt“, ist sie aber gespannt, wie Stellenbesetzung vonstatten gehen wird. 

Nicht im Zusammenhang mit der Ausweitung des Stellenplans steht eine andere Personalentscheidung im Rathaus. Noch immer ist die Verwaltung auf der Suche nach einer Leitung für den administrativen Bereich der Abteilung Jugend, Soziales und Wohnen. Zwischenzeitlich war die schon gefunden, bis dann ein Bewerber vor dem Arbeitsgericht gegen das Auswahlverfahren klagte. Die Stadt stimmte einem Vergleichsvorschlag zu. Der sieht vor, dass das Auswahlverfahren unter Beachtung der von dem Kläger beanstandeten Aspekte noch einmal durchgeführt werden muss. Bürgermeisterin Silvia Voßloh geht davon aus, dass sich das Verfahren bis in den Herbst hinziehen wird. So lange nimmt die Aufgaben auf dieser Stelle neben Kirsten von der Crone, die für pädagogische Aufgaben verantwortlich ist, interimsweise Dana Block wahr.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare