Unterbringungsverfahren

Werdohler soll zwei Schülerinnen belästigt haben: Das sagen die Zeugen

Kupferprozess Landgericht Hagen
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Der Unterbringungsprozess gegen einen Werdohler vor dem Landgericht wird fortgesetzt

Von einem Vorfall, der am Werdohler Busbahnhof begann, haben zwei Zeugen im Unterbringungsverfahren gegen einen 36-jährigen Beschuldigten berichtet. Der Werdohler soll am 7. September 2019 zwei 15 und 17 Jahre alten Schülerinnen in einem Linienbus nachgestellt haben.

Keine konkreten Hinweise auf ein strafbares Verhalten ergaben sich jedoch aus der Aussage einer mittlerweile 18-jährigen Zeugin, die dem Beschuldigten an jenem Tag am Bahnhof begegnet war. „Er hat mich gefragt, ob ich Facebook oder Instagram hätte“, erinnerte sie sich an die Szene. Sexuelle Annäherungen seitens des Mannes habe es dabei nicht gegeben.

Die jüngere Zeugin habe sich aber sichtlich eingeschüchtert zu ihr gesetzt. Dann seien beide Zeuginnen und der Beschuldigte in den Bus gestiegen. Während der Fahrt sei das jüngere Mädchen erschrocken, verängstigt und „total am Weinen“ zum Busfahrer gegangen.

Fahrer bestätigt das Geschehen

Der Fahrer als weiterer Zeuge bestätigte das Geschehen: „Ein Mädchen kam völlig aufgelöst nach vorne und sagte, sie werde verfolgt. Ein Mann sei hinter ihr her, der sie ,angemacht’ habe.“ Der Busfahrer benachrichtigte über seine Leitstelle die Polizei, die den Bus an der Wilhelmshöhe in Neuenrade in Empfang nahm. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Beschuldigte den Bus allerdings schon verlassen.

Der Fall

2018 lehnte das Landgericht Hagen die Unterbringung eines heute 36-jährigen Werdohlers in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik ab. Wegen einiger Faustschläge des an einer psychotischen Erkrankung leidenden Beschuldigten gegen Mitarbeiter und Mitpatienten in der Hans-Prinzhorn-Klinik (HPK) in Hemer wird im Landgericht erneut über seine mögliche Unterbringung in einer geschlossenen forensischen Klinik verhandelt.

Was genau sich zwischen ihm und der 15-Jährigen abgespielt hatte, konnte noch nicht aufgeklärt werden, da die Schülerin in der Riege der Zeugen fehlte. Die Ältere der beiden bestätigte einen Vorhalt aus den Akten: Ein Zeuge hatte ihr einen Sinnspruch des Beschuldigten aus dem Türkischen ins Deutsche übersetzt: „Das Schöne angucken wird belohnt.“

Beschuldigter will nach Los Angeles

In unruhiger Verfassung zeigte sich der Beschuldigte im Gerichtssaal. Wie gewohnt, unterstellte er mehreren Zeugen, sie würden lügen „wie gedruckt“. „Ich habe Sie noch nie in meinem Leben gesehen!“ Gravierender war der Vorwurf an seinen „angeblichen Vater“: Dieser habe ihm seine Männlichkeit abgeschnitten, und er wolle sie nunmehr zurückhaben. Und er hatte noch einen Wunsch: „Ich möchte nach Los Angeles!“ Der Vorsitzende Richter Christian Hoppe reagierte wie immer nüchtern und sachbezogen: „Das hatten Sie auch schon mal schriftlich mitgeteilt, dass Sie gerne in die Vereinigten Staaten reisen möchten!“

Weiterhin ist offen, ob der 36-Jährige, der momentan in der Hans-Prinzhorn-Klinik in Hemer untergebracht ist, auch nur einen kleinen Schritt Richtung Freiheit wird gehen dürfen. Seine entsprechende Nachfrage beantwortete der Vorsitzende mit dem Hinweis, dass er auf diese Entscheidung noch warten müsse. Am 5. Januar sollen weitere Zeugen gehört werden, bevor der psychiatrische Sachverständige sich zum Geisteszustand und zur zukünftigen Gefährlichkeit des Beschuldigten äußert.

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