Werdohler Seniorenheime: Noch genügend Fachkräfte

Nur Fachkräfte dürfen den Senioren Medikamente geben.

Werdohl -  Blutdruck messen, einen Verband anlegen und Medikamente ausgeben dürfen in Seniorenheimen nur Pflegefachkräfte. Die werden in Deutschland aber immer knapper: 300 000 bis 500 000 könnten bis zum Jahr 2030 fehlen. Werdohler Seniorenheim- und Pflegedienstleiterinnen sind uneinig, ob Fachkräfte aus dem Ausland eine Lösung sein könnten.

Von Constanze Raidt

Ja, findet Susanne Thöne, die Pflegedienstleiterin des Seniorenzentrums Haus Versetal. Ihre Bedingung: „Sie müssen Deutsch sprechen und es auch gut schreiben können.“ Anders gehe es nicht, schließlich müsse die Versorgung der Bewohner immer mehr dokumentiert werden.

Das sieht auch Anja Rittinghaus so. „Es ist nur schwierig, wenn jemand schlecht Deutsch spricht“, sagt die Leiterin des Evangelischen Altenhilfezentrums Wichernhaus. Wenn die Pflege gut sei und es mit der Verständigung klappe, sei es egal, ob der Pfleger oder die Pflegerin aus dem Ausland komme. Das gelte unabhängig davon, ob es sich um eine Fach- oder eine Hilfskraft handele. Sonia Tabiadon vom Seniorenzentrum an der Stadtklinik ist dagegen skeptisch. „Gerade für Demenzkranke spielt ihre Vergangenheit eine große Rolle“, sagt die Einrichtungs- und Pflegedienstleiterin. Wer mit ihnen arbeite, müsse sich mit Traditionen und der Mentalität im Märkischen Kreis auskennen. „Viele Senioren singen Volkslieder und waren im Schützenverein“, sagt Sonia Tabiadon. Da könne das Seniorenzentrum schlecht Chinesen in der Pflege einsetzen, wie es jetzt zum Beispiel in Frankfurt geschehe. Mit der Qualität habe das aber nichts zu tun, betont die Einrichtungsleiterin. Fachkräfte aus dem Ausland seien sicher gut ausgebildet. „Aber in der Altenpflege kommt es eben auch noch auf etwas Anderes an.“ Für das Seniorenzentrum an der Stadtklinik sei es nicht schwer, neue Fachkräfte aus dem Umkreis zu finden. Schließlich gebe es in Lüdenscheid und Iserlohn Fachseminare für Altenpflege. Die Hälfte der Mitarbeiter jedes Seniorenheims müssen Fachkräfte sein – die Einrichtung von Sonia Tabiadon erreicht sogar eine Quote von 61 Prozent.

Das habe sicher auch mit der Bezahlung zu tun, glaubt die Leiterin. „Wir zahlen nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst“, sagt Tabiadon. Im Moment interessierten sich viele junge Leute für den Pflegeberuf. „Aber ich weiß natürlich nicht, wie sich das entwickeln wird.“

Auch das Haus Versetal liegt mit 60 Prozent Fachkräften noch über der vorgeschriebenen Quote. Pflegedienstleiterin Susanne Thöne berichtet aber von größeren Schwierigkeiten, neue Mitarbeiter zu finden. „Es gibt wenig Bewerbungen“, sagt sie. Gerne hätte die Pflegedienstleiterin mehr Fachkräfte: „Die Hilfskräfte dürfen ja nur waschen und Essen anreichen.“ Für alle medizinischen Aufgaben seien Fachkräfte gefragt.

Mangelware sind auch Männer im Pflegeberuf: „Ich wünsche mir eine höhere Männerquote“, sagt Susanne Thöne. Einige Bewohner ihres Seniorenzentrums wollten nicht gern von Frauen versorgt werden. „Darauf müssen wir ja auch eingehen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare