Wilhelm Tell in der Realschule

Werdohler Schüler leisten den Rütlischwur

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Theatermacher Ekkehard Voigt schlüpfte immer wieder in unterschiedliche Rollen.

Werdohl – „Ich schöpfe in den Schulen so ein bisschen die Sahne ab“, sagt Ekkehart Voigt – und lächelt Realschulleiter Oliver Held schelmisch an.

Bevor der Wahlhesse und Gründer des „Theaters als ob“ in der Schulaula Wilhelm Tell auf die Bühne bringt, plaudert er einige Minuten mit Held, der „schon ein kleines bisschen neidisch ist“. Und dass Voigt bei seiner Arbeit tatsächlich nicht in gelangweilte Schülermienen blicken muss und durchweg Begeisterung für sein Tun erntet, zeigt sich wenige Minuten später. 

Zum zweiten Mal war Ekkehart Voigt gestern zu Gast auf dem Köstersberg. Nachdem er im vergangenen Jahr den Zehntklässlern Goethes Faust aufgetischt hat, waren nun die Schüler der fünften und sechsten Klassen an der Reihe. Auch Dank der Unterstützung des Fördervereins der Realschule reisten sie mehr als 700 Jahre in die Vergangenheit, um unter anderem den legendären Schweizer Freiheitskämpfer und seinen Sohn Walther kennenzulernen. 

Jugendliche unterstützen den Held des Dramas

Und nicht nur das: Die Jugendlichen unterstützten den Held des Dramas nach besten Kräften. Ekkehard Voigt – er stand ganz allein auf der Bühne, beziehungsweise lief oder schritt entlang der Stuhlreihen – verkörperte insgesamt zehn Rollen. Geschickt verstand er es, die Realschüler einzubeziehen: Er forderte alle auf, gemeinsam den berühmten Rütlischwur nachzusprechen oder bat eine Schülerin zu einer bestimmten Szene die Fahne mit dem Schweizer Kreuz zu schwenken. 

Beeindruckt und begeistert: Die Fünft- und Sechstklässler begleiten Ekkehart Voigt, der in insgesamt zehn Rollen schlüpft. Sie leisten unter anderem den Schwur der Freiheitskämpfer auf der Rütliwiese.

Doch mit einfachem Mitmach-Theater gab sich Voigt nicht zufrieden. Er beeindruckte die Jugendlichen mit seiner Bühnenpräsenz sowie mit ausdrucksstarker Mimik und Gesten. Empfanden die Schüler die Sprache der Protagonisten manchmal als schwer verständlich, verfolgten sie dennoch weiterhin aufmerksam das Geschehen. Zumal Voigt zwischendurch immer wieder in die Rolle des Erzählers, des kleinen Walther Tells schlüpfte, und sozusagen übersetze, was sich gerade auf der Bühne zugetragen hatte. 

Immer wieder eine andere Rolle

Jedes Mal, wenn der Theatermacher („Ich bin Schauspieler, Autor, Bühnenbildner, Requisiteur und vieles mehr in einer Person“) eine andere Rolle annahm, kündigte er das mit dem Aufsetzen oder der räumlichen Nähe zu einer Kopfbedeckung an. Auch ein Kopftuch war darunter, was Voigt dazu veranlasste, kurz ein aktuelles Thema zu kommentieren: „Damals war ein Kopftuch noch kein Problem...“ 

Die 135 Realschüler verbrachten 85 spannende und lehrreiche Minuten in der Aula. Für die Fünftklässler hatte Lehrerin Ines Grothoff anschließend noch eine Nachbesprechung mit Ekkehart Voigt organisiert. Mit Wilhelm Tell hätten sich zuvor alle jungen Zuschauer im Deutsch-Unterricht beschäftigt, erklärte Grothoff: „Viele kannten Wilhelm Tell, die meisten wussten aber nicht wirklich, welche Geschichte sich hinter diesem Namen verbirgt.“

Wilhelm Tell ist das letzte vollendete Drama von Friedrich Schiller. Es wurde am 17. März 1804 in Weimar erstmals aufgeführt. Dem Freiheitskämpfer Wilhelm Tell und dem Unabhängigkeitsstreben der Schweiz setzte Schiller mit seinem Drama ein zeitloses Denkmal.

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