Parkinson-Gesprächskreis will Betroffenen Mut machen

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Der Werdohler Reinhold Kellmann leidet an Parkinson und hat sich im Jahr 2016 einer Operation unterzogen.

Werdohl/Balve - Reinhold Kellmann hat zu Parkinson eine ganz eigene Meinung: „Ich habe keine Angst vor dieser Krankheit – aber Respekt.“

Bei dem 60-jährigen Werdohler ist 2009 während einer ärztlichen Routineuntersuchung die Diagnose „Parkinson“ gestellt worden. „Meine Hand hat gezittert“, erinnert er sich. Vom Arzt habe er die Ursache dafür wissen wollen. Seitdem hat sich sein Leben verändert, und dies nicht nur, weil er seit 2013 Erwerbsunfähigkeitsrente bezieht, sondern auch wegen der vielen Medikamente, die er täglich einnehmen musste.

Neu motiviert wurde er durch eine in der Uniklinik-Köln vorgenommene Hirnstimulation. Seitdem trägt er einen Impulsgeber unter dem Schlüsselbein, der die Krankheitssymptome unterdrückt. „Ich war 2016 noch nicht zu alt für diese Operation und die Krankheit bei mir noch nicht zu weit fortgeschritten“, blickt er auf die erfolgreich verlaufene Operation und den anschließenden Reha-Aufenthalt zurück. Und heute: „Es geht auf jeden Fall besser.“ Das Zittern habe nachgelassen und auch die Alltagstätigkeiten gehen besser von der Hand. Reinhold Kellmann ist dankbar dafür, seinerzeit in einem „Geo“-Heft über die Hirnstimulation gelesen zu haben und in Köln kompetente Ärzte gefunden zu haben. Er weiß aber auch: „Das ist nicht für jeden geeignet.“ 

Beim Parkinson-Gesprächskreis, der an jedem letzten Freitag im Monat von 15 bis 16 Uhr im Balver Malteser-Heim (Dechant-Löcker-Weg 6) stattfindet, findet der Werdohler ein Forum zum Austausch. Etwa 15 Frauen und Männer aus Balve, Neuenrade und Werdohl nehmen teil. Initiatorin ist Claudia Kaluza. Die 55-Jährige ist selbst erkrankt, und beschreibt den ersten Kontakt mit Parkinson so: „Das ist anderen 2010 während einer Feier aufgefallen.“ In Gesprächen wurde sie auf Veränderungen aufmerksam gemacht: Sie sei ruhiger und langsamer geworden, spreche undeutlich und habe einen starren Gesichtsausdruck, habe man ihr gesagt. „Dann habe ich selbst die Initiative ergriffen“, wollte sie Klarheit haben. „Weiberfastnacht 2011 bekam ich dann in Göttingen den Befund ,Parkinson‘.“

Ihren Beruf bei der Arbeitsvermittlung im Jobcenter musste sie aufgeben, nachdem ihr 2017 Erwerbsunfähigkeit bescheinigt wurde. Die lebenslustige, gebürtige Rheinländerin, die mit ihrer Familie ihren Lebensmittelpunkt in Neuenrade gefunden hat, muss sich auf diese Krankheit einstellen. 25 Tabletten am Tag nur gegen Parkinson muss sie nehmen, außerdem Termine für Ergotherapie, Logopädie, Krankengymnastik und Psychotherapie wahrnehmen. „Die Krankheit ist sehr vielschichtig“, sagt sie. Für Claudia Kaluza kam die Hirnstimulation nicht in Frage, sie muss andere Wege gehen. 

Und dabei kam ihr vor einem Jahr die Idee, einen Gesprächskreis in den Räumen des Malteser Hilfsdienstes zu gründen. Mit dabei ist Anita Weins (68). Seit vielen Jahren ist sie, die nicht von Parkinson betroffen ist, in und rund um die St. Blasius-Kirche und dabei auch bei den Maltesern aktiv. Mit Claudia Kaluza verbindet sie eine lange Freundschaft. „Meine rechte Hand“, sagt diese dazu. Gemeinsam fahren sie in diesem Monat nach Israel. 

Und einmal im Monat öffnen Kaluza und Weins die Türen des MHD-Heims für den Parkinson-Gesprächskreis. Ziel ist es, ein umfassendes Netzwerk in lockerer und vor allem geschützter Atmosphäre zu schaffen. „Der Betroffene muss den ersten Schritt machen“, möchte Claudia Kaluza allen Mut machen, sich mit Gleichgesinnten zu treffen. Informationen erhalten Betroffene unter Tel. 0 23 75/52 72, 0 23 92/6 52 78 und 0 176/ 56 85 44 87. An jedem letzten Freitag im Monat findet von 14 bis 15 Uhr im Balver MHD-Heim (Dechant-Löcker-Weg 6) eine Sprechstunde statt.

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