Realschüler stürmen ihre Schule an der Brüderstraße

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Laut und lustig fiel gestern der Schulsturm der Realschüler aus.

Werdohl - Am Mittwochmorgen um 7.30 Uhr war die Brüderstraße gesperrt. Auf einer umgestürzten Mülltonne saß ein junger Mann und rief mit einem Megafon in Richtung eines Autofahrers: „Du kommst hier nicht durch“.

Aus quietschbunten Gewehren schossen andere Jugendliche Wassersalven auf den Wagen und Passanten. Die Zehner der Realschule verabschiedeten sich mit ihrem Schulsturm. Feucht wurde es auch anderthalb Stunden später. In der Turnhalle der Realschule flossen bei einigen Zehntklässlern die Tränen. Denn mit dem Ende ihres Schulsturms kam der Abschied von ihrer Schule unweigerlich immer näher. Es war wohl doch eine Zeit, die die 54 Mädchen und Jungen überwiegend genossen hatten.

Schulleiter Bernd Bunge attestierte den beiden Klassen: „Da war alles dabei – liebe, wilde, leistungsstarke, verrückte und laute Schüler.“ Also ein bunter Haufen, den die Lehrer Friedrich Brune und Thorsten Leppert im Griff hatten. Und dabei hatten sich Pädagogen wie Schützlinge offensichtlich gegenseitig lieb. Das zeigten die zahlreichen Umarmungen, die in der Turnhalle ausgetauscht wurden.

Im Vordergrund stand dort aber eine Art Dschungel-Olympiade. Bunge, Brune, Leppert und weitere Lehrer mussten sich an Lianen über einen Pool und ausgestreutes Stroh schwingen. Auch wilde Tarzan-Schreie durch das Megafon wurden den Pädagogen abverlangt. Wenigstens einmal sollten die Rollen anders verteilt sein und die Schüler das Sagen haben.

Schulsturm der Realschüler

Die Realschullehrer ergaben sich bereitwillig ihren Besatzern, die am Morgen zuvor den Treppenaufgang zur Schule mit rot-weißem Flatterband verbarrikadiert hatten. Während ein wissbegieriger Schüler noch vergeblich versuchte, dennoch ins Schulgebäude zu gelangen, standen die anderen am Straßenrand und verfolgten das bunte Treiben der Straßenblockierer. Während die sich nun auf der Fahrbahn niederließen und in den Sitzstreik gingen, standen die jüngeren Realschüler teilweise mit offenem Mund staunend da.

Die beschriebenen, ursprünglich weißen Latzhosen der Aufständler zeichneten sie als Schulabgänger aus. Zwei unterschiedliche T-Shirts zeigten die Zugehörigkeit zu den zwei zehnten Klassen. Die 10a verkündete auf ihren Leibchen: „Chabo wissen, wer der Abschluss hat: Trotz Haftbefehl freigelassen“ (eine Anspielung auf den Song „Chabos wissen, wer der Babo ist“ des Rappers Haftbefehl – Chabo bedeutet soviel wie „Junge“, Babo steht für eine Respektsperson) und die 10b attestierte sich selbst: „Keep calm, ‘cause we are fucking awesome“ (zu deutsch etwa: „Bleibt ruhig, denn wir sind ziemlich beeindruckend.“) - Von Michael Koll

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