Jahrtausendwechsel wird zweiter Geburtstag für Axel Voltmann

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Feuerwerk wie dieses hat der Werdohler Axel Voltmann rund 20 Jahre lang konzipiert und durchgeführt.

Werdohl - Den Jahrtausendwechsel wird der Werdohler Axel Voltmann wohl nie vergessen. Nicht nur, weil der Pyrotechniker bei einer Silvesterparty in Balve-Beckum damals eines seiner schönsten und größten Feuerwerke zündete, sondern weil der heute 61-Jährige seitdem immer am letzten Tag eines Jahres zum zweiten Mal Geburtstag feiert.

„Es war das große Finale, bei dem viele Effekte gleichzeitig gezündet werden sollten“, erinnert sich Voltmann immer noch genau, als die Zündschnur riss und das Feuerwerk zum Stehen kam. Als der Pyrotechniker den Fehler schnell beheben wollte, erwischte ihn eine verzögerte Fehlzündung mit voller Wucht.

„Mir wurden Helm und Schutzbrille vom Kopf gerissen, mein ganzes Gesicht war verbrannt. Ich wurde sofort ins Krankenhaus gebracht“, sagt Voltmann. Dass der Werdohler, der mittlerweile in Bochum lebt, 17 Jahre später entspannt über diesen Unfall sprechen kann, liegt daran, „dass ich riesiges Glück hatte und praktisch keine Schäden zurückbehalten habe. Die Sache hätte allerdings auch ganz anders ausgehen können“.

Bis zu 30 Großfeuerwerke im Jahr

Seine Leidenschaft für Feuerwerk hat dieser Zwischenfall nie verändert. „Es gibt zwei Arten von Menschen. Die einen lassen lieber die Finger von Feuerwerk, die anderen macht es regelrecht süchtig. Ich gehöre zur zweiten Gruppe“, sagt der 61-Jährige lachend. Seit Mitte der 90er-Jahre und bis 2015 zündete Voltmann zusammen mit seiner Frau, ebenfalls Feuerwerkerin, und weiteren Helfern nebenberuflich bis zu 30 Großfeuerwerke im Jahr. „Das war extrem zeitintensiv und dann nicht mehr mit meinem Job zu vereinbaren“, sagt der Werdohler. Denn 2015 verschlug es Voltmann nach Dortmund, wo er als Geschäftsführer des Landesverbands Nordrhein-Westfalen für die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk sein Büro hat.

Axel Voltmann


In den rund zwei Jahrzehnten zuvor zündete Voltmann Großfeuerwerke zu den verschiedensten Anlässen und war an mehreren Film- und Fernsehproduktionen beteiligt. „Für ein großes Firmenfest hat ein Auftraggeber mal das gesamte Gelände der Karl-May-Festspiele in Elspe gemietet, das wir feuerwerkstechnisch und mit einer Lasershow bespielen durften“, erinnert sich Voltmann.

Feuerwerk für Schalke 04

Darüber hinaus war der Werdohler häufig für die Sommerfeuerwerke im Essener Grugapark oder beim Fanfest des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 verantwortlich. Besonders im Gedächtnis bleiben wird Voltmann ein Feuerwerk, das vor Jahren vom Dach des Essener Rathauses in der City abgeschossen wurde. Bei diesem durfte der Pyrotechniker mit „Kamuro“ seinen absoluten Lieblingseffekt verwenden. „Das sind die goldenen Fäden, die einen riesigen Baldachin am Himmel bilden und langsam nach unten sinken. Vor dieser Citykulisse sah das gigantisch aus“, sagt Voltmann.

Zumal er in Essen gleich eine 300-Millimeter-Bombe abschießen durfte. „Der Rückstoß aus dem Abschussrohr war dabei so stark, dass im Vorfeld zunächst ein Statiker prüfen musste, ob wir diesen Effekt überhaupt vom Rathausdach zünden durften. Aber auch hier ist letztlich alles gut gegangen“, erinnert sich Voltmann.

Auch Starkregen war kein Hindernis

Überhaupt habe er in all den Jahren nie ein Großfeuerwerk ausfallen lassen müssen. In einigen Fällen sei die Lage aber kritisch gewesen. „In Gelsenkirchen haben wir mal den Abschlussteil trotz Gewitters mit Starkregen durchgezogen. Obwohl der Abbrennplatz hinterher Zentimeter hoch unter Wasser stand, hat alles wie geplant funktioniert“, sagt Voltmann.

Bei einem Event in Schalksmühle hatte der Pyrotechniker dagegen mit dem anderen Extrem zu kämpfen. Nachdem es wochenlang kaum geregnet hatte, herrschte in dem engen Talkessel erhöhte Waldbrandgefahr. „Wir haben kurzerhand die Kräfte für den Brandschutz verdoppelt und so auch dieses Feuerwerk problemlos durchgezogen“, sagt Voltmann.

Mittlerweile nur noch Zuschauer

2015 war damit Schluss. Mittlerweile hat der Werdohler seine komplette Ausrüstung abgegeben und ist bei Großfeuerwerken nur noch in der Zuschauerrolle – wenn auch in einer ganz besonderen. „Bei jedem Element denke ich darüber nach, wie der Kollege das wohl gemacht hat. Einfach entspannt zuschauen – das kann ich nach so vielen Jahren nicht“, sagt Voltmann.

Die nächste Gelegenheit, die Arbeit eines Kollegen zu bewerten, bietet sich natürlich zum bevorstehenden Jahreswechsel in wenigen Tagen. „Wir sind in Bochum erst im Schauspielhaus, anschließend auf einer großen Feier im Ballsaal, zu der auch ein großes Feuerwerk gehört. Mal schauen, was da so geboten wird“, sagt Voltmann schmunzelnd.

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