Pumpenhersteller Kracht investiert in großem Stil

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In der ehemaligen Lagerhalle hat Kracht die neue Schleiferei eingerichtet.

Werdohl - Der Pumpenhersteller Kracht investiert gerade in großem Stil in seinen Stammsitz an der Gewerbestraße in Werdohl. Erst vor knapp zwei Jahren hat das Unternehmen sein neues, rund 7,7 Millionen Euro teures Logistikzentrum in Betrieb genommen. Doch das war erst der Anfang.

„Wir haben hier innerhalb von zwei Jahren alles umgekrempelt“, blickt Kracht-Geschäftsführer Heiko Zahn und sagt damit nicht ganz die Wahrheit. Denn tatsächlich wird in den Werkshallen am westlichen Stadtrand von Werdohl noch immer emsig gebaut und renoviert. „Nach 45 Jahren wird das aber auch mal Zeit“, meint Zahn. 

Ein Blick zurück: 1974 hatte das 1911 als Pumpen- und Motorenfabrik gegründete Unternehmen seine bis dato auf mehrere Standorte innerhalb Werdohls verteilten Betriebsteile an der Gewerbestraße konzentriert. Im Sommer 2016 läutete Kracht dann mit dem Baubeginn für ein Hochregallager mit 5100 Stellplätzen für Europaletten und für 11 000 Plätzen für Behälter mit Kleinteilen eine neue Ära ein. Durch das Logistikzentrum wurde der Materialfluss im Unternehmen vollkommen neu konzipiert. „Früher mussten sich die Mitarbeiter in der Montage das benötigte Material holen, mittlerweile kommt das Material automatisch zu ihnen“, erklärt Zahn, was sich geändert hat. Und auch dieses neue System soll noch verbessert werden: Durch einen elektrisch angetriebenen Routenzug mit fünf Anhängern, der dann durch die Werkshallen rollt und die verschiedenen Arbeitsplätze bedient. 

Viel in Automatisierung investiert

Im Anschluss an die Inbetriebnahme des Logistikzentrums, dessen Herzstück das computergesteuerte Hochregallager ist, ging es bei Kracht aber praktisch nahtlos weiter mit den Investitionen. „Wir haben hier zuletzt wahnsinnig viel in die Automatisierung investiert“, verrät Geschäftsführer Zahn, möchte aber keine konkrete Summer nennen. Doch während er die einzelnen Investitionen aufzählt, wird schnell klar: Kracht hat einen zweistelligen Millionenbetrag ausgegeben, um der steigenden Nachfrage von Pumpen, Hydraulikkomponenten, Ventilen und Durchflussmessgeräten gerecht werden zu können. 

Heiko Zahn, Geschäftsführer der Kracht GmbH.

Im April 2017 sei die Zahl der Aufträge schlagartig gestiegen, erinnert sich der Geschäftsführer. Und er hat auf diese veränderte Nachfrage reagiert, hat neue Maschinen angeschafft und sogar eine bereits verkaufte Maschine wieder zurückgekauft. „Damit haben wir es geschafft, die Lieferzeiten unter fünf Wochen zu drücken“, berichtet Zahn. Zu den Neuanschaffungen zählt eine aus fünf hintereinander angeordneten Einzelmaschinen bestehende CNC-Drehstraße, deren Anlieferung mit zwölf Lastwagen schon eine logistische Herausforderung war. Das 58 Meter lange Hightech-Monstrum war nach Zahns Angaben mit Kosten rund 4,2 Millionen Euro die größte Einzelinvestition. Die Maschine verfügt über ein Arsenal von mehr als 900 Werkzeugen, die je nach Bedarf automatisch ausgewählt und an ihren Einsatzort gebracht werden. Dadurch kann Kracht jetzt 72 verschiedene Produkte gleichzeitig produzieren, was die Rüstzeiten drastisch reduziert. „Schnelligkeit ist für uns das Hauptthema, Lieferzeiten zu reduzieren, das oberste Ziel“, verrät Zahn, worauf es in einem zunehmend ungeduldigen Markt ankommt. 

Niederlassungen auch in China und den USA

Den Umbau des Stammsitzes hat der Pumpenspezialist, der auch Niederlassungen in den USA und China hat, auch in der ehemaligen Lagerhalle vorangetrieben. Dort befindet sich neuerdings die Schleiferei, für die Kracht im vergangenen Jahr zwei neue Maschinen für je rund eine Million Euro angeschafft hat. Auch sechs neue Drehmaschinen stehen in diesem Teil des insgesamt rund 30 000 Quadratmeter umfassenden überdachten Firmenkomplexes. 

Im ganzen Betrieb hat Kracht außerdem eine neue Lüftungsanlage installieren lassen. Dadurch soll das Arbeiten zwischen den riesigen Maschinen, die ordentlich Wärme abgeben, erträglich werden. 

Der Platz wird schon wieder knapp

Trotz aller Investitionen wird der Platz bei Kracht aber jetzt schon wieder knapp. Vom eigentlich geplanten Verkauf einer 1000 Quadratmeter großen Lagerhalle in Lüdenscheid hat das Unternehmen deshalb wieder Abstand genommen. Dort werden jetzt selten benötigte Dinge wie Zubehörteile für Maschinen aufbewahrt. Das schafft Platz, der an der Gewerbestraße in Werdohl dringend benötigt wird. 

Die größte Investition war mit rund 4,2 Millionen Euro zuletzt die Anschaffung von fünf hintereinander platzierten CNC-Maschinen

Das hängt auch damit zusammen, dass Kracht sein Werk in der ungarischen Hauptstadt Budapest im November geschlossen hat und im Land der Magyaren nur noch einen Vertrieb aufrecht erhält. „Die Lohnkosten dort sind einfach zu stark gestiegen“, begründet Zahn diesen Schritt. Ungarns Regierungschef Viktor Orbán locke mit dem Versprechen niedriger Steuern große ausländische Firmen ins Land, die dringend Arbeitskräfte benötigten, erklärt der Kracht-Geschäftsführer. Die Folge sei, dass Mitarbeiter entweder höhere Löhne forderten oder unkontrolliert abwanderten. 

Werk geschlossen

Zahn machte dieses Spiel nicht mit, schloss das Werk mit 55 Mitarbeitern, transportierte die größtenteils neuen, modernen Maschinen ins Werdohler Stammwerk und stellte fest: Die Produktivität ist seitdem stark angestiegen. „Und das Know-how ist in Deutschland sowieso unschlagbar“, ist der Kracht-Chef überzeugt. 

Die einstigen Kracht-Mitarbeiter in Ungarn seien übrigens nicht auf der Straße gelandet, versichert Zahn. Fast alle hätten sehr schnell andere Arbeit gefunden, ein einziger werde derzeit noch in Budapest beschäftigt. „Und einer, der zunächst nur für drei Wochen mit nach Werdohl gekommen ist, um die Maschinen hier einzurichten, hat inzwischen seine Familie nachgeholt und bleibt hier“, erzählt er. 

Modernisierung des Stammwerkes

Derweil läuft die Modernisierung und Renovierung des Stammwerkes weiter. Gerade wird in der Montageabteilung der Fußboden erneuert. In den nächsten Wochen soll dieser Teil des Unternehmens komplett neu aufgebaut werden. Und auch der Anlagenbau, der jedoch nur einen kleinen Teil der Kracht-Aktivitäten ausmacht, wird noch neu eingerichtet. 

Keine Frage: Nach 45 Jahren erfährt die Kracht-Zentrale gerade eine Rundum-Renovierung. Auf Kosten von Arbeitsplätzen geht das eindeutig nicht, im Gegenteil: „Wir haben schon 2018 viele neue Leute eingestellt. Und wir suchen weiter“, sagt Geschäftsführer Heiko Zahn. Aktuell beschäftigt Kracht in Werdohl 335 Mitarbeiter – Tendenz: steigend.

Kracht ist einer der führenden deutschen Hersteller von Zahnrad-Pumpen, Durchflussmesstechnik, Hydraulikkomponenten und Ventilen. Mehr als 350 Mitarbeiter weltweit konstruieren, produzieren und vertreiben Produkte sowohl in Standardausführungen als auch Sonderlösungen nach Kundenwunsch. Eingesetzt werden Kracht-Bauteile zur Getriebeschmierung zum Beispiel in Windkraftanlagen oder von Schiffsgetrieben, in Dosier- oder Mischanlagen beispielsweise bei der Herstellung von PU-Schäumen sowie in der Prüfstandstechnik.

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