Kirche: Kritischer Homo-Brief taucht in Lehrplänen auf 

+
Der 2009 von Pfarrer Dirk Grzegorek mitverfasste Brief zur gelebten Homosexualität gehört seit kurzer Zeit in Lehrpläne von Gymnasien.

Werdohl - Der offene Brief westfälischer Pfarrer an den damaligen Präses Buß, in dem Homosexualität in die Nähe von Therapie und Krankheit gerückt wurde, ist heute im Lehrplan Religionslehre einiger Schulen verankert.

Im Jahre 2009 gehörte der evangelische Pfarrer Dirk Grzegorek aus Werdohl, heute ist er Presbyteriumsvorsitzender, zu den Autoren dieses Textes. In einer engen Diskussionsrunde mit pfarramtlichen Kollegen aus Halver und Lüdenscheid hatte Grzegorek maßgeblich an dem Text des Briefes mitgewirkt, der später von 30 westfälischen Pfarrern unterschrieben wurde. Die Pfarrer baten den Präses der Evangelischen Landeskirche von Westfalen um einen Kurswechsel und befürchteten die Spaltung der Kirche. Der Diskussion über den Inhalt des Briefes kochte damals hoch. Dirk Grzegorek und die anderen schrieben: „Gelebte Homosexualität entspricht nicht der Schöpfungsordnung Gottes, wie sie in der Bibel beschrieben wird.“ Praktizierte Homosexualität werde im Alten wie auch im Neuen Testament abgelehnt. „Wo aber Homosexualität wie Linkshänder sein (in unseren Augen ein verzerrender und banalisierender Vergleich) als naturgegeben propagiert und Therapien diskreditiert werden, verweigert man Menschen, die unter ihrem homosexuellen Empfinden leiden, die Hilfe zur Veränderung. Wir wissen um persönliche Berichte von Menschen, die durch seelsorgliche und psychologische Hilfe zu einer neuen Orientierung gefunden haben.“ Den stark evangelikal ausgerichteten Theologen ging es in ihrem Brief an den damaligen Präses der Evangelischen Landeskirche von Westfalen um dessen Vorstellung, homosexuelle Lebensformen mit der Ehe gleichzustellen. Homosexuell empfindende Menschen dürften nicht diskrimiert oder abgelehnt werden, so die Briefeschreiber, auch ihnen gelte die Liebe und Zuwendung der Kirche. Gelebte Homosexualität sei allerdings mit der Bibel nicht zu vereinbaren. Liberale Medien stellten Pfarrer Grzegorek und die Unterzeichner des Briefes an den Pranger. So schrieb Spiegel Online damals in diesem Zusammenhang: „Aber auch in der evangelischen Kirche haben religiöse Eiferer schon gegen Homosexuelle Front gemacht.“ In Foren ging es härter zur Sache: „Wie für Schwulenheiler üblich, kann er weder einen geheilten schwulen Mann vorweisen, noch einen authentischen Bericht tatsächlich vorlegen. Einen Menschen zu einer neuen Orientierung verhelfen muss man nur, wenn man seine bisherige Orientierung ablehnt. Ablehnung ist in der schlichten Geisteswelt eines Evangelikalen nichts anderes als Hass.“ Der Brief ist nach sieben Jahren immer noch in vielen Quellen im Internet zu finden. Der Text hat erst vor kurzem als Arbeitsmaterial und Diskussionsgrundlage Einzug gehalten in Lehrpläne westfälischer Gymnasien. So ist er ganz aktuell als schulinterner Lehrplan für die gymnasiale Oberstufe im Fach Evangelische Religionslehre bei Gymnasien unter anderem in Attendorn, Münster, Witten, Lechenich und Aspel zu finden. Dabei geht es um die Übungssituation, dass in der Gemeinde eine Diskussionsveranstaltung über den Brief stattfinden soll. Im Arbeitsauftrag an die Schüler heißt es: „Bereiten Sie in arbeitsteiliger Gruppenarbeit die einzelnen Rollen sowie die Gesamtmoderation vor, indem Sie mögliche Argumente zusammentragen und einen Moderationsleitfaden erstellen.“ Attendorn gehört übrigens zum Evangelischen Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg. Dessen Superintendent Klaus Majoress hatte sich damals betont ausdrücklich gegen den Brief der Pfarrer aus seinem Kirchenkreis ausgesprochen, es handele sich um einzelne Meinungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare