Werdohler trennen ihren Müll besser als Großstädter

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Das Material wird in Gelben Säcken und den Inhalten der Gelben Tonnen bei der Wertstoffanlage in Iserlohn angeliefert. Die Anlage verarbeitet 95 000 Tonnen pro Jahr.

Werdohl - Das System der Mülltrennung gibt es in Deutschland mittlerweile viele Jahre, konsequent umgesetzt wird es aber längst nicht von allen Bürgern. So liegt die Quote der sogenannten Fehlwürfe beim Verpackungsmüll nach Schätzungen teilweise bei bis zu 60 Prozent. In Werdohl ist die Quote zwar geringer, bedeutet aber immer noch viel Arbeit für das Entsorgungsunternehmen Lobbe.

„Im Märkischen Kreis liegen wir mit einer durchschnittlichen Fehlwurfquote von 42 Prozent im unteren Bereich des Rankings“, sagt Michael Wieczorek, Geschäftsführer der Lobbe Entsorgung West GmbH & Co. KG, auf Anfrage der Redaktion. In vielen Großstädten liege die Quote bei deutlich über 50 Prozent.

Was können Gründe für die fehlerhafte Mülltrennung sein?

Wieczorek fordert, dass die Menschen wieder besser aufgeklärt werden müssen, wie bei der Einführung der Mülltrennung. Schließlich erhielten die Kommunen und Kreise in Deutschland vom „Dualen System“ als Betreiber des deutschen Mülltrennungssystems jährlich 21 Millionen Euro für Öffentlichkeitsarbeit.

Warum trennen die Menschen im Märkischen Kreis den Müll besser als in vielen Großstädten?

Nach Meinungen von Experten schade die Anonymität in Großstädten. In einem Mehrparteienhaus werde häufig einfach die nächste Tonne genommen, sobald eine voll ist und dabei nicht auf korrekte Trennung geachtet. Zudem fehle bisweilen das Grundverständnis für das Trennsystem. Laut des Verbandes Kommunaler Unternehmen könnte in diesem Zusammenhang ein Grund für die mangelnde Mülltrennung auch die zunehmende Migration sein.

Was bedeuten Fehlwürfe für den Entsorger Lobbe?

„Je mehr Fehlwürfe wir haben, desto mehr Arbeit haben wir auch“, sagt Lobbe-Pressesprecherin Sabine Günther im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Sortierung der sogenannten Leichtverpackungen aus privaten Haushalten, also der Inhalt aus den Gelben Tonnen/Wertstofftonnen, erfolgt bei Lobbe seit Anfang 2015 in der neuen Wertstoffaufbereitungsanlage in Iserlohn, in die der Entsorger rund 14 Millionen Euro investiert hat.

Wie wird dort gearbeitet?

Die Anlage hat eine Kapazität von 95 000 Tonnen im Jahr. Drei Siebmaschinen, drei Magnet- und zwei Wirbel-stromscheider, sechs Windsichter, zwei ballistische Separatoren und 16 sensorbasierte Sortiermaschinen der neuesten Generation sorgen dafür, dass die Wertstoffe korrekt getrennt werden. Hinzu kommen eine Paket- und zwei Ballenpressen. Teile der Arbeiten erfolgen allerdings auch weiterhin händisch.

Ein Mitarbeiter bedient die Ballenpresse.

Wie wird sortiert?

Ein Teil der Wertstoffe wie Aluminium und Weißblech, aber auch sortenreine Kunststoffe wie PET oder Polyethylen werden zur stofflichen Verwertung aussortiert, die übrigen wie Mischkunststoffe oder klassische Sortierreste zur energetischen Versorgung. Etwa die Hälfte des Inputs – also der Inhalt aus den Wertstofftonnen – kann stofflich verwendet werden, die übrigen rund 50 Prozent energetisch.

Gibt es gesetzliche Vorgaben bei der Wertstoffaufbereitung?

Das Verpackungsgesetz fordert ab 2019 eine Recyclingquote von 50 Prozent. In einem Vortrag beim Kasseler Abfall- und Ressourcenforum Mitte April sagte Wieczorek, dass diese Vorgabe wegen der „bedenklich schlechten Inputqualität, woraus ein sehr hoher Sortierrestanteil resultiert“, nur sehr schwierig zu erreichen sei. Moderne Sortieranlagen wie die in Iserlohn seien zwar grundsätzlich in der Lage, Sortierergebnisse zu schaffen, die eine Recyclingquote von mehr als 50 Prozent ermöglichten. Wenn aber der Sortierrestanteil im Input schon bei 50 Prozent liege, könne eine Recyclingquote von mehr als 50 Prozent vom Input faktisch nicht mehr erreicht werden.

Was unternimmt Lobbe, um die Quote der Fehlwürfe zu verringern?

„Einen Müllkommissar oder ähnliches gibt es bei uns nicht. Wir schicken niemanden los, der die Tonnen überprüft, bevor sie geleert werden. Auch unsere Fahrer können dies nicht leisten“, sagt Günther. Eine Kontrolle und Sortierung der Wertstoffe finde ausschließlich in der Aufbereitungsanlage statt.

Wie ist die Abfallentsorgung in Werdohl grundsätzlich geregelt?

Kreisangehörige Gemeinden sind in der Pflicht, die in ihrem Gebiet anfallenden Abfälle einzusammeln und dem Kreis zu übergeben. Dies übernimmt in Werdohl ebenso wie in Altena, Balve, Plettenberg, Nachrodt-Wiblingwerde, Menden und Iserlohn der Zweckverband für Abfallbeseitigung (ZfA), der dafür den Entsorger Lobbe beauftragt hat. Der ZfA sammelt Restmüll, Leichtverpackungen, Altpapier, Sperrmüll, Altglas, Grünabfall und Elektrogeräte. Dazu betreibt der Zweckverband mehrere Bringhöfe. So in Werdohl an der Gildestraße.

Wie finanziert sich der ZfA?

Die Finanzierung erfolgt über die Abfallbeseitigungsgebühren sowie über eine pauschale Einzelgebühr nach Entgeltordnung.

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