Werdohler Mediziner sind skeptisch

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Präsentiert das neue Lesegerät: Jessica Nosha aus dem Praxisteam von Thomas Greif. ▪

WERDOHL ▪ Die Phase des Austausches der Krankenversichertenkarte gegen die neue elektronische Gesundheitskarte (eGK) durch die Krankenkassen hat begonnen. In Werdohl sind schon zahlreiche Arztpraxen mit dem neuen Lesegerät ausgerüstet.

„Bis zum Jahresende sollen mindestens zehn Prozent der Versicherten mit der neuen Karte ausgestattet sein“, wie Ralf Jurka, Sprecher der AOK Regionaldirektion Lüdenscheid erklärt. Bis spätestens Ende 2013 solle diese dann bei allen Versicherten angekommen sein.

Die neue Karte unterscheide sich von der bisherigen nur dadurch, dass auf ihr das Passbild des Karteninhabers abgebildet ist, um so dem Kartenmissbrauch vorzubeugen. „Geplant ist, dass zu einem späteren Zeitpunkt unter anderem auch Notfalldaten oder Vorerkrankungen gespeichert werden“, sagt Jurka. Das solle das Prozedere für Patienten, Ärzte und Krankenkassen vereinfachen.

In den Hausarztpraxen von Thomas Greif und Dr. Klaus Rinke in Werdohl ist das neue Lesegerät schon installiert. „Rund 20 Patienten kamen bisher mit der neuen Karte“, wie Rinke erklärt. Er findet die Idee der neuen Karte sinnvoll. Das Passbild biete eine zusätzliche Sicherheit, damit kein Missbrauch mit den Karten getrieben werde. „Die Zukunft sehe ich in der Weiterentwicklung der eGK“,sagt Rinke.

Sein Kollege Thomas Greif steht der Einführung der neuen Karte skeptisch gegenüber. Er sieht vor allem Schwierigkeiten im Bereich des Datenschutzes. „Auf der Karte sind höchst sensible Daten gespeichert, die kommerziell interessant sein könnten.“ Zudem befürchtet er, dass es zu einem späteren Zeitpunkt – sobald alle Daten auf dem Chip gespeichert sind – zu einer erhöhten Einlesedauer der Karte in den Praxen kommen könnte. Auch die Kosten hat Greif im Blick. Das neue System sei immens teuer. „Kosten, die dafür aus dem Gesundheitstopf verwendet werden, fehlen an anderer Stelle“, ist sich Greif sicher. Zudem ist das System seiner Meinung nach noch nicht ganz ausgereift. „Manchmal hat man bei der Vehemenz, mit der solche Systeme gepuscht werden, den Eindruck, als hätte sich der eine oder andere Lobbyist damit eine goldene Nase verdient“, gibt Greif zu bedenken.

Dennoch kann auch er der neuen Karte etwas Positives abgewinnen: Ein deutlicher Vorteil sei, dass zukünftig die notfall-relevanten Daten wie beispielsweise Unverträglichkeiten auf der eGK abgespeichert seien. Die Neuerung mit dem Foto auf der Karte findet Greif gut. Schließlich sei mit den herkömmlichen Krankenkassenkarten in der Vergangenheit viel Schindluder getrieben worden. Nichtversicherte hätten sich so Leistungen erschlichen. Das belege die Dunkelziffer. Dem Werdohler Mediziner Greif selbst ist aus seiner Praxis allerdings kein solcher Fall bekannt. „Wir kennen unsere Patienten in Werdohl in der Regel“. - Ute Wesselmann

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