Aus der Versetalsperre

Werdohler Leitungswasser: So ist die Qualität

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Die Versetalsperre in Lüdenscheid ist Hauptlieferantin für das Leitungs- und damit Trinkwasser in Werdohl.

Werdohl – Nitrat im Grundwasser, seine Gefahren und die möglichen Ursachen durch die Landwirtschaft: Rund um das Thema Trinkwasser gibt es viele Schlagzeilen und ebenso viele Fragen.

Die Stadtwerke Werdohl beziehen ihr Trinkwasser aus der Lüdenscheider Versetalsperre. 

Die gute Nachricht vorweg: Die Nitratwerte im Leitungswasser liegen in Werdohl weit unter den Richtwerten, „das Leitungswasser ist einwandfrei und hat teilweise eine höhere Qualität als abgefülltes Mineralwasser“, betont Dietmar Nörthemann von den Stadtwerken Werdohl. 

Krebserregende Stoffe können entstehen

Zum Hintergrund: Der Nitratgehalt von Trinkwasser darf nach der deutschen Trinkwasserverordnung 50 Milligramm pro Liter nicht überschreiten. Warum? Weil es sonst zu einem Gesundheitsrisiko kommen kann. Im Magen kann Nitrat in Nitrit umgewandelt werden – zusammen mit Proteinen können krebserregende Stoffe entstehen. Außerdem kann Nitrit den Sauerstofftransport im Blut von Säuglingen blockieren, sodass diese „von innen“ ersticken, weiß der Umweltschutzverband VSR-Gewässerschutz. 

Gefahren, die in unserer Region jedoch nicht bestehen, wie auch Michael Brosch sagt. Er ist Bürgermeister in Halver und zugleich Vorstandsmitglied des Wasserbeschaffungsverbandes Lüdenscheid (WBV), der auch in Werdohl die Wasserversorgung sichert. „Die Qualität des Trinkwassers ist sehr gut, es kann und soll bedenkenlos getrunken werden“, so Brosch. Halver bezieht nicht nur Wasser aus seinen eigenen Quellen und Brunnen, sondern kauft auch Wasser beim WBV ein – ebenso übrigens wie Schalksmühle, Herscheid und Plettenberg. 

Zu rund 70 Prozent gefüllt

Während diese Kommunen ihr Wasser größtenteils aus der Jubachtalsperre beziehen, wird Werdohl vor allem mit Wasser aus der Lüdenscheider Versetalsperre versorgt. Trotz der zuletzt zwei trockenen Sommer, in denen die Verse neue Tiefstände erreicht hatte, konnte die Talsperre die Stadt als Hauptversorger problemlos beliefern. Inzwischen ist sie mit knapp 23,5 Milliarden Litern Wasser wieder gut gefüllt. Das entspricht etwas mehr als 70 Prozent der maximalen Staumenge der Versetalsperre. 

„Hier hatten und haben wir mit der Qualität und den Nitratgrenzwerten keinerlei Probleme“, erläutert Andreas Köster, Sprecher der Stadtwerke Lüdenscheid. Bereits vor der Aufbereitung im Wasserwerk Treckinghausen sei die Qualität gut, sodass im Nachhinein erst Recht keine Bedenken bestehen. Konkret heißt das: Der Jahresmittelwert lag im Jahr 2018 bei 4,4 Milligramm pro Liter – bei einem erlaubten Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. Der niedrigste Wert lag laut Trinkwasseranalyse im Jahr 2018 bei 3,7, der höchste bei 4,8. Neuere Analysen aus dem Jahr 2019 würden derzeit zur Einsicht auf der Internetseite der Stadtwerke Werdohl zusammengestellt, erklärt Dietmar Nörthemann. 

Qualität wird regelmäßig kontrolliert

Laut Andreas Köster kontrollieren und analysieren die Stadtwerke Lüdenscheid selbst regelmäßig die Qualität des Trinkwassers aus er Versetalsperre. Dafür haben sie ein eigenes Labor und stehen in Kontakt zur Landwirtschaft. Diese wird durch das Ausfahren von Gülle und anderen Düngern oftmals als möglicher Verursacher für hohe Nitratwerte im Grundwasser genannt. „Das ist in unserer Region jedoch völlig unkritisch.“ Grund genug auch für Michael Brosch, nur Wasser aus dem Kran zu trinken. Er liegt damit nicht nur im Trend, sondern tut auch Gutes für die Umwelt, in dem er auf unnötige Verpackungen, aber auch lange Lieferwege verzichtet. Nach Angaben der Stadtwerke Lüdenscheid habe die Trinkwassergewinnung, -aufbereitung, -speicherung und -verteilung einen CO2-Fußabdruck von etwa 0,4 Gramm/Liter. Beim Wasser aus der Flasche liege der CO2-Fußabdruck derweil bei rund 211 Gramm/Liter. „Bei einem vierköpfigen Haushalt mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 1,5 Litern Wasser zum Trinken könne so annähernd eine halbe Tonne CO2 pro Jahr eingespart werden“, rechnet Köster vor. 

Das Leitungswasser weist laut Dietmar Nörthemann zudem nicht nur eine gute Qualität auf, sondern sei im Vergleich zu gekauftem Wasser auch noch günstig: „1000 Liter kosten bei uns in diesem Jahr gerade mal 1,77 Euro. Für den Liter Wasser im Supermarkt bezahlt man rund 30 Cent“, sagt Nörthemann. Für 1000 Liter Supermarkt-Wasser legt man demnach 300 Euro auf den Tisch, was etwa dem 170-Fachen entspricht. Ein Sixpack Wasser kostet bei den Stadtwerken umgerechnet 1 Cent. 

„Trinkwasser aus dem Wasserhahn schont also nicht nur den Geldbeutel, sondern auch das Klima – und das bei hoher Qualität“, ist Andreas Köster überzeugt.

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