Werdohler kritisieren radikales Abholzen

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Bürgerstammtisch-Sprecher Manfred Hoh (links) hatte Revierförster Kevin Hauser und Jutta Wüllner von der Stadt Werdohl in den Versevörder Hof eingeladen.

Werdohl - Auch wenn eine Menge Fragen unbeantwortet blieben, weil nicht unbedingt die richtigen Referenten eingeladen worden waren, gab es am jüngsten Bürgerstammtisch doch allerlei Wissenswertes rund ums Thema Wald und Holz zu erfahren.

Von Volker Heyn

Stammtisch-Sprecher Manfred Hoh hatte schon vor längerer Zeit Jutta Wüllner von der Stadt Werdohl und den Revierförster Kevin Hauser eingeladen. Anlass war die Kritik einer Bürgerstammtischlerin, die sich kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres über das radikale Abholzen des Steilhanges zwischen Neuenrader Straße und Plettenberger Straße aufgeregt hatte. Dass die Frau sich zweieinhalb Monate danach immer noch ärgert, war ihr am Montag anzumerken. Revierförster Kevin Hauser hatte zwar eine sehr plausible Erklärung für den zwingenden Grund des Kahlschlags, aber den wollte die Klagende nicht unbedingt anerkennen: „Ich war fassungslos.“ Hauser wusste, dass zwei unterschiedliche Gutachter nach ihrer Expertise zu dem Hang gefragt worden waren. Beide seien zu dem Schluss gekommen, dass die kreuz und quer wachsenden Bäume auf die Bundesstraße zu fallen drohten. Eine Bewirtschaftung oder Durchforstung dieses steilen Hanges sei technisch nicht möglich, so Hauser. Das Holz habe man auch nur für die industrielle Verarbeitung nutzen können. Aufgeforstet werden soll der Hang auch nicht, sondern sich einfach nur wieder selbst begrünen. Auch Jutta Wüllner, die für die Stadt den Waldbesitz von 240 Hektar verwaltet, war von der Notwendigkeit der Maßnahme überzeugt: „Der Gutachter hat uns dazu gedrängt. Außerdem war sehr viel Totholz in dem Hang.“ Auch das wollte die Kritikerin nicht so ganz glauben: „Den Wald hat man jahrzehntelang verkommen lassen.“ Kevin Hauser hatte sich den Hang selbst angesehen: „Ich bin durchgelaufen, mir war nicht wohl bei der Sache.“ An dem steilen Stück sei es auch nicht möglich gewesen, einzelne Bäume zu entnehmen.

Viele Stammtischler schüttelten den Kopf und waren nicht einverstanden damit, „was so alles kahl abgeholzt“ worden sei. Ortskundig wussten wohl einige zu unterscheiden, was Privatwald und was städtischer Wald ist. Einer meinte, dass „wir in Werdohl komplett nackig gemacht“ werden. Ein anderer sprach von „Abholzeritis“. Den Bürgerstammtisch offensichtlich drängende Fragen zu den Bäumen, die am Straßenrand oder im Innenstadtbereich stehen, konnten Wüllner und Hauser fachlich nichts entgegnen.

Fragen zum Bergwaldprojekt konnte Hauser hingegen gut beantworten. Wie berichtet, spendet die Deutsche Post in diesem Jahr 3500 Setzlinge. In den acht Jahren nach Kyrill sei sehr viel Fläche wieder aufgeforstet worden. Hauser: „Bald gehen uns aber die Ecken aus, wo wir noch neu anpflanzen können.“

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