Werdohler Königsaar hat kräftig abgespeckt

Sportleiter Udo Müller (links) und sein Stellvertreter Markus Bauer präsentieren den Rumpf und eine Schwinge eines erlegten Königsadlers. Vorsitzender Andreas Schreiber (Mitte) hält ein dreifach verleimtes Weichholzbrett in der Hand, das eine Dicke von 40 Millimetern aufweist. „Pompöse Vögel gibt es jetzt nicht mehr“, sagt der Sportleiter. -  Foto: Witt

WERDOHL -  Recht zierlich wird er sein, der Schützenadler, auf den die Werdohler Grünröcke am Montag, 8. Juli, beim Wettstreit um die Königswürde anlegen. „Pompöse Vögel gibt es jetzt nicht mehr“, sagt Sportleiter Udo Müller. Schuld daran ist die vom Bundesministerium des Inneren geänderte Schießstandrichtlinie.

„Viele glauben, dass sich nichts verändert hat, weil die ursprünglichen Planungen des Ministeriums überarbeitet wurden“, erinnert Müller an die Welle der Empörung, die im März in Schützenvereinen und -bruderschaften aufgebrandet war. Doch das entspricht nicht den Tatsachen. „Wir schießen mit Kleinkalibergewehren und unser Vogel darf jetzt laut Ministerium nur noch eine Dicke von maximal 40 Millimetern haben“, erklärt der Sportleiter. Zum Vergleich: Bisher war der Rumpf des Werdohler Königsaars an seiner stärksten Stelle satte 15 bis 18 Zentimeter dick. Allein die Schwingen brachten es auf bis zu neun Zentimeter Dicke.

Für die Werdohler Schützen hätte diese Änderung der Maße bedeuten können, dass aus dem traditionellen Königsschießen künftig eine Minuten-Veranstaltung wird, bei der längst nicht jeder Grünrock am Gewehr zum Zuge kommt. „Wir mussten uns etwas einfallen lassen“, betont der Vorsitzende Andreas Schreiber.

Gemeinsam mit Vogelbauer Marc Schütt tüftelten Udo Müller, sein Stellvertreter Markus Bauer und Andreas Schreiber an einer neuen, zierlichen Königsvogel-Generation, die den Kleinkaliber-Kugeln aber ebenso lange standhält, wie sein großer Vorfahr. „Das war nicht leicht“, betont Müller. Mehrere Prototypen verabschiedeten sich beim Probeschießen viel zu schnell aus luftiger Höhe – bis die Lösung gefunden war: Am 8. Juli wird erstmals auf einen Königsaar angelegt, der aus dreifach veleimten Weichholzplatten besteht. „Der hält sich genau so lange oben wie unsere bisherigen Adler“, unterstreicht Schreiber und sagt: „Da kommt beim Schießen jeder mal dran.“

Allerdings: Rein optisch wird der Aar natürlich etwas weniger königlich erscheinen, auch wenn es bei der bisherigen Spannweite bleiben soll. „Der 3-D-Effekt wird nicht mehr so deutlich erscheinen wie bisher“, sagt Müller. Auch die Insignien sehen nicht mehr so aus wie bisher. Schreiber: „Der Apfel ist vorne gewölbt, die Rückseite ist aber platt.“

Natürlich hätten die Werdohler Schützen auch über andere Lösungen nachgedacht. Man habe überlegt, auf Großkaliber umzusteigen. „Aber jetzt kostet uns ein Schuss zehn Cent, beim Großkaliber-Gewehr kostet der Schuss einen Euro bis 1,20 Euro“, sagt Müller. Außerdem hätten neue Gewehre angeschafft oder zumindest für das Fest ausgeliehen werden müssen. Doch das ist noch nicht alles. „Die Jungschützen hätten dann nicht mehr auf den Adler anlegen können. Sie dürfen noch nicht mit dem Großkaliber-Gewehr schießen“, stellt der Sportleiter fest. Folglich war den Verantwortlichen des Vereins bewusst, dass kein Weg an der Diät für den Königsaar vorbeiführt. Wie sich diese ausgewirkt hat, das werden die Werdohler voraussichtlich bereits in der kommenden Woche erfahren – dann soll der Werdohler Königsvogel der Öffentlichkeit präsentiert werden. Übrigens gibt es auch Schützen, denen die Neugestaltung des Vogels entgegen kommen dürfte. „Die Vogelträger hatten bisher ganz schön Gewicht zu schleppen“, stellt Udo Müller fest. Er schmunzelt. „In Zukunft wird es für sie deutlich leichter werden.“

Von Carla Witt

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