Klettersteig ab sofort gesperrt

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Klettern verboten – mit Absperrungen unten und oben hat die Stadt unmissverständlich klar gemacht, dass die Begehung des Klettersteiges an der Altenaer Straße untersagt ist. Die Kletterfelsen rechts und links davon sind nicht betroffen.

Werdohl - Die Stadt Werdohl hat den Klettersteig an der Altenaer Straße gesperrt und damit eine vor anderthalb Wochen angekündigte Maßnahme vollzogen.

Die Sperrung sei auf Empfehlung eines Vertreters des Deutschen Alpenvereins erfolgt, teilte Bürgermeisterin Silvia Voßloh am Donnerstagnachmittag mit. 

Am Mittwochnachmittag hatte vor Ort ein Treffen von Vertretern der Stadt, des DAV und des Bürgerstammtisches stattgefunden. Auch der Werdohler Extremsportler Fred Lange, Initiator und Erbauer des Klettersteiges, hatte daran teilgenommen. Die Presse war zu dem Termin zunächst ein-, dann aber wieder ausgeladen worden. 

„Intensive Gespräche“ mit dem DAV 

Josef Fischer vom DAV-Landesverband NRW habe den Anwesenden die technischen Notwendigkeiten für den Bau eines Klettersteiges erläutert und bei einer Begehung verschiedene technische Mängel aufgezeigt, teilte Bürgermeisterin Voßloh am Tag danach in einer schriftlichen Presseerklärung mit. „Die Anwesenden waren sich einig, dass es ein gemeinsamer Wunsch ist, einen Klettersteig in Werdohl vorzuhalten. Es werden mit Herrn Fischer und dem DAV weiterhin intensive Gespräche geführt, um eine Lösung für den Werdohler Klettersteig zu finden“, heißt es weiter. 

Dennoch wird eine Nutzung des Klettersteigs bis auf Weiteres nicht möglich sein. Auf Vorschlag Fischers sei der Steig am Mittwoch sofort gesperrt worden. „Es wurden Bauzaunfelder angebracht und eine zusätzliche Beschilderung wird folgen“, teilte Voßloh mit. Nach wie vor ist offensichtlich völlig unklar, wer für die Sicherheit auf dem Werdohler Klettersteig verantwortlich ist. Der DAV, dessen Sektion Gummersbach sich um die benachbarten Kletterfelsen kümmert, lehnt eine Verantwortung für den Klettersteig ebenso ab wie die Stadt und der Bürgerstammtisch. Der Klettersteig-Erbauer Fred Lange sieht sich ebenfalls nicht in der Lage, das Risiko eines möglichen Unfalls auf sich zu nehmen. Die Stadt ist Eigentümerin der Grundstücke, auf denen sich die Kletterfelsen befinden, hat diese aber an den DAV verpachtet. 

Über die Haftungsrisiken von Klettersteig-Betreibern machen auch Experten keine klaren Aussagen. Für den Juristen Peter Janssen – er ist Rechtsanwalt und Vorstandsmitglied des Kuratoriums Sport und Natur, Deutschlands größter Interessenvereinigung im Natursport – besteht eine Verkehrssicherungspflicht nur, wenn ein Weg für den Verkehr geöffnet wird, nicht jedoch, wenn der Verkehr nur geduldet wird. Einen Grenzfall sieht er, wenn eine Gemeinde in einem Touristenprospekt auf eine bestehende Klettermöglichkeit hinweist. 

Kontrolle möglichst einmal pro Jahr 

Für die Sicherung von Klettersteigen gelte, dass sie einmal im Jahr – am besten zu Saisonbeginn – und nach besonderen Ereignissen kontrolliert werden sollten, meint Janssen. Beim Anbringen technischer Hilfsmittel wie zum Beispiel Haken ergibt sich aus Janssens Sicht eine Verkehrssicherungspflicht nur für Organisationen, nicht für Privatleute. Ehrenamtliche Funktionsträger im Deutschen Alpenverein (DAV) seien über ihre Verbände und Sektionen versichert. 

Auch nach Auffassung des DAV ergibt sich nur aus der Eröffnung oder Sanierung einer Kletterroute noch keine Verkehrssicherungspflicht. Etwas anderes könne aber in Betracht kommen, wenn mit zusätzlichen Sicherungsmitteln zu einer Begehung animiert werde und dies vielleicht sogar mit einer Kommerzialisierung verbunden sei, heißt es in einem DAV-Leitfaden zum Klettern in der Natur. In Fällen besonders beworbener Kletterrouten könne „der bergsteigerische Grundsatz der Eigenverantwortung außer Kraft gesetzt und durch das Schaffen von Vertrauen eine erhöhte Begehungszahl und damit ein Verkehr und eine Gefahrenquelle eröffnet werden“. Erweise sich dann die versprochene Sicherheit als trügerisch, weil etwa ein Bohrhaken nicht erkennbar fehlerhaft gesetzt worden ist, komme eine Haftung nach den Grundsätzen der Verkehrssicherungspflicht in Betracht. 

Wer hat eigentlich die Verkehrssicherungspflicht?

Doch wer hat eigentlich im Fall der Fälle eine Verkehrssicherungspflicht? Nach Auffassung des DAV zunächst einmal der Grundstückseigentümer. Hat der die Einrichtung der Route nicht selbst vorgenommen, sondern nur geduldet und zieht er daraus keinen Nutzen, haftet er nicht. Gesetzliche Vorgaben, wie Kletterrouten zu errichten gibt es übrigens nicht. 

Der DAV empfiehlt deshalb, sich an gewisse Normen zu halten, beispielsweise an die der Internationalen Union der Alpinismusvereinigungen (UIAA) oder an Europäische Normen (EN). „Sie spiegeln den Stand der ... anerkannten Regeln der Technik wider“, heißt es im DAV-Leitfaden. Verwende man das darin vorgeschlagene Material, sei man „eher auf der sicheren Seite“. Andererseits sei aber die Verwendung anderen Materials nicht verboten. Insgesamt ist die Rechtslage auf diesem Gebiet also sehr schwammig.

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