Wenn alle krank sind, kommt der Zauberer

Silke Wiederspahn-Hopmann (Kita Gernegroß), Jugendamtsleiterin Sybille Dworschak, Sandra Koch (Wunderkiste), Karina Wionsek (Budenzauber) und Sandra Westphal (Kita Momo, von links). Foto:cra

Werdohl - Im November und Dezember traf es die Kindertagesstätte Momo besonders hart. Nicht nur, dass mehrere Mitarbeiterinnen an Grippe erkrankten. Eine weitere hatte einen Unfall. Normalerweise können die städtischen Kindergärten Personalausfälle ganz gut kompensieren, weil Erzieherinnen aus einer Kita in einer anderen einspringen. Doch wenn mehrere gleichzeitig krank werden, wird es eng.

„Arbeit kann man mal einen Tag liegenlassen – Kinder nicht“, bringt Jugendamtsleiterin Sybille Dworschak das Problem auf den Punkt. Um mit krankheitsbedingten Engpässen besser fertigzuwerden, haben die städtischen Kindergärten immer wieder versucht, einen Personal-Pool mit möglichen Vertretungen einzurichten. „Der Plan ist aber nicht aufgegangen, weil der Arbeitsmarkt das nicht hergibt“, sagt Dworschak.

Zu Beginn des Kindergartenjahres sei die Situation etwas besser. Aber mitten im Jahr seien so gut wie gar keine Erzieherinnen zu finden. Denn auch Aushilfskräfte, die zwischendurch mal einspringen, bleiben nicht auf Dauer für die Kindergärten verfügbar, sondern suchen sich einen festen Arbeitsplatz. „Der Markt ist leergefegt“, sagt die Jugendamtsleiterin.

Sie hoffe, dass sich in Zukunft die „stille Reserve“ melde. So könnten zum Beispiel Erzieherinnen, die eine längere Familienpause gemacht hätten, zwischendurch einspringen und so wieder in den Beruf einsteigen.

Dieter Keßel vom evangelischen Familienzentrum Arche Noah hat damit schon gute Erfahrungen gemacht. Allerdings ging es bei der Arche Noah nicht um eine Krankheitsvertretung für wenige Wochen, sondern um längere Zeiträume. Drei Kolleginnen waren gleichzeitig schwanger geworden, eine dauerhaft erkrankt. Zwei Stellen konnte er innerhalb von zwei Wochen besetzen.

Notfallkoffer für einen Tag

„Wir haben erstaunlich viele Bewerbungen bekommen“, sagt Keßel. Erst habe es schwierig gewirkt, Personal zu finden. Doch Mund-zu-Mund-Propaganda habe geholfen, die „stille Reserve“ zu mobilisieren. Bei kurzfristigen Ausfällen helfen sich die Arche Noah und der zweite evangelische Kindergarten in Werdohl, die Kita Sternschnuppe, gegenseitig aus.

Die katholischen Kindergärten St. Michael und St. Bonifatius wenden sich in solchen Fällen an den Kita Zweckverband. „Wir haben 727 Kindergärten, das ist ein großes Potenzial“, sagt Eva Ortmann vom Zweckverband. Die Organisation koordiniere im Notfall, aus welchen Kitas Kräfte einspringen könnten.

Sandra Westphal, Leiterin der städtischen Kita Momo hat für ihre Einrichtung einen Notfallplan erarbeitet. „Wer kann wessen Aufgaben übernehmen und welche Angebote können wir minimieren, um trotzdem für die Kinder da zu sein?“, zählt die Leiterin die wichtigsten Fragen auf.

Außerdem hat Sandra Westphal einen Notfallkoffer gepackt. Darin sind besondere Spiele wie ein Hör-Memory, eine Entspannungsgeschichte, Stifte und Kopien eines Ausmalbildes. Darüber hinaus bringen Zauberstab und -hut einen Magier in den Kindergarten.

Eine Erzieherin könne mit diesen Spielen auch allein eine ganze Gruppe lange beschäftigen. „So können wir Personalmangel auffangen, ohne dass Stress entsteht“, erklärt Sandra Westphal. „Aber das funktioniert nicht dauerhaft, sondern immer nur für einen Tag.“

Von Constanze Raidt

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