Werdohler kaufen weniger Tüten: Papier und Stoff statt Plastik

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Anke Schneider (links) und Cordula Zeh-Martin von Augenoptik Jung kennen gar nichts anderes als die Jung-Papiertüten. Auch die Brillen würden häufig in Kartons und ganz selten in kleinen Plastiksäckchen geliefert.

Werdohl - Ein Wal verendet an mehr als 80 Plastiktüten in seinem Bauch. Eine Grüne Meeresschildkröte stirbt, weil sie Gummibänder, Plastikfetzen und Fischernetze gefressen hat.

Die UN teilt in einem Bericht mit, dass nur etwa neun Prozent der neun Milliarden Tonnen Plastik, die weltweit hergestellt wurden, wiederverwertet worden seien – das sind alles Meldungen der ersten Juniwoche. Dass Plastikmüll der Umwelt schadet ist klar, doch wie kann dem Problem entgegengewirkt werden? Der Süderländer Volksfreund hat sich in Werdohl umgeschaut. 

In ihrem Bericht warnt die UN vor einer weltweiten Plastikmüll-Krise und fordert Maßnahmen, um den Verbrauch vor allem von Einweg-Plastik zu reduzieren. Auch die Präsidentin des Umweltbundesamts, Maria Krautzberger, sprach sich erst kürzlich für eine Plastiksteuer aus. Was bestehende Maßnahmen bringen, können die Werdohler Händler berichten. 

Vereinbarung nicht unterschrieben

Die freiwillige Vereinbarung des Bundesumweltministeriums und des Handelsverbandes Deutschlands, Plastiktüten nur noch gegen Gebühr auszugeben, hat keiner von ihnen unterschrieben, die Gebühr gibt es trotzdem. Und dass schon zehn oder zwanzig Cent etwas bewirken können, hat Peter Ebener, Geschäftsführer des WK Warenhauses, in den vergangenen Jahren gemerkt. Dort werden Plastiktragetaschen nicht mehr kostenlos an die Kunden ausgegeben. „Der Verbrauch ist bestimmt um 65 Prozent zurückgegangen“, sagt Ebener. Aber alleine das Geld scheint nicht abzuschrecken: „Die Kunden greifen häufiger zu den Textiltüten.“ Diese seien zwar teurer, würden aber auch länger halten. 

Die Fleischwürste sind ohnehin eingepackt – aus Hygiene- oder Frischegründen brauchen sie also nicht in der Tüte zu sein.

Oliver Stahlschmidt kann mit Papier und Stoff allerdings wenig anfangen. Er ist Metzger im WK und auf Plastik allein aus Hygienegründen angewiesen. Schon beim Wiegen werde das Fleisch auf eine Folie gelegt. 

Was sich laut Stahlschmidt allerdings vermeiden lasse, seien viele zusätzliche Plastiktüten in denen das Fleisch geliefert werde. „Früher wurde das alles einfach in Kisten gepackt“, sagt er. Und auch heute liegt in einer Kiste das Fleisch in der Plastiktüte, direkt daneben liegt es einfach so in der Kiste. „Die Tüte hier ist Quatsch“, sagt der Metzger und geht einige Schritte weiter. In einer Kiste liegen viele Plastiktüten und in ihnen: verpackte Fleischwürste. Direkt daneben sind Salamis in Plastik eingepackt. „Die sind doch dafür gemacht, dass sie lange halten“, sagt Stahlschmidt. Oft packt er das Fleisch aus, nur um es wenig später an der Theke wieder einzupacken. 

Fleischwurst und Salami in Plastiktüten 

„Doppelt und dreifach eingepackt“ werden auch der Schmuck und die Taschen geliefert, die Barbara Köster im WK regelmäßig auspackt. Jeder Reißverschluss, jeder Griff und jeder Knopf seien einzeln mit Folie umwickelt. Auch Uhren sind in den kleinen Kartons in denen sie geliefert werden in Folie verpackt, zusätzlich klebt Plastik auf dem Ziffernblatt. „Das ist richtig viel Müll, das müsste nicht sein“, findet Köster. 

Beim Schuhhaus Brockhaus und bei Augenoptik Jung haben die Mitarbeiterinnen mehr mit Papiermüll zu tun. Plastiktüten gibt es bei Jung nicht: „Ich arbeite schon fast 30 Jahre hier und kenne nur unsere Papiertüten“, sagt Anke Schneider – und ist sichtlich froh darüber. „Damit machen wir ja auch noch Werbung für uns.“ Selbst bei etwas schwererer Beladung der Tüten gebe es keine Probleme mit der Stabilität. 

Kunden packen ihr Essen oft in Stoffbeutel

Und auch der schnelle Imbiss wird nicht mehr ausschließlich in Plastiktüten getragen. Bei Wurst Wagner gibt es zwar noch die dünnen Tüten, „viele Kunden packen ihr Essen aber auch in Stoffbeutel“, sagt Inhaberin Martina Hirschberger. Zum Verpacken benutzt sie beschichtete Pappschalen und Pergamentpapier, selten auch noch Plastikteller. Die hölzerne Alternative zur Plastikgabel hat sich allerdings noch nicht durchgesetzt.

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